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Forscher der LMU zeigen statistische Wahrheit über Corona-Todeszahlen in Bayern

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Von: Lisa-Marie Birnbeck

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Eine Übersterblichkeit von rund 20 Prozent hat eine LMU-Forschergruppe für das Corona-Jahr festgestellt (Symbolbild
Eine Übersterblichkeit von rund 20 Prozent hat eine LMU-Forschergruppe für das Corona-Jahr festgestellt (Symbolbild). © Marijan Murat/dpa

Das Coronavirus hat schon viele Todesopfer gefordert. Doch sterben im Vergleich zu den Vorjahren tatsächlich mehr Menschen? Eine Forschergruppe aus München hat diese Frage beantwortet.

München - Seit Monaten werden täglich die neuen Corona-Infizierten und Todesfälle* gemeldet. Inzwischen sind in München 642 Menschen an Covid-19 gestorben, bayernweit sind es 7664. Doch sind aktuell wirklich mehr Tote zu beklagen als in den Vorjahren ohne das Virus? „Ja, man kann für Bayern eine Übersterblichkeit von circa 20 Prozent beobachten“, sagt Professor Göran Kauermann. Er ist Teil der Corona Data Analysis Group (CoDAG), einer Forschungsgruppe von Statistikern der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Kauermann und sein Team haben die Zahlen seit 2016 mit denen von 2020 verglichen.

München: Corona für jüngere Menschen nicht tödlich? Statistik mit mehreren wichtigen Aspekten

Der Wissenschaftler geht davon aus, dass dieser Wert bis Ende Februar weiter steigen wird. Denn auch ohne Covid-19 steigt die Sterblichkeit über die Wintermonate an. Die errechnete Übersterblichkeit von 20 Prozent bezieht sich allerdings auf die gesamte Bevölkerung und schließt somit die Generation über 80, die besonders von der Corona-Pandemie betroffen ist, mit ein. „Die Übersterblichkeit wird mit großer Wahrscheinlichkeit von dieser Generation getrieben“, so Kauermann. Denn: In der Gruppe der 35- bis 59-Jährigen beobachten die Wissenschaftler sogar eine Untersterblichkeit – trotz Corona!

Das könne zum Beispiel daran liegen, dass weniger Menschen im Straßenverkehr umkommen. „In dieser Altersgruppe ist das allgemeine Sterberisiko vor allem durch Unfälle getrieben“, so Kauermann. Durch die einschränkenden Corona-Maßnahmen wurden diese Risiken zum Teil reduziert. Trotzdem ist es wichtig festzuhalten: Menschen, die aufgrund einer Corona-Infektion sterben, gibt es in jeder Altersgruppe.

Corona-Todeszahlen in München und anderswo ohne Maßnahmen zum Infektionsschutz höher

Und die Zahlen differieren auch zwischen den Bundesländern. Sachsen hat eine Übersterblichkeit von etwa 70 Prozent! Besonders bedenklich: Auch ohne die Corona-Todesfälle liegt der Wert hier bei 30 Prozent. „Das sollte man hinterfragen“, betont Kauermann. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass oft kein Post-mortem-Test durchgeführt und somit eine falsche Sterbeursache angegeben wurde. Auch ein Datenfehler wäre möglich. „Das ist aber alles nur Spekulation“, so Kauermann. Sicher ist jedoch: Ohne die ergriffenen Corona-Maßnahmen wären die Zahlen bundesweit noch höher.

In Bayern ist die Bevölkerungszahl erstmals seit langer Zeit gesunken - wegen der Covid-Todesfälle.*tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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