Der große Schulstreit

„Vieles, was derzeit passiert, nicht nachvollziehbar“: Münchner Schülerinnen wehren sich gegen Öffnungen

Der große Schulstreit: Corona-Angst! Kinder und Lehrer fordern mehr Sicherheit (Symbolfoto).
+
Der große Schulstreit: Corona-Angst! Kinder und Lehrer fordern mehr Sicherheit (Symbolfoto).

In München durften die Schulen am Montag zum Präsenzunterricht zurückkehren. Es regt sich Widerstand. Zwei Schülerinnen fordern mehr Sicherheit in aktuellen Situation.

München - Seit über zwölf Wochen waren Tausende Jugendliche nicht mehr in ihren Klassenzimmern – am Montag nun durften die weiterführenden Schulen (wie Gymnasien und Realschulen) wieder öffnen. Für die Münchner 10. Klässlerinnen Anna-Lena (16) und Pia (15) in der jetzigen Situation ein absolutes Unding.

München: Schulöffnung trotz steigender Corona-Zahlen

„Das Risiko, sich anzustecken, ist zu groß. Schon jetzt steigen die Infektionszahlen!“ Für den Montagnachmittag hatten die Mädchen deshalb am Odeonsplatz in München eine Demo gegen die Schulöffnungen organisiert – mit Abstand und Maske, versteht sich.

„Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen bringt der Präsenzunterricht mehr Schaden als Nutzen mit sich“, sagt Anna-Lena. Konkret meint sie: „Freiwillige Selbsttests sind noch nicht an allen Schulen verfügbar. Auch Raumlüfter gibt es bis jetzt fast nirgends.“ Und ihre Freundin Pia fügt hinzu: „Außerdem sind Busse und Bahnen, mit denen Schüler morgens zum Unterricht fahren, oft total vollgestopft.“

Präsenzpflicht an den Schulen - mehr Schaden als Nutzen?

Denn bislang durften neben den Abschlussklassen lediglich Grundschulen wieder in den Wechselunterricht. Gilt dieser Wechselunterricht bei einer Inzidenz unter 100 jetzt wieder für alle Klassen, befürchten die Gymnasiastinnen einen starken Anstieg der 7-Tage-Inzidenz: „Das bedeutet nicht nur mehr schwere Corona-Fälle und Tote, sondern auch den Zwang zu strengeren Maßnahmen und damit auch erneuten Schulschließungen. Das ist doch kontraproduktiv!“ Die 7-Tage-Inzidenz steigt weiter, mehr Infos finden Sie in unserem Corona-News-Ticker für München*.

Die Mädchen fürchten nicht nur, dass sie selbst an Corona erkranken könnten. „Mein Vater zählt zur Risikogruppe, ich möchte ihn nicht gefährden“, sagt Pia. „So geht es vielen anderen Schülern mit Eltern oder Großeltern.“

Deshalb wollen sie mit der Protestaktion ihren Sorgen Gehör verschaffen. Per Whatsapp-Gruppe hatten die Mädchen Mitstreiter gesucht, Pia hat die Demo ordnungsgemäß beim Kreisverwaltungsreferat angemeldet.

Die Schüler trafen sich am Odeonsplatz, um gegen die Öffnung zu demonstrieren. Sie wollen mehr Schutz für Schüler und Lehrer sowie „freiwillige“ Präsenz im Klassenzimmer.

Das fordern die Schülerinnen

Am Odeonsplatz sollten gestern nun alle ihre Forderungen hören: Eine Testungs-Politik wie in Österreich zum Beispiel. „Nur wer sich regelmäßig testen lässt, darf in die Schule.“ Dazu Raumlüfter an den Schulen und einen gestaffelten Unterrichtsbeginn zur Entlastung der öffentlichen Verkehrsmittel. Pia: „Die Schüler sollen die Chance haben, weiter zu Hause lernen zu dürfen, wenn der Online-Unterricht bisher gut geklappt hat. Also Präsenzoption statt Präsenzpflicht.“ Auch eine Petition wollen die Gymnasiastinnen übrigens starten (mehr Infos auf Instagram@infektionsschutz_an_schulen bzw. Twitter @anaktion).

Jetzt können die Schülerinnen nur hoffen, dass das Kultusministerium auf ihre Vorschläge eingeht. „Wir wünschen uns, dass wir was verändern können zum besseren Schutz für uns alle!“

Kritik an der „Showpolitik“

Simone Fleischmann (50), Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, kann den Schüler-Protest verstehen: „Das zeigt, dass Ängste bei Schülern, Eltern und Lehrern existieren. Vieles, was derzeit in der Politik passiert, ist auch für die Schüler nicht mehr nachvollziehbar – deshalb regt sich zu Recht Widerstand.“ Die Angst vor Ansteckung sei nachvollziehbar. Die Staatsregierung müsse deshalb mit der „Showpolitik“ aufhören: „Nicht immer nur ankündigen, sondern machen!“ Heißt für Fleischmann: „Erst müssen alle Schüler gestestet und alle Lehrer geimpft sein. Und danach öffnet man die Schulen wieder für alle.“

Bayerns Lehrer:innen forderten schon Anfang März ein sofortiges Impfangebot und eine umfassende Teststrategie für alle Schulen.

Verärgert: BLLV-Chefin Simone Fleischmann.

Schulöffnungen in Bayern: Ärger um Schnelltests

Auch um die Schnelltests gibt es Ärger: Die Berufsschullehrer in Bayern fühlen sich von der Staatsregierung alleingelassen. „Nur ein Zehntel der versprochenen Schnelltests ist angekommen, an manchen Schulen gar keiner. Impfungen für Lehrerinnen und Lehrer gibt es nicht“, kritisierte der Landesvorsitzende Pankraz Männlein gestern. Er nannte das Vorgehen „unverantwortlich“.

Corona-Lockerung: Schulleiter lässt eigene Kinder von Präsenzpflicht befreien - „Risiko ist zu hoch“

Die Schulöffnungen sorgen in Bayern sehen viele kritisch. Wegen der Corona-Lockerung lässt ein Schulleiter eigene Kinder von Präsenzpflicht befreien, wie Merkur.de berichtet, - „Risiko ist zu hoch“. (Martina Williams) *tz.de und Merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Flächendeckend sollen alle Bürger in München Corona-Schnelltests erhalten - und das ohne Kosten. Wie sehen die Möglichkeiten in der Stadt aus? Hier gibt es den Überblick.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare