München knackt traurige Todesmarke

Allein in München: 49 Einäscherungen pro Tag im Januar - Corona lässt Zahlen explodieren

Särge, darauf zu lesen: Covid
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Särge mit der Aufschrift „Covid“ (Symbolbild).

1000 Münchner sind nun schon am Coronavirus gestorben. Für die Krematorien bedeutet die Pandemie eine besondere Belastung.

München - Am Wochenende hat München* eine traurige Marke gerissen: Mehr als 1000 Einwohner sind mittlerweile am Coronavirus gestorben. Die Folgen am Städtischen Krematorium: Im Schnitt wurden im Januar 49,2 Einäscherungen pro Tag durchgeführt, teilt das Gesundheitsreferat auf tz-Anfrage mit. Es ist der Höchstwert während der gesamten Corona-Zeit in München. Um etwa ein Drittel stiegen die Zahlen durch die Pandemie!

Fast 50 Einäscherungen pro Tag - Im September 2020 waren es nur 24

Zum Vergleich: Im September 2020 waren es nur 24 Einäscherungen pro Tag. Im gesamten Jahr 2020 kann man die Auswirkungen des Coronavirus auch an der Arbeitslast des Krematoriums nachvollziehen: Im März lag die Zahl der täglichen Einäscherungen bei 32, stieg dann im April auf 37,5 an. Durch den ersten Lockdown sanken die Zahlen wieder ab – und stiegen ab November bis Januar von 32 auf fast 50 Einäscherungen pro Tag.

Mehr ist kaum noch zu leisten: Höchstens 60 Kremierungen, so der Fachbegriff, wären pro Tag möglich. „Das ist das Maximum dessen, was wir verantworten können“, sagt Arndt Schulte Döinghaus (41), der für das Krematorium zuständige Sachgebietsleiter Technik. Denn: Fünf Öfen stehen bereit, die im Schichtbetrieb werktags von 6 bis 21 Uhr befeuert werden – von insgesamt vier Krematoriumswarten. 17 Mitarbeiter umfasst das Team, die meisten arbeiten in der Verwaltung.

Corona-Zeit als besondere Belastung für Mitarbeiter des Krematoriums

„Die höhere Belastung hat sich erst im zweiten Lockdown zum Jahresende hin abgezeichnet“, sagt Schulte Döinghaus. Schon im März habe sich das Krematorium darauf vorbereitet, Hygienekonzepte und Zutrittsbeschränkungen organisiert. Zum Ende des Jahres schlugen sich dann die hohen Infektionszahlen deutlich nieder.

„Es war eine gewisse Mehrarbeit notwendig, sodass wir im Januar jeden Samstag arbeiten mussten“, sagt Schulte Döinghaus. „Wir waren aber von der Mannschaft her so gut aufgestellt, dass wir das stemmen konnten.“ Eine Aufstockung des Personals sei nicht notwendig gewesen. Trotzdem sei mit der Arbeit im Krematorium in der Corona-Zeit eine besondere Belastung verbunden.

„Man muss sich das vorstellen wie im Krankenhaus“

„Man muss sich das vorstellen wie im Krankenhaus: Da arbeiten Ärzte und Pfleger mit den Patienten und sehen, wie das Virus wütet und welche Auswirkungen das hat. Und wir erleben dann, wenn ich das so sagen darf, die tödlichen Konsequenzen direkt vor Ort. Das beschäftigt uns natürlich auch, wenn da mehr Verstorbene als üblich hinzukommen“, sagt Schulte Döinghaus. „Unser Job ist Tagesgeschäft, keine Frage. Aber es lässt einen nicht kalt, wenn auf den Särgen Covid-19 steht. Das sind die Schicksale, die mit der Pandemie verbunden sind. Wenn man beruflich damit zu tun hat, ist man letztlich doppelt mit Corona konfrontiert. Das ist eine Situation, die einen fordert.“

Mittlerweile sinken die Zahlen – samstags muss im Krematorium aktuell niemand arbeiten. Mit 935 Einäscherungen lag der Januar aber höher als der Maximalwert im Jahr 2020 – im April 824 und im Dezember 808 Einäscherungen. Aber: Nicht jeder Münchner, der an Covid-19 starb, wurde nach seinem Tod auch eingeäschert. Der Trend geht jedoch grundsätzlich zur Feuer-Bestattung (siehe Kasten). A. Thieme - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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