Wieder steigende Fallzahlen

OB Reiter streicht Lockerungen für München: Wirte verzweifeln - „Betriebswirtschaftlicher Mega-Gau“

Die Corona-Zahlen steigen rasant: Münchens OB Reiter gab nun bekannt, dass derzeit keine weiteren Lockerungen möglich sind. Das Infektionsgeschehen sei zu instabil.

Update vom 18. März, 18.00 Uhr: Weitere Lockerungen zu Beginn der kommenden Woche sind also vom Tisch. Das trifft natürlich die Branchen, die nach Monaten endlich wieder aufsperren wollten. Also etwa Theater, Kinos, Außenbereiche der Gastronomie und auch Fitnessstudios. „Es zeigt sich wieder, dass wir machtlos sind“, sagt Intendant Christian Stückl. Er hätte ab Donnerstag öffnen wollen. „Jetzt müssen wir alles nach hinten verschieben. Die Mitarbeiter müssen zum Teil wieder in Kurzarbeit.“

Auch Gregor Lemke hatte sich auf Öffnungen vorbereitet. „Das ist eine große Enttäuschung“, sagt der Sprecher der Innenstadtwirte und Wirt vom Augustiner Klosterwirt. Er hätte ab Montag wieder aufgesperrt. „Uns wird immer eine Karotte vor die Nase gehalten, die wir gar nicht erreichen können.“ Er fordert klare Perspektiven, bevor noch mehr Betriebe den Bach heruntergehen. „Ich muss jetzt die Waren wieder abbestellen und die Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit schicken. Das ist in der ohnehin schon angespannten Situation jetzt der betriebswirtschaftliche Mega-Gau.“

Update vom 18. März, 14.32 Uhr: Eigentlich sollte die Entscheidung erst am morgigen Freitag getroffen werden. Doch Münchens OB Dieter Reiter (SPD) hat sich schon jetzt zu weiteren Öffnungen in München geäußert. Die klare Botschaft: Aufgrund der steigenden Infektionszahlen sind weitere Lockerungsschritte ab dem 22. März nicht möglich.

München: Corona-Lockerungen werden kassiert - „Kaum gegebene Planbarkeit“

Eigentlich hatte der letzte Bund-Länder-Gipfel einen Stufenplan vorgelegt, der weitere Lockerungen, wie etwa die Öffnung der Außengastronomie - bei einer Inzidenz unter 100 - vorsieht. Doch die momentane Lage ließe das nicht zu, so Reiter: „Es ist klargestellt, dass es schon aus rechtlicher Sicht in München ab nächster Woche keine weiteren Lockerungen geben kann. Es sprechen aber auch weitere Gesichtspunkte dagegen – wie etwa die kaum gegebene Planbarkeit.“ Am heutigen Donnerstag liegt die 7-Tage-Inzidenz in der Landeshauptstadt bei 69.

Münchens Oberbürgermeister in seiner Mitteilung weiter: „Angesichts der leider wieder dynamischen Entwicklung des Infektionsgeschehens ist nicht auszuschließen, dass schon in absehbarer Zeit bei einem Inzidenzwert über 100 die ‚Notbremse‘ in Kraft tritt und dann alle Lockerungen wieder rückgängig gemacht werden müssten.“

Erstmeldung vom 18. März 2021

München - Geschäfte, Restaurants, Kultur: Was wann unter welchen Bedingungen wieder öffnet, versteht kaum einer mehr. Nun könnte das Chaos perfekt werden: Die ursprünglich für Montag geplanten weiteren Öffnungsschritte bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 könnten nämlich schon vorher wieder einkassiert werden.

Eigentlich sollen unter anderem die Außenbereiche der Restaurants, Kinos und Theater wiederöffnen dürfen – mit Terminbuchung und negativem Corona*-Schnelltest. Auch Fitnessstudios und Sportvereine könnten teilweise lockern. Wie unsere Zeitung aber bei der Stadt erfahren hat, tagt am Freitag der Krisenstab und berät in Abstimmung mit der Staatsregierung, ob die nächsten Öffnungsschritte überhaupt zum Tragen kommen.

Öffnungen in München? Das Infektionsgeschehen müsste stabil oder rückläufig sein - ist es aber nicht

Der Knackpunkt: Laut neuester Fassung der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung muss nicht nur die Inzidenz unter 100 liegen, sondern das Infektionsgeschehen stabil oder rückläufig sein. Am Mittwoch vermeldete die Stadt eine Sieben-Tage-Inzidenz von 68,8, Tendenz seit Wochen steigend.

Was bedeutet das für die Betroffenen, die zum Teil mitten in den Vorbereitungen für eine Öffnung stecken? Das Volkstheater etwa steht schon in den Startlöchern. Am Donnerstag soll der Betrieb wieder starten, mit der Premiere von „Macbeth“. „Zwei Drittel der Karten sind bereits verkauft“, sagt Intendant Christian Stückl. „Wir haben sogar Schnelltests gekauft.“ Was, wenn das alles umsonst sein sollte? „Dann kann ich meine Mitarbeiter nicht aus der Kurzarbeit holen…“

Nur wenige Gastronomen beabsichtigen, ihre Biergarten und Freischankflächen zu öffnen

Nur wenige Gastronomen beabsichtigen, ihre Biergarten und Freischankflächen kommende Woche zu öffnen. „Höchstens fünf bis zehn der Innenstadtwirte haben das vor – es ist nicht rentabel“, sagt Gregor Lemke, Sprecher der Innenstadtwirte. Er selbst will seinen „Augustiner Klosterwirt“ außen mit kleiner Karte aufmachen. Und falls das doch nicht klappt? „Wir haben schon so viele Nackenschläge bekommen – man arrangiert sich.“

Öffnung ab Montag? Allein der Glaube fehlt den Betreibern der Fitnessstudios. „Fit Star“, „FitX“, „Fitness First“ und „Leo’s Sports Club“ sind aber alle vorbereitet. Skeptisch ist auch Veit Hesse, Geschäftsführer des Sportvereins MTV München*. „Uns wurde eine Öffnungsperspektive vorgelegt – aber die läuft ins Leere.“ - nba/pp - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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