Folgenreiche Panne

Corona-Gefahr in gerammelt voller S-Bahn: Lokführer läuft „zu Fuß am Gleis entlang“ - Fahrgäste außer sich

Szene von der S-Bahn-Station Hackerbrücke in München
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Die S-Bahn-Station an der Hackerbrücke in München: Hier fand jetzt eine kurzentschlossene Zugführer-Ablöse statt.

Eine Weichenstörung hat bei der S-Bahn München Verspätungen verursacht - in der Absicht, den Ablaufplan möglichst geschmeidig zu halten, entschied sich ein Lokführer dann zu einem verwegenen Schritt.

  • Am Donnerstagabend gab es in München wegen eine Störung am Ostbahnhof ein S-Bahn-Chaos.
  • Zusätzlich wartete eine Lokführerin auf einen Mitarbeiter, der sie ablösen sollte - zunächst vergeblich.
  • Die Corona-gestressten Fahrgäste nahmen die Panne dem Vernehmen nach nicht so gut auf.

München - Dienst nach Vorschrift: Diese Formulierung hat am Donnerstagabend im Münchner* Feierabendverkehr eine ganz neue Bedeutung bekommen. Mitten im S-Bahn-Chaos, das durch eine Weichenstörung am Ostbahnhof verursacht wurde, kam es durch einen Lokführerwechsel an der Hackerbrücke zu zusätzlichen Problemen.

Eine Fahrzeugführerin der S3 sah sich gegen 17 Uhr außerstande, weiterzufahren und wartete am Bahnsteig auf die Ablösung. Die jedoch saß in der S6 am Hauptbahnhof* fest. Schließlich fasste sich der Lokführer dieser S-Bahn ein Herz, fuhr bis auf wenige Meter an die Hackerbrücke heran und ließ den Kollegen dann aussteigen. „Er ist dann die letzten Meter am Gleis entlang zu Fuß gelaufen“, sagt ein S-Bahn-Sprecher.

S-Bahn-Chaos in München: Leitstelle ruft Lokführer aus Fahrbereitschaft

Die Störung am Ostbahnhof kurz nach 16 Uhr hatte offenbar nicht nur den Fahrplan, sondern auch den Schichtplan der S-Bahn durcheinandergebracht. Die S3-Lokführerin, die aus Richtung Pasing stadteinwärts gefahren war, sollte eigentlich am Ostbahnhof abgelöst werden. Doch wegen der Weichenpanne entschied die Zugleitstelle, die S3 an der Hackerbrücke enden zu lassen – der Zug sollte dann wieder Richtung Pasing zurückfahren.

Weil bei der Bahn strikte Sicherheitsvorschriften gelten und die Lokführer nicht einfach ihre Einsatzzeit überziehen dürfen, gab es nun ein Problem mit der Ablösung. In der Not orderte die Leitstelle einen Lokführer aus der Fah­rerbereitschaft, die am Hauptbahnhof* für Notfälle bereitsteht. Dieser Kollege stieg dann jedoch in die S6 ein – wahrscheinlich wäre er schneller gewesen, wenn er die wenigen Hundert Meter gelaufen wäre.

Panne bei der S-Bahn-München: Fahrgäste sauer wegen Corona-Gefahr

Bei vielen Fahrgästen – ohnehin angefressen wegen der Verspätungen – machte sich wegen der Ablösepanne zusätzlich Unmut breit. Dazu trugen auch hemdsärmelige Durchsagen (sinngemäß: „Die Kollegin hat Feierabend“) bei.

Zu den wenig schmeichelhaften Bemerkungen über die Aktion mischte sich vor allem die Sorge über Ansteckungsgefahr in dem gerammelt vollen Zug. (dw, cjm) *tz.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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