Wirte bangen in der Corona-Krise

Münchner Gastro mit Hilferuf an Söder: „... womöglich bis Ende des Monats weg vom Fenster!“

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Wegen Corona: Auch an den vielen Gastro-Ständen am Viktualienmarkt in München geht derzeit nichts.

Kneipen, Bars, Restaurants und Clubs in München sind wegen der Corona-Krise geschlossen. Mit einer Petition richtet sich die Gastroszene geschlossen an Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Dieter Reiter. Der Münchner OB antwortet umgehend. 

  • Kneipen, Bars, Restaurants und Clubs müssen in München wegen des Coronavirus* geschlossen bleiben.
  • Die Münchner Gastroszene wendet sich mit einer Petition an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Staatsminister Hubert Aiwanger (Freier Wähler)
  • OB Reiter reagiert: Es kommt zu einer Krisensitzung mit Aiwanger und Vertretern der Gastronomie. Mehr als 200 Gastronomen sind mittlerweile Teil der Initiative Save our local Gastro.

Update vom 7. April 2020: Die Münchner Gastro stemmt sich weiter wacker gegen die wirtschaftlichen Konsequenzen der Corona-Krise. Viele Wirte bieten neuerdings oder weiterhin Essen to go an - wir haben fünf Geheimtipps für die Isarvorstadt und die Ludwigsvorstadt.

München hält in der Corona-Krise zusammen: Eine Übersicht über lokale Betriebe, die Ihre Unterstützung brauchen, finden Sie unter diesem Link.

Erstmeldung vom 28. März: Aqua Monaco, Kaisergarten, Harry Klein, Heyluigi, das Blitz, die 089Bar, das Hungrige Herz, das Lucky Who, die Bar Sehnsucht, die Eclipse Grillbar, das 55Eleven, die Schorsch Bar, das Türkitch, das Edelweiß, die Spezlwirtschaft, der Bahnwärter Thiel, die Pomp Bar und viele mehr: Zwischen Schwabing und Giesing, zwischen Maxvorstadt und Glockenbachviertel - die Münchner Gastroszene stemmt sich gegen die Corona-Krise* und die bislang nur schwer absehbaren wirtschaftlichen Konsequenzen der Coronavirus-Pandemie* in der bayerischen Landeshauptstadt.

Corona in München: Save our local Gastro richtet sich an Söder und Reiter

Über alle Genres und all das Konkurrenzdenken hinweg haben sich mehr als 200 Wirte, Kneipenbesitzer und Club-Betreiber in der Initiative Save our local Gastro zusammengetan, um gemeinsam für ihre Zukunft zu kämpfen.

Per Petition (hier geht es zur Petition) hat sich der von Aqua Monaco initiierte Zusammenschluss an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gewandt - mit einem eindringlichen und emotionalen Hilferuf.

Münchner Gastroszene: Hilferuf an bayerische Politik wegen der Corona-Krise

„Wir wissen, dass Sie Ihr Bestes tun. Wir wissen auch, dass Sie unter großem Druck stehen und bereits einige Maßnahmen zur Unterstützung getroffen haben. Trotzdem müssen wir Ihnen mitteilen: Diese Maßnahmen helfen nur bedingt, sie werden uns aber nicht retten“, heißt es in einem unter anderem bei Facebook veröffentlichten Schreiben: „Alle bisher getätigten Beschlüsse, wie beispielsweise die Bereitstellung von Überbrückungskrediten, sorgen für einen Aufschub der Probleme – nicht für Lösungen! Wir kommen aktuell nicht an die Soforthilfen, das bedeutet: Die meisten von uns sind womöglich bis zum Ende des Monats weg vom Fenster!“

Die Initiative geht in Vorleistung, stellt unter anderem Lieferdienste für Risikogruppen und To-Go-Mahlzeiten für die Menschen der jeweiligen Viertel in Aussicht - die es teils schon gibt. Die Wünsche an die bayerische Politik und die Münchner Verwaltung sind umfangreich.

„Seine Füße sind ohne triftigen Grund draußen, man rufe die Polizei“: Das Foto eines Münchner Sonnenanbeters findet im Netz aktuell großen Anklang.

Coronavirus in München: Kneipen, Bars, Clubs, Biergärten und Wirtshäuser haben geschlossen

So wird eine „hundertprozentige Kostenübernahme aller Bruttogehälter“ genannt, ferner eine „Fortzahlung aller ausgefallenen Arbeitsstunden für Minijobber und studentische Aushilfen“. Weiter „Steuernachlässe anstelle von Stundungen“ und erleichterte Kreditbedingungen.

Nichts geht mehr wegen Corona: ein geschlossenes Café in der Münchner Innenstadt.

Die Wortwahl aus dem Schreiben zeigt: Die Lage ist offensichtlich ernst für die Gastronomie - seit Mitternacht 21. auf 22. März haben Kneipen, Bars, Clubs, Biergärten und viele Wirtshäuser sowie Restaurants in München wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen geschlossen. Schon in den Tagen zuvor hatte es Beschränkungen gegeben. Manche bieten bereits Essen „to go“ an, was, wie hinter vorgehaltener Hand zu hören ist, lange nicht den Umsatz aus Zeiten vor der Coronavirus-Pandemie ermöglicht.

Münchner Gastro in der Corona-Krise: Treffen mit Reiter und Aiwanger?

Zuletzt betonten sowohl Söder als auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) *, dass ein Ende der massiven Einschränkungen im öffentlichen Leben vorerst nicht in Sicht sei. 

Doch: Wie geht es in dieser Gemengelage mit der Münchner Gastro weiter? Stand Freitagabend, 27. März, 17 Uhr, hatten rund 2.700 Unterstützer die Petition unterzeichnet. OB Reiter hat sich zudem als Vermittler gemeldet - und ein Krisen-Treffen mit Wirtschaftsminister Aiwanger vorgeschlagen.

„Erst einmal will ich sagen, dass ich Ihre Sorgen verstehe und mir auch an der Aufrechterhaltung unserer tollen, vielfältigen Gastronomie und Hotellandschaft gelegen ist“, heißt es in einer durch die Initiative veröffentlichten Erklärung Reiters: „Sie ist ein nicht unwesentlicher Teil unseres Münchner Erfolges und muss daher unterstützt werden.“

Der Kampf der Münchner Gastroszene gegen Corona hat begonnen - jetzt hoffen alle auf die notwendige Hilfe der Politik.

Patrick Mayer

*Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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