Stadt berät über Freischankflächen

„Wenn die im Winter wegfallen, wird es schwierig“: Bisherige Regel könnte für Münchner Wirte zum Problem werden

Freischankflächen in München (Symbolbild).
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Freischankflächen in München (Symbolbild).

Die Münchner Freischankflächen sind der Hit - aber der Winter naht und damit die Angst vor leeren Restaurants. Viele Wirte hoffen nun auf einen Winter mit Freischankflächen und Heizpilzen.

  • Die Corona-Pandemie* hat der Gastronomie schmerzhafte Umsatzeinbußen gebracht.
  • Dank der neu entstandenen Freischankflächen steigen die Gästezahlen wieder – aber der Winter naht und damit die Angst vor leeren Restaurants.
  • Viele Wirte hoffen nun auf einen Winter mit Freischankflächen und Heizpilzen. Entscheiden müssen die Kommunen.

München* – In der Klenzestraße in München verspürt man italienisches Flair. Kathrin Gasser steht vor ihrem Restaurant „Fink‘s Südtiroler Knödelküche“ und blickt auf sieben Holztische. Sieben Holztische, die ihre Lebensversicherung sind. „Ohne diese zusätzlichen Plätze hätten wir wahrscheinlich gerade so noch überlebt. Jetzt stehen wir aber ein bisschen besser da“, sagt Gasser. Ihre Gäste können draußen direkt an der anliegenden Straße speisen, so wie man es aus italienischen Orten gewohnt ist.

Corona hat das Gastgewerbe ordentlich durchgerüttelt. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) vermeldete am Dienstag einen Umsatzverlust von 17,6 Milliarden Euro in den Monaten März bis Juni (siehe Kasten). In Bayern ergibt sich für den Zeitraum ein Verlust von 3,83 Milliarden Euro. „Nach zehn Wachstumsjahren in Folge verzeichnet die Branche coronabedingt Umsatzverluste noch nie da gewesenen Ausmaßes“, sagt Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes.

Freischankflächen während Corona: 530 „Schanigärten“ allein in München

Laut einer Umfrage ihres Verbands ist der Umsatz im Freistaat von März bis August um 56 Prozent eingebrochen. „Das coronabedingte Herunterfahren der Betriebe hat riesige Löcher in die Bilanzen der Gastronomen und Hoteliers gerissen“, teilte Inselkammer mit. Damit die Wirte die Einbußen etwas abfedern können, gibt es in München seit Mitte Mai die Möglichkeit, bei der Stadt einen „Schanigarten“ zu beantragen. Der Begriff kommt aus dem Österreichischen und bedeutet so viel wie „Freischankflächen auf öffentlichem Grund“. Gaststätten können öffentlichen Raum dekorieren und zur Bewirtung umnutzen. Die Stadt erhebt dafür keine Gebühren.

Rund 4500 zusätzliche Sitzplätze auf Parkplätzen sowie 3700 auf Gehwegen sind so entstanden. „Wir haben jetzt 530 Schanigärten über die ganze Stadt verteilt und damit eine Möglichkeit geschaffen, hier in München italienisches Flair erleben zu können“, sagt die grüne Bürgermeisterin Katrin Habenschaden.

Laut Kreisverwaltungsreferat hatten bis Ende Juni 694 Gastrobetriebe in München Zusatzflächen beantragt. Von den 336 Anträgen für die Nutzung von Parkplätzen wurden 222 genehmigt.

Freischankflächen in München - für Restaurants überlebenswichtig?

In normalen Jahren würde sich die Zeit des Freischanks nun allmählich dem Ende neigen. Viele Wirte befürchten aber, dass ihre Gäste wegen Corona nicht nach innen umziehen wollen. Wie lange könnte es mit der neuen Freiheit so bleiben, wie es jetzt ist? Das Münchner Kreisverwaltungsreferat teilt dazu auf Anfrage mit: Die Erlaubnis von Freischankflächen ist „grundsätzlich definiert als gültig, solange eine Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung in Kraft ist“. Bedeutet: Die Freischankflächen könnten theoretisch auch im Winter bleiben.

Für die Restaurants sei die Frage überlebenswichtig, sagt Frank John, Sprecher des Dehoga Bayern. „Jede Stunde, in der die Betriebe weiter Umsatz generieren können, zählt. Die Lage ist weiterhin prekär, deshalb es ist wichtig, dass die Freischankflächen möglichst lange genutzt werden können.“

Fabian Stingl betreibt das „Maximilian“ in München. 60 Plätze kann er aktuell drinnen bewirten, normalerweise passen doppelt so viele Gäste in sein Wirtshaus. Durch die neuen Flächen sei die Platzzahl im Außenbereich trotz der Abstandsregeln immerhin gleich geblieben: „Wenn die im Winter wegfallen, wird es schwierig. Die Kosten bleiben ja gleich, der Umsatz halbiert sich aber – mindestens“, sagt Stingl.

Stadt München berät über Freischank & Heizpilze

Damit auch in den kalten Monaten weiter draußen bewirtet werden kann, hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband eine Aufhebung des Verbots von Heizpilzen gefordert. Am 29. September wird sich die Stadt München mit den Themen Freischank im Winter und Heizpilze befassen. Für eine Erlaubnis der Wärmespender wäre eine Änderung der Sondernutzungsrichtlinien erforderlich, dies könne der Stadtrat jedoch problemlos per Mehrheitsbeschluss entscheiden, heißt es aus dem Kreisverwaltungsreferat.

In München sind Heizpilze im Winter bislang aus Umweltschutzgründen verboten. SPD-Fraktionschefin Anne Hübner spricht jedoch von einer „denkbaren Option“. Kreative Lösungen seien gefragt, „schließlich wollen wir auch im nächsten Jahr noch eine Wirtshauskultur haben“. In Bayern bangen laut Dehoga 59 Prozent aller gastgewerblichen Unternehmer um ihre Existenz. Im „Café Nil“ sind Heizstrahler nicht geplant, selbst wenn die Freischankflächen überwintern dürfen. Geschäftsführer Sebastian Roos sagt: „Auf dem Christkindlmarkt stehen die Leute auch im Freien. Wenn ich weiß, dass ich draußen sitze, dann ziehe ich mich eben warm an.“

Am Dienstag hat der Freistaat Bayern beschlossen, dass am 19. September Kneipen und Bars wieder öffnen dürfen. Diese waren bisher wegen Corona noch immer zu. „Die Bars und Kneipen haben nun wieder eine Perspektive. Das ist extrem wichtig“, freut sich Frank John. (Nico-Marius Schmitz und Mayls Majurani -*tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

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