+++ Eilmeldung +++

Münchner unerwünscht: Teile Deutschlands reagieren heftig - das droht Reisenden aus Corona-Hotspot ab sofort

Münchner unerwünscht: Teile Deutschlands reagieren heftig - das droht Reisenden aus Corona-Hotspot ab sofort

Ansturm nach den Ferien droht

„War wie ein Viehtransport“: Rückfahrt wird zur Katastrophe - Münchnerin schildert denkwürdigen Zug-Ausflug

Ausflügler, Baustellen und der Schulstart sorgen rund um München für verstopfte Züge und Entsetzen bei vielen Fahrgästen. Die MVG hat zudem mit Personalmangel zu kämpfen.

  • Das Coronavirus hat die Stadt München weiter fest im Griff.
  • Viele Ausflügler und Baustellen sorgen für verstopfte Züge und Entsetzen bei vielen Fahrgästen. Am Dienstag ist zudem Schulstart. Auch die U- und S-Bahnen sind eine Problemzone.
  • Die Reisenden beklagten sich über verstopfte Züge, kaputte Aufzüge und fehlendes Personal. Die Bahn reagierte auf das Feedback.

München* - Vier Personen direkt aneinander gequetscht, daneben ihre Fahrräder – und in der Mitte nicht mal mehr Platz zum Durchgehen. So sah die Situation am Wochenende in vielen Regionalzügen in und rund um München aus. Pünktlich zum Ferienende hieß es: Volle Züge – und null Abstand.

So hat es auch tz-Leserin Michaela C. (61) erlebt. Mit ihrer Tochter war sie ab Mittwoch von München aus nach Lindau am Bodensee geradelt. „Insgesamt 286 Kilometer, eine traumhafte Tour.“

Nur die Rückfahrt am Samstag geriet zur Katastrophe. „Es gab leider nur ganz wenige Verbindungen mit jeweils zwei- oder sogar dreimal umsteigen“, sagt Michaela C. Online-Buchungen seien vorab nicht möglich gewesen. „Am Ende verkehrten dann nur sehr kürze Züge der Regiobahn, die total überfüllt waren.“ Denn viele Urlauber traten den Heimweg mit dem Radl an – so wie auch Michaela C. und ihre Tochter.

Corona-Abstandsregeln können in diesem Zug nicht eingehalten werden. Viele Passagiere beschwerten sich darüber.

Coronavirus München: „Die Möglichkeit auf einen sinnvollen Abstand war nie gegeben“

„Die Möglichkeit auf einen sinnvollen Abstand war nie gegeben“, kritisieren die beiden Frauen. „Leider konnte man auch die Fenster nicht öffnen. Es war wie ein Viehtransport.“

Am Bahnsteig hätten teilweise die Aufzüge nicht richtig funktioniert. „Unsere schweren E-Bikes mussten wir dann die Treppe hochtragen.“

Im Zug habe es zudem an Personal gefehlt, das für diesen Ansturm an Reisenden „dringend notwendig gewesen wäre“, sagt Michaela C. Ihr Fazit zum Wochenende: „Wie die Deutsche Bahn in dieser Pandemiezeit mit ihren Kunden umgeht, grenzt schon an Körperverletzung.“

Deutsche Bahn/Coronavirus München: „Wir bitten die Reisenden um Entschuldigung“

Ein hartes Urteil, das die Bahn ernst nimmt. „Wir bitten die Reisenden um Entschuldigung, dass die Platzverhältnisse am Wochenende in einigen Zügen nicht ganz so optimal waren“, sagt ein Sprecher. Er bezieht sich dabei vor allem auf die Züge, die vom Allgäu nach München fuhren, und erklärt: Nördlich von Augsburg habe es Bauarbeiten gegeben, die dazu geführt hätten, dass auf einigen Strecken gleich mehrere Umstiege in Bus und andere Bahnen notwendig wurden.

Viele Reisende, die eigentlich über Ulm gefahren wären, hätten sich dann kurzfristig entschieden, über Memmingen nach München zu fahren, was die Züge zusätzlich verstopft habe. Die Feriensituation mit vielen Radreisenden hätte ihr Übriges getan, sagt der Bahnsprecher. Andreas Thieme - *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

München: Ansturm auf S- und U-Bahnen - So reagieren MVG und Deutsche Bahn

Überfüllte S- und U-Bahnen, Fahrgäste stehen dicht an dicht: Was schon vor Corona unangenehm war, ist nun potenziell gefährlich. Zwar gilt nach wie vor eine Maskenpflicht, doch Abstandhalten ist in den Zügen oft kaum möglich – gerade jetzt, wo die Schule wieder anfängt und die meisten Urlauber zurück in der Stadt sind. Bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und der Deutschen Bahn gibt man sich größte Mühe, damit die Münchner virenfrei von A nach B kommen. Dabei ist auch die Mithilfe der Kunden gefragt.

Die Maskenpflicht gilt nicht nur in Bussen, Tram und Bahnen, sondern auch im Bahnhof sowie an Haltestellen. Seit dem 25. August ist bei einem Verstoß ein Bußgeld von 250 statt 150 Euro fällig, wird man noch mal erwischt, sind es gar 500 Euro.

„Seit der Bußgelderhöhung hält sich so gut wie jeder an die Vorgabe, schätzungsweise 95 Prozent“, sagt Wolfgang Hauner, Sprecher der Bundespolizei. Die Beamten kann das Bahnpersonal im Konfliktfall hinzurufen. Außerdem sind die Kontrolleure dazu befugt, Maskenverweigerer aus der Bahn zu werfen.

Coronavirus München/Ansturm auf U- und S-Bahnen: „Auslastung liegt derzeit bei 70 Prozent“

Ansonsten gilt: Abstand halten, so gut es eben geht. Damit das auch möglich ist, sind ab Dienstag 70 zusätzliche Busse in der Stadt unterwegs (tz berichtete). „Die Auslastung liegt derzeit bei 70 Prozent, also etwa einem Drittel unter dem Niveau der Vor-Corona-Zeit“, berichtet Matthias Korte, Sprecher der MVG. Trotz Ferienende und Schulstart rechnet er damit, dass die Auslastung „weiterhin deutlich unter der Vor-Corona-Zeit“ liegt.

Bei den U-Bahnen gibt es allerdings ein Problem, welches sich vorerst nicht lösen lässt. Zum einen hat sich die Ausbildung neuer Fahrer durch den Lockdown verzögert – der Rückstand liegt bei 25 Fahrern. Zum anderen werden für den Pendelverkehr der U3 und U6 aufgrund der Großbaustelle an der Münchner Freiheit etwa 15 Fahrer mehr pro Tag benötigt.

Coronavirus München/Ansturm auf U- und S-Bahnen: U4 fährt nur alle zehn statt fünf Minuten

Wegen der angespannten Personalsituation fährt auch die U4 nur alle zehn statt fünf Minuten – dafür mit längeren Zügen. Entspannen wird sich die Situation erst ab dem 21. September, dann ist die Baustelle an der Münchner Freiheit zu Ende. Außerdem fährt die U7 dann wieder die komplette Strecke vom Olympia-Einkaufszentrum bis Neuperlach Zentrum statt nur bis zum Sendlinger Tor. Grundsätzlich empfiehlt die MVG Schülern, möglichst frühzeitig aufzubrechen, damit sich das Fahrgastaufkommen entzerrt.

Auch die Bahn pocht auf Eigenverantwortung. Man solle „sich an den Bahnsteigen gut verteilen und die gesamte Fahrzeuglänge zum Einsteigen nutzen“, so ein Sprecher. Die Auslastung im Regional- und S-Bahn-Verkehr liege aktuell bei rund 60 bis 70 Prozent. Wie auch bei der MVG werden die Züge regelmäßig desinfiziert. Zudem öffnen sich die Türen automatisch – also Finger weg vom Türtaster! A. Probst, L. Felbinger

Rubriklistenbild: © fkn

Auch interessant

Meistgelesen

Münchner unerwünscht: Teile Deutschlands reagieren heftig - das droht Reisenden aus Corona-Hotspot ab sofort
Münchner unerwünscht: Teile Deutschlands reagieren heftig - das droht Reisenden aus Corona-Hotspot ab sofort
Münchner Polizei-Skandal schlägt hohe Wellen - Drogen-Sumpf noch tiefer als vermutet? „Wenn es blöd läuft ...“
Münchner Polizei-Skandal schlägt hohe Wellen - Drogen-Sumpf noch tiefer als vermutet? „Wenn es blöd läuft ...“
Weitreichende Corona-Auflagen in München gelten ab heute - große Verwirrung um entscheidende Behörden-Angabe
Weitreichende Corona-Auflagen in München gelten ab heute - große Verwirrung um entscheidende Behörden-Angabe
Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen und private Feiern - diese Corona-Regeln gelten jetzt in München
Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen und private Feiern - diese Corona-Regeln gelten jetzt in München

Kommentare