1,5 der Münchner Corona-positiv

Bundesweit einzigartige Corona-Antikörper-Studie in München liefert erste Aussage über Dunkelziffer

Wie schlimm wird die zweite Corona-Welle? Auf diese Frage liefert das Tropeninstitut nun erste Antworten. In einer groß angelegten Studie wird seit dem Frühjahr versucht, die Dunkelziffer zu ermitteln

  • Eine groß angelegte Studie will seit dem Frühjahr herausfinden, wie schlimm die zweite Corona*-Welle wird.
  • Die Münchner Antikörper-Studie liefert nun erste Antworten.
  • Die Studie hat einmal mehr die Gefährlichkeit des Virus gezeigt. Es gibt auch eine gute Nachricht.
  • Mit unserem kostenlosen München-Newsletter sind Sie stets top informiert: Melden Sie sich hier an.

.
München - Die groß angelegte Münchner* Antikörper-Studie ist bundesweit die erste Untersuchung, die Erkenntnisse über die Infektionszahlen während der zweiten Corona-Welle liefert. Es zeigt sich demnach, dass sich die Zahl derjenigen, die Antikörper gegen das Sars-CoV-2-Virus entwickelt haben, seit der ersten Welle fast verdoppelt hat, teilten die Forscher der Infektions- und Tropenmedizin der Uniklinik München mit.

Auffällig dabei: Zu Beginn der neuen Testrunde waren bei den Gesundheitsbehörden rund 1,5 Prozent der Münchner als Corona-positiv registriert gewesen. Damit lag die tatsächliche Zahl mehr als doppelt so hoch wie die der nachgewiesenen Infektionen.

Eine groß angelegte Antikörper-Studie in München liefert erste Ergebnisse.

Dunkelziffer während der ersten Welle noch wesentlich höher

Diese Dunkelziffer war während der ersten Welle noch deutlich höher. Im ersten Teil der Studie, die vom 5. April bis 10. Juni mit 5300 Münchnern aus 3000 Haushalten stattfand, war der Anteil der in der Studie nachgewiesenen Infektionen noch viermal höher gelegen, als den Gesundheitsbehörden bekannt gewesen war. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten gut 1,7 Prozent der Menschen Antikörper entwickelt.

Es spricht also einiges dafür, dass den Gesundheitsämtern mittlerweile weniger Infektionen entgehen. „Vergleicht man nur den Anstieg der Infektionen seit Anfang Juni, so ist die Rate der nicht erkannten Infektionen noch deutlicher gesunken“, teilten die Forscher mit. Dass die Dunkelziffer nun geringer sei, zeige auch, dass sich die Teststrategie in Bayern bewähre, sagte Studienleiter Michael Hoelscher.

Gleichzeitig hat sich auch die Gefährlichkeit des Virus gezeigt. Die Sterblichkeit der Corona-Infektionen liegt mit dem Faktor 0,47 um ein Vielfaches höher als bei der saisonalen Grippe.

Forscher kommen in die Münchner Haushalte, um Blut zu nehmen

Im April waren die Forscher des Tropeninstituts selbst in Münchner Haushalte gekommen, um Menschen Blut abzunehmen. Das Testverfahren an sich hat sich geändert: Dieses Mal konnten sich die Probanden per Fingerprick selbst Blut abnehmen. Bis zum 9. Dezember gingen 4257 Proben beim Tropeninstitut ein.

Die gute Nachricht: Mittlerweile ist laut Hoelscher klar, dass die Menge der Antikörper im Blut nicht – wie bei früheren Untersuchungen angenommen – schon nach wenigen Monaten stark absinkt. Im Gegenteil: Wer schon in der ersten Runde positiv auf Antikörper getestet wurde, bei dem sei dies in der Regel auch in der zweiten Phase der Fall gewesen. Es sei praktisch nicht vorgekommen, dass rund ein halbes Jahr nach dem ersten Test bei Patienten keine Antikörper mehr nachweisbar gewesen seien, sagte Hoelscher. Ob die Nachweisbarkeit von Antikörpern auch bedeutet, dass die Betroffenen immun sind, ist offen. Für die Feststellung einer Immunität wären weitere und komplexere Tests nötig. Die Studie, an der auch das Helmholtz Zentrum München beteiligt ist, wird weiter fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

Mehr zum Thema:

Kommentare