Gastro-Entscheidung steht

„Menschen lieben es“ - Heizpilze erwärmen die Gemüter der Münchner Wirte und Restaurantbesucher

Münchner Gastwirte dürfen auch im Winter ihre Gäste im Freien bewirten.
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Münchner Gastwirte dürfen auch im Winter ihre Gäste im Freien bewirten.

Die Corona-Pandemie hat vor allem die Gastronomen hart getroffen. Jetzt, da der Winter vor der Tür steht, haben viele von ihnen Angst um ihre Existenz. Heizpilze sollen helfen.

  • Die Stadt München* versucht Wirten durch die kalte Jahreszeit zu helfen.
  • Mit Heizpilzen und Schanigärten sollen die Gastronomen auch im Winter Geschäft machen.
  • Der Stadtrat stimmte jetzt einer Verlängerung der Freischankflächen zu.

Update vom 6. Oktober, 20.52 Uhr: München macht sich winterfest – allen voran unsere Wirte. Am Elisabethmarkt zum Beispiel winken wasserdichte Windschutzplanen. In Schwabing spitzen dicke Markisen zwischen luftigen Sonnenschirmen hervor und in Haidhausen strahlen die ersten Heizpilze. Dabei hat die Stadt vergangene Woche erst beschlossen, dass die beliebten Parkplatz-Terrassen, die sogenannten Schanigärten, in die Verlängerung gehen und während der zapfigen Jahreszeit zusätzlich beheizt werden dürfen. Ja, die Stadt strahlt – und mit ihr die Wirte!

Es ist Punkt zwölf Uhr, als wir Luciano Marchesano in seinem Restaurant, dem Il Padrino an der Kirchenstraße treffen. Es windet, die Straßen sind nass. Trotzdem ist der Italiener gut gelaunt, seine Terrasse voll. „Ich bin so froh, dass wir unseren Außenbereich beheizen dürfen“, sagt Marchesano. Denn: „Wer will schon in der Kälte sitzen und bibbernd an seiner Pizza fieseln“, fragt der Italiener, „ungemütlicher geht’s ja kaum!“

In weiser Voraussicht hat der Gastronom bereits im September drei Heizschwammerl bestellt – und direkt an seine Sonnenschirme angeschlossen. Das Ergebnis freut nicht nur den Restaurant-Betreiber selbst, sondern auch seine Gästen, wie der volle Außenbereich beweist.

900 Euro hat sich Luciano Marchesano die wohlige Wärme in seinem Schanigarten kosten lassen

Knapp 900 Euro hat sich Luciano Marchesano die wohlige Wärme in seinem Schanigarten kosten lassen. Und immer mehr Kollegen ziehen nach. Oder besser gesagt: Wollen nachziehen. Denn: Wer im Moment einen Heizpilz im Internet bestellen will, muss mit wochenlangen Wartezeiten rechnen. „Von einem Kollegen weiß ich“, erzählt Marchesano, „dass die Teile frühestens in sechs Wochen geliefert werden können – bis dahin haben wir schon November!“

Ignaz Schmid hatte Glück. Der Betreiber des Wintergartens am Elisabethmarkt konnte gerade noch sechs Heizstrahler ergattern. Der Gastronom hat sich für die hängende Variante entschieden. Während seine Gäste seitlich von wasserdichten Windschutzplanen geschützt werden, spenden die Strahler von oben wärmendes Licht.

Wie viele Wirte tatsächlich von ihrem Recht, weiterhin einen Schani­garten zu betreiben, Gebrauch machen, muss sich erst noch zeigen. Offizielle Zahlen gibt es derzeit keine. „Wir wissen nicht, wie viele Strahler in den kommenden Tagen in Betrieb genommen werden“, teilte die Stadt auf tz-Anfrage mit. Schließlich dürften die Wirte ihre Wärmestrahler – trotz heftiger Kritik seitens einiger Umweltschutzorganisationen – ganz ohne Genehmigung aufstellen, sofern diese mit Ökostrom betrieben würden. sb

Heizstrahler könnten die Saison der Gastwirte retten.

„Menschen lieben es“: Gastro-Entscheidung für München offiziell - viel Lob für Behörde

Update vom 29. September, 18.56 Uhr: Die Verlängerung der Schanigärten bis Ende März 2021 und die gleichzeitige Genehmigung von Heizpilzen sind beschlossene Sache. Der Stadtrat bewilligte beide Punkte am Dienstag (29. September) in breiter Einmütigkeit. Nur FDP und ÖDP stimmten dagegen.

Die Rathaus-Regierung von Grünen und SPD deutete sogar eine dauerhafte Perspektive für zusätzliche Freischankflächen während der Sommermonate an. Gudrun Lux (Grüne) sagte: „Die Menschen lieben es.“ Schanigärten bereicherten das Flair der Stadt und seien zugleich eine Einnahmequelle für Wirte, die unter den Folgen der Corona-Pandemie ächzten.

Andreas Schuster (SPD) bezeichnete die Schanigärten als Erfolgsmodell. Auch seine Fraktion stehe einer dauerhaften Lösung offen gegenüber. Fraktionsübergreifend gab es Lob für das Kreisverwaltungsreferat (KVR). Die Behörde habe die Anträge der Gastronomie zügig bearbeitet. Wie berichtet, konnten in diesem Sommer 8700 neue Plätze im Freien für Gaststätten geschaffen werden. 900 Lokalen wurde eine Erweiterung genehmigt. 1037 Parkplätze mussten dafür weichen. Ein wesentlicher Grund, weshalb die FDP die Verlängerung über den Sommer hinaus ablehnte. Der ÖDP waren aus Klimaschutzgründen die Heizstrahler ein Dorn im Auge.

So wollen die Münchner Gastronomen durch den Corona-Winter kommen

(Erstmeldung) München - Die bayerische Landeshauptstadt bleibt die nördlichste Stadt Italiens – auch in der kalten Jahreszeit. Denn: Die Stadt wird die Genehmigung für die sogenannten Schanigärten bis Ende März 2021 verlängern (ursprünglich war die Regelung nur bis Ende September gedacht). Restaurant-Terrasse statt Parkplatz: Viele Gäste haben hier in den vergangenen Monaten das pure dolce vita gespürt. Dass das auch so bleibt: Dafür sollen Elektro-Heizstrahler sorgen, die in diesem Herbst und Winter ausnahmsweise erlaubt sind. Quasi als Frostschutz für die Schanigärten. Darüber gibt es im Stadtrat breiten Konsens. Beide Punkte dürften heute im Paket beschlossen werden.

Zahlreiche Gastronomen nutzten das Angebot, eine Terrasse auf dem Parkplatz bauen zu dürfen

Kaum einen Wirtschaftszweig haben die Corona*-Einschränkungen so gebeutelt wie die Gastronomie. Die Stadt hat den Wirten deshalb eine zusätzliche Einnahmequelle beschert: Auf Parkplatzflächen durften die sogenannten Schanigärten errichtet werden. Die Gastronomie hat von dieser Sonderregelung rege Gebrauch gemacht – und die Gäste haben das Angebot gut angenommen. Laut einer Statistik des Kreisverwaltungsreferats (KVR) wurden insgesamt 1188 Anträge auf eine Erweiterung der Freischankflächen gestellt – die Stadt genehmigte knapp 900 davon. Laut KVR konnten so in drei Monaten etwa 8700 neue Sitzplätze für Gaststätten geschaffen werden. Dafür mussten bislang 1037 Parkplätze im Stadtgebiet weichen.

Video: Irre Forderung - Heizpilze nur für vegane Restaurants

Das nervt manche Bürger: Laut KVR gingen 102 Beschwerden von Anwohnern und Gewerbebetrieben ein. Das KVR zieht allerdings ein positives Fazit: „Viele Betriebe haben die neuen Freischankflächen ansprechend und mit einigem Aufwand gestaltet. Diese werten die Straßenzüge nicht nur optisch auf, sondern stellen auch einen Gewinn für das städtische Leben dar.“ Das soll nun ein weiteres halbes Jahr so bleiben. Wirte können für die Wintertauglichkeit auch beantragen, ihre Plätze im Freien zu überdachen.

Erfahren Sie mehr über die aktuelle Corona-Lage in München in unserem News-Ticker.

Drei Wirte erzählen über ihre Erfahrung mit den Schanigärten

Seit Anfang Juli kann man in der Lotus Lounge an der Hans-Sachs-Straße auch draußen sitzen – in einem hübsch gestalteten Bereich neben dem Gehsteig. Seine Freischankfläche hat Restaurant-Betreiber Ralf Plitt mit dunkelbraunen Paletten und Blumentöpfen eingefasst. Dazwischen strahlen große Schirme. Das Konzept kommt an. Vor allem, wenn die Sonne scheint. „Wenn’s regnet“, erzählt Plitt, „gehen die Leute natürlich lieber rein.“ Aber vielleicht, fügt er an, „sind die geplanten Heizpilze ja ein guter Kompromiss“. Eine wärmende Einladung, ein Willkommen, „jetzt und auch im nächsten Jahr“.

Ralf Plitt vom Restaurant Lotus Lounge.

In Haidhausen wimmelt es nur so von kleinen ­zauberhaften Cafés. Darunter auch das Farmer & Lou an der Breisacher Straße. Dort hat Noel Latham einen zusätzlichen Bereich für seine Gäste geschaffen. Wo vor wenigen Wochen noch Autos und Motorräder parkten, stehen jetzt ein paar hübsch dekorierte Tische. „Ein Traum ist das“, schwärmt Latham, „einfach schön“. Er freut sich sehr, fügt er an, dass die Freischankflächen in die Verlängerung geschickt werden sollen. Schließlich sei ein Schanigarten nicht nur ein Hingucker, ­sondern auch ein Zuckerl für die Seele. „Ein ­Lichtblick in dieser dunklen (Jahres-)Zeit.“

Noel Latham vom Restaurant Farmer & Lou.

Luciano Marchesano hat den Außenbereich seines Restaurants – die kleine Parkplatzterrasse vor dem Il Padrino an der Kirchenstraße – während der vergangenen Wochen in eine blühende Oase verwandelt: mit Oleander, verschiedenen Zierpflänzchen und jeder Menge Herzblut. Damit hat sich der Münchner einen riesengroßen Traum erfüllt. Denn: „So ein Garten mitten in der Großstadt“, schwärmt Marchesano, „das macht ordentlich was her.“ Daran soll sich auch so schnell nichts ändern. „A bisserl Sommer geht schließlich immer“, ist sich der Gastronom sicher. Auch im Winter, „dann hoffentlich mit Heizpilz…“

Luciano Marchesano vom Restaurant Il Padrino.

Ein bekanntes Münchner Kult-Hotel musste dem Corona-Druck schon nachgeben und schließt zum Jahresende.*tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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