Schilder stechen ins Auge

Corona-Plage greift um sich: So kämpfen Münchner Geschäfte jetzt um ihre Kunden - „Der Eindruck täuscht nicht“

Anstehen für den Schlussverkauf bei Sport Münzinger. Auch andere Geschäfte locken mit Rabatten bis zu 70 Prozent
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Anstehen für den Schlussverkauf bei Sport Münzinger. Auch andere Geschäfte locken mit Rabatten bis zu 70 Prozent.

In der Innenstadt von München locken die Läden mit immer höheren Rabatten, teilweise bis zu 70 Prozent. Die Kunden freut’s, für viele Händler geht es in Corona-Zeiten um die Existenz.

  • Die wirtschaftliche Situation für Münchens Geschäfte in der City ist auch aufgrund von Corona schwierig.
  • Derzeit liefern sich viele Läden in der Landeshauptstadt eine Rabattschlacht.
  • Der Grund: Die Lager vieler Warenanbieter sind prall gefüllt - die Kunden profitieren davon.

München - Zweihundert Meter lang ist die Schlange der Menschen am Rathaus – sie alle haben nur ein Ziel: die Schnäppchenjagd...

Am Donnerstag startete der Ausverkauf bei Sport Münzinger, nach über 130 Jahren macht der älteste Sportladen Münchens dicht. Rabatte von bis zu 70 Prozent gibt’s hier bis zum 17. Oktober auf Fußballschuhe, Trikots und Co.. Mit den extremen Preissenkungen ist Münzinger aber nicht alleine. Beim Gang durch die Münchner Innenstadt fallen sofort die knallroten Sale-Schilder ins Auge: Die Läden locken mit Nachlässen und Sonderaktionen – und das seit Wochen. Es ist ein regelrechter Rabatt-Sommer.

Rabattschlacht in München: Die Lager vieler Geschäfte sind proppenvoll

„Der Eindruck täuscht nicht“, bestätigt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Gerade im Textilbereich übertreffen sich die Läden an Sale-Aktionen. Den Kunden freut’s – doch es zeigt, wie sehr die Branche seit Corona unter Druck* steht. Für den Handel sind die günstigen Preise Gift. Die dadurch niedrigen Margen decken oft nicht mal die Fixkosten. Warum dann die Niedrigpreise? „Die Lager sind voll“, so Ohlmann. Das Problem: Die meisten Läden bestellen mit einem halben Jahr Vorlauf. Heißt im Klartext: Als der Lockdown im März kam, war die Herbst- und Wintermode längst geordert, von der Sommermode ganz zu schweigen. Rückgaben sind hier meistens nicht möglich.

München*, Stadt der Rabatte! Dabei gab es heuer bundesweit zum ersten Mal keinen offiziellen Sommerschlussverkauf – ein Novum! „Wir wollten das den gebeutelten Geschäften nicht vorschreiben“, so Ohlmann. „Jeder konnte die Entscheidung selbst treffen.“ Die roten Rabatt-Schilder leuchten jetzt in den Schaufenstern, aus dem Sommer-Sale wird ein Dauer-Sale.

Corona-Rabatte in München: Viele Geschäfte in kämpfen um Kunden und ihre Existenz

Viele Läden kämpfen mit den Rabatten um die Kunden – und ihre Existenz. Schließlich geht der Handelsverband davon aus, dass etwa 5000 Geschäfte in Bayern aufgrund der Pandemie schließen werden müssen. Ein Ende des Ausverkaufs ist laut Ohlmann so schnell nicht in Sicht, auch auf die Herbst- und Winter-Ware erwartet er starke Rabatte. „Für Schnäppchenjäger ist das Buffet in diesem Jahr wahrlich reich gedeckt.“

Viele Läden in Schwabing hatten schon vor der Corona*-Pandemie zu kämpfen. Die Krise wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die Probleme des Einzelhandels. Viele müssen nun zusperren. *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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