Experten über Genesung

„Ein gruseliges Gefühl“: Münchnerin nach Corona-Infektion verzweifelt - heftige Symptome noch Monate später

Claudia Brenner leidet unter den Folgen ihrer Corona-Auskrankung
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Claudia Brenner leidet unter den Folgen ihrer Corona-Auskrankung.

Corona offenbart sich als tückische Krankheit, die das Befinden der Patienten auch noch lange nach ihrer Genesung beeinträchtigt. Claudia Brenner aus München kämpft mit den Langzeitfolgen.

  • Welche Spät- bzw. Langzeitfolgen drohen bei der Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2?
  • Eine Münchnerin berichtet über ihre Erkrankung mit Covid-19 - und vom „gruseligen“ Geschmacksgefühl.
  • Derartige Berichte gibt es schon länger. Ein renommierter Infektiologe schildert die Erkenntnisse.

München - Bei vielen Bürgern in München* duftet es bald wieder nach Advent – nach Vanillekipferln, Glühwein und Tannengrün. Auch Claudia Brenner (50) hat diese Aromen immer geliebt. Doch heuer muss sie darauf verzichten: „Ich rieche nur noch Schwefel, alles schmeckt metallisch und verbrannt.“ Die Ursache ist eine Corona-Infektion*, die bereits mehr als vier Monate zurückliegt. Das Bitterste: Kein Arzt kann der Münchnerin vorhersagen, ob und wann sich ihre Sinne wieder vollständig erholen werden.

München: Corona-Infektion offenbar große Belastung für Geschmackssinn - Frau hat immer noch Symptome

Rückblende: Mitte Juli fühlt sich Claudia Brenner erkältet. Beim Hausarzt macht sie einen Corona-Test. „Auf dem Weg in die Praxis dachte ich damals schon: Die Welt riecht nach gar nichts mehr.“ Zwei Tage später kommt das Ergebnis: positiv. Abgesehen vom gestörten Geruchssinn hat sie zunächst nur milde Erkältungssymptome – bis nach vier Wochen auch noch der Geschmackssinn nachlässt. „Meine Zunge fühlte sich belegt und pelzig an – als hätte ich mich verbrannt.“

Mitte September scheinen sich beide Sinne zu normalisieren. Doch plötzlich kann sie erneut von einem auf den anderen Tag nichts mehr riechen und schmecken: „Ein gruseliges Gefühl – und frustrierend, weil ich dachte, ich hätte den Schmarrn endlich hinter mir.“ Hat sie leider bis heute nicht: „Es ist zum Verzweifeln.“

Corona-Studie über Langzeit-Symptome- „Heftige Empfindungsstörungen“

Mit ihrer Leidensgeschichte ist Brenner nicht allein, wie das Forschungszentrums Jülich dokumentierte: Es befragte 4039 Covid-Patienten: „Das Bemerkenswerte ist die Heftigkeit der Empfindungsstörungen“, erläutert Neurowissenschaftlerin Dr. Kathrin Ohla. Durchschnittlich ließ das Riechvermögen der Befragten um rund 80 Prozent nach, der Geschmack um 70 Prozent – ein Großteil roch und schmeckte sogar gar nichts mehr. Zudem berichtete etwa jeder Dritte von einem verminderten Brennen, Prickeln oder Kältegefühl im Mund.

„Wir haben solche Symptome schon bei den ersten Patienten festgestellt, die wir im Januar und Februar bei uns in der München Klinik Schwabing behandelt haben“, berichtet der renommierte Infektiologe und Chefarzt Professor Clemens Wendtner. Manche Patienten hatten ansonsten keinerlei Beschwerden – noch nicht mal einen Schnupfen. Wendtner und HNO-Chefarzt Professor Wolfgang Wagner ließen bei 63 Covid-Patienten Tests vornehmen. Ergebnis: 26 litten unter genau diesen Geruchs- und Geschmacksstörungen.

München: Corona-Experte erklärt - „Erinnere mich an einen Patienten, der ...“

„Ich erinnere mich an einen Patienten, der den ganzen Tag einen Vanillegeruch in der Nase hatte“, so Wendtner zur tz. Ein anderer hatte bei jeder Mahlzeit einen metallischen Geschmack im Mund – so wie Claudia Brenner. „Nach circa drei Wochen waren die Geruchs- und Geschmacksstörungen bei den meisten Patienten wieder verschwunden“, berichtet der Corona-Spezialist. „Aber es gibt leider auch Patienten, die viele Monate mit diesen Symptomen zu kämpfen haben, ohne dass wir Ärzte ihnen helfen können.“

Frau aus München hat nach Corona-Infektion immer noch Symptome: Jetzt gibt es kleine Fortschritte

Claudia Brenner kann immerhin schon wieder Süßes und Salziges unterscheiden. Auch mit dem Riechen tut sich die Münchnerin weiterhin schwer. „Aromen und Bitterstoffe nehme ich überhaupt nicht wahr.“ Sie trainiert täglich, schnuppert an Kaffee, Zimt, Curry und Senf. Sie macht kleine Fortschritte. „Manchmal erinnere ich mich schwach daran, wie gut Kaffeebohnen früher rochen. Auch der Curryduft kommt mitunter mal an.“ Zimt, das feine Lebkuchengewürz, gibt es heuer nur in Claudia Brenners Erinnerung. Corona-Weihnachten eben. „Es nervt einfach!“

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