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Digitaler Impfpass: Münchner Apotheken werden überrannt - Hausärzte schießen gegen Ministerium

Der digitale Impfpass ist jetzt verfügbar - theoretisch. Apotheken in München sind überlastet und kämpfen mit der Technik. Der Verband empfiehlt, abzuwarten.

München - Seit Montag kann man sich den digitalen Impfpass holen – und damit bequem das gelbe Heft durchs Handy ersetzen. Das ist praktisch zum Beispiel für Restaurant-Besuche oder Reisen und klingt einfach. Doch in der Praxis hakt es: Viele Apotheken können den hohen Ansturm kaum bewältigen, hinzu kommen technische Probleme.

Digitaler Corona-Impfpass in München: Apotheken schon jetzt im Stress - und das mit Technik-Ärger

In der Stern-Apotheke in Berg am Laim steht das Telefon nicht mehr still. „Die Leute rufen schon seit Freitag an und fragen nach dem digitalen Impfpass“, sagte Apotheker Dr. Michael Wilhelm am Montag. Zeit, sich in das neue Computersystem einzufinden, hat er kaum. Er fühlt sich alleingelassen, spricht von einem Schnellschuss. „Ein digitaler Impfpass ist jahrelang im Gespräch, aber umgesetzt wurde er übers Wochenende“, klagt er. Seine Kunden freuen sich hingegen über den schnellen Start in Berg am Laim. „Endlich muss man das kleine Heftlein nicht mehr mitschleppen“, sagt beispielsweise Monika Müller-Hense.

In der Apotheke Schwabing Nord kämpfte man gestern Vormittag noch mit der Technik. Seit dem frühen Morgen versuchte Apotheker Markus Hort auf die Plattform zu kommen, wo er die Daten seiner Kunden eingeben kann, um einen QR-Code zu generieren – ein Nachweis, der dann auf dem Handy hinterlegt werden kann. Vergeblich. Später klappte es dann. Am Mittag hatte Hart „schon mehr als 50 Anfragen“. In der Kloster-Apotheke in Haidhausen wurden hingegen schon fleißig QR-Codes erzeugt. Sonja Hölzer hofft, den Ansturm bewältigen zu können.

Corona-Impfung in Deutschland: Schon 21 Millionen vollständig geimpft - viele wollen den digitalen Ausweis

Mehr als 21 Millionen Menschen sind in Deutschland bereits vollständig geimpft, haben also die Möglichkeit, sich einen digitalen Impfausweis ausstellen zu lassen. Und das wollen offenbar wahnsinnig viele:  Die  Seite  www. mein-apothekenmanager.de, auf der man sich die teilnehmenden Apotheken in seiner Umgebung anzeigen lassen kann, war gestern zeitweise wegen Überlastung nicht erreichbar. Der Apothekerverband empfiehlt den Bürgern, „noch etwas abzuwarten“, um den Ansturm abzumildern. „Wir hatten einen sehr kurzen Vorlauf“, so Sprecher Thomas Metz. Seine Bilanz ist trotzdem positiv: „Wir haben bundesweit heute um 14 Uhr die ersten 400 000 Zertifikate generiert“, sagte er gestern. Nach Schätzungen bieten rund zwei Drittel der Apotheken in Bayern den Service an – Tendenz steigend.

Für Bürger ist der Vorgang kostenlos, die Apotheker können 18 Euro pro QR-Code abrechnen – entweder mit Krankenkassen oder Behörden. Aus Sicht des Verbandes ist das „angesichts des hohen bürokratischen, fachlichen und personellen Aufwands“ verhältnismäßig.

Digitaler Impfpass in München: Hausärzte schimpfen über Plan von Gesundheitsministerium - „Nicht das Passamt der Nation“

Kritik kommt indes vom Hausärzteverband. „Wir Hausärztinnen und Hausärzte sind nicht das Passamt der Nation. Wir warnen deshalb die Politik entschieden davor, bei den Patientinnen und Patienten falsche Erwartungen zu wecken“, sagt der Landesvorsitzende Dr. Markus Beier. „Die Arztpraxen sollen bis Mitte Juli QR-Codes erzeugen können“, teilt das Gesundheitsministerium mit. Wer im Impfzentrum geimpft wurde und Zeit hat, wird sein Zertifikat dort bald anfordern können. Das Verfahren soll bis spätestens Mitte Juli abgeschlossen sein. (dap, vrw) Noch mehr Nachrichten aus München lesen Sie hier. Unser brandneuer München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alles, was in der Isar-Metropole passiert. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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