Sie gelten wohl ab Donnerstag

Paukenschlag in München: OB Reiter verkündet gravierende Schritte - dann folgt bittere Corona-Erkenntnis

Ab Donnerstag gelten in München wohl verschärfte Corona-Regeln. Auf eine Ansage von Oberbürgermeister Reiter folgt ein neuer Rückschlag.

  • München* hat als erste Millionenstadt die 50-Fälle-Marke bei der 7-Tages-Inzidenz gerissen. Pro 100.000 Einwohner infizieren sich aktuell deutlich über 50 Personen pro Tag im Wochenschnitt mit dem Coronavirus*.
  • Oberbürgermeister Dieter Reiter* hat auf einer Pressekonferenz über die Folgen informiert.
  • Auch Ministerpräsident Markus Söder hat den Finger in die Wunde gelegt.

Update vom 22. September, 9.18 Uhr: An dieser Stelle beenden wir die Berichterstattung. Über die weitere Pandemie-Entwicklung in München halten wir Sie in unserem neuen News-Ticker auf dem Laufenden.

Update vom 21. September, 22.44 Uhr: Die Corona-Infektionszahlen in Bayern steigen weiter. Als Reaktion darauf will das Kabinett den Kommunen nun bessere Möglichkeiten für Gegenmaßnahmen an die Hand geben. So soll etwa bei einer Überschreitung von 50 Neuinfektionen in einer Region in sieben Tagen eine Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen greifen.

Dies war zwar bisher auch möglich, allerdings soll in der Sitzung am Dienstag (10 Uhr) in der Staatskanzlei in München die sogenannte „Kann-Regelung“ in eine verbindliche „Soll-Regelung“ verschärft werden, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits am Montag ankündigte. Dabei sagte er auch, dass der Schutz von Alten- und Pflegeheimen von besonderer Bedeutung sei.

Coronavirus in München: Söder und Reiter äußern sich zu steigenden Infektionszahlen

Update vom 21. September, 18.36 Uhr: Am Mittag verkündete Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter neue Regelungen für die Landeshauptstadt. Grund ist, dass die Sieben-Tage-Inzidenz bei 56,13 liegt und den Grenzwert von 50 damit deutlich überschreitet. Auch Ministerpräsident Markus Söder hatte sich am Montag geäußert. „München ist zu groß, um es einfach jetzt zu ignorieren und laufen zu lassen“, so der CSU-Chef vor einer Videoschalte des CSU-Vorstandes.

Söder stellte eine Maskenpflicht für öffentliche Plätze in allen bayerischen Corona-Hotspots in Aussicht, wo Abstandsregeln nicht eingehalten werden. Auf welchen Plätzen die Maskenpflicht genau greift, sei aber die Entscheidung der betroffenen Kommunen. Auch über die Uhrzeit soll im Kabinett beraten werden. Söder plädierte jedenfalls für eine Maskenpflicht ab den Abendstunden: „Ab einer bestimmten Uhrzeit auf jeden Fall.“ Auf bestimmten Plätzen solle es außerdem ein Alkoholverbot geben. Ausnahmen soll es nach Worten des Ministerpräsidenten nur in Fällen geben, in denen das Infektionsgeschehen klar auf bestimmte Ausbruchsherde zuordenbar sei. In München beispielsweise sei das aber aktuell nicht mehr möglich.

14.24 Uhr: Wer gehofft hatte, dass sich die angekündigten Allgemeinverfügungen (siehe Update von 12.03 Uhr) durch einen gesunkenen Inzidenzwert rasch erübrigen würden, wird zumindest heute enttäuscht. Die 7-Tage-Inzidenz ist weiter geklettert, ihr Wert liegt nun bei 56,13. In der gestrigen Rückschau hatte die Stadt noch die Zahl 55,59 genannt.

Am Sonntag wurden insgesamt 60 neu mit dem Coronavirus infizierte Menschen in München identifiziert.

12.41 Uhr: Wie geht es in München weiter? Die wichtigsten Corona-Neuerungen in der Isar-Metropole haben wir noch einmal separat für Sie zusammengefasst.

Corona München: OB Reiter gibt drei gravierende Änderungen bekannt

12.03 Uhr: „Dieses Jahr ist alles anders“, eröffnet OB Reiter. Die heutige Sitzung sei keine angenehme gewesen. Gravierende Maßnahmen standen auf der Tagesordnung. „Drei weitere Regeln gelten ab Mitte der Woche“, sagt der 62-Jährige.

Als Erstes sei eine Einschränkung im persönlichen Lebensbereich aller Münchner beschlossen worden: „Nur noch fünf Personen oder zwei Haushalte oder Verwandte in gerade Linie dürfen sich treffen“. Dies gelte ab Donnerstag im privaten Raum und in der Gastronomie. Diese Entscheidung sei auch mit Hinblick auf die „Bilder vom vergangenen Wochenende" getroffen worden.

Eine weitere Maßnahme: „Bei anlassbezogenen privaten Feiern dürfen nur noch 25 Menschen Indoor und 50 an der frischen Luft zugegen sein“. Reiter meint damit etwa Hochzeiten und Beerdigungen. Veranstaltungen, die sich auf einen konkreten Anmelder zurückführen lassen, bleiben zunächst unberührt.

Drittens: „Es wird eine Maskenpflicht geben. Wir haben uns entschlossen, dies zunächst punktuell zu tun“. Gemeint sind der Viktualienmarkt, der Marienplatz und die Sendlinger Straße, „egal, ob ich sitze oder gehe“. Geltungsdauer der drei Regeln wird jeweils sieben Tage sein.

München: Neue Corona-Regeln gelten ab Donnerstag

Wenn der Inzidenzwert die Zahl 50 überschreitet, treten die Regelungen am Donnerstag in Kraft. Nach sieben Tagen wird Bilanz gezogen.

Auch das Kabinett tagt zu den genannten Themen am morgigen Dienstag; zu generellen Sperrzeiten habe man derzeit keine generellen Einschränkungen geplant, sagt Reiter. Seine Stadt solle nicht mehr lange Hotspot Deutschlands bleiben, stellt der SPD-Politiker klar und wendet sich an alle Betroffenen, die mit wirtschaftlichen Einbußen zu kämpfen haben.

„Es tut mir wirklich leid, dass wir so reagieren müssen. Ich hoffe, dass wir eine Woche später keine neue Allgemeinverfügung mehr erlassen müssen“, schließt der sichtlich mitgenommene SPD-Politiker. Die bereits bekannten Allgemeinverfügungen, konkret die Alkoholverbote für das Wochenende, werden erneut erlassen.

München: Corona-Regeln werden verschärft - OB Reiter nennt auf Pressekonferenz Details

11.59 Uhr: Ein wenig Geduld scheint noch erforderlich zu sein. Die Plätze auf der Pressetribüne wurden bereits ordnungsgemäß desinfiziert, sodass es in Kürze losgehen kann.

11.47 Uhr: Es waren offenbar äußerst intensive Gespräche. Noch ist von Oberbürgermeister Reiter nichts zu sehen, offenbar verzögert sich das Statement des SPD-Politikers ein wenig. In „wenigen Minuten" solle es losgehen, twittert der Bayerische Rundfunk (BR).

11.28 Uhr: Für 11.45 Uhr ist eine Pressekonferenz mit Oberbürgermeister Dieter Reiter zu den Beratungen der Münchner Rathaus-Koalition angekündigt. Wir begleiten das Statement im Live-Ticker.

9.52 Uhr: Live bei ntv hat sich Ministerpräsident Söder zur Corona-Dynamik in der Landeshauptstadt München geäußert. Alkoholeinschränkungen, eine Ausweitung der Maskenpflicht und die Reduzierung von privaten Veranstaltungen seien probate Mittel, um das Ausbruchsgeschehen zu begrenzen.

Für viele sei die aktuelle Situation ein „ethisches Dilemma“. Es habe am Wochenende „schöne, aber auch sehr verstörende Bilder gegeben“, klagt Söder. Dies sei jedoch explizit nicht der Fehler der Stadt gewesen. Nun gehe es darum „Leitlinien - und planken vorzugeben“.

Corona München: Söder klagt über „verstörende Bilder“ - und mahnt FC-Bayern-Fans

In Bezug auf das Super-Cup-Spiel des FC Bayern in Budapest sagt Söder: „Jeder Fan muss sich grundlegend überlegen, ob das (die Anreise) jetzt wirklich notwendig ist“. Aktuell liegt die 7-Tage-Inzidenz in Budapest über 100. In diesem Zusammenhang sei die Verschärfung der Quarantänepflicht für zurückkehrende Fans möglich. Sollte das Thema die befürchtete Dynamik entwickeln, sei sogar eine Art „Fußball-Ischgl" zu befürchten.

Auch zum Thema Schule gibt Söder noch einmal eine unmissverständliche Einschätzung ab: „Das schlimmste wäre für mich, wenn wir dauerhaft wieder über Schulen und Kitas entscheiden müssten. Das muss verhindert werden.“ Für den morgigen Dienstag hat der Ministerpräsident ausführliche Beratungen mit seinem Kabinett angekündigt.

München: Große Corona-Übersicht - diese Maßnahmen bahnen sich an

  • Eine Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen.
  • Eine Ausweitung der Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen, vor allem am Wochenende.
  • Strengere Einschränkungen bei Privatfeiern, beispielsweise eine deutliche Reduzierung der Teilnehmerzahl.
  • Neue Quarantäne-Bestimmungen für Sport- und Kulturreisen.

München: Rathaus-Koalition berät über neue Corona-Maßnahmen

Update 21. September, 9.18 Uhr: Zur Stunde wird im Münchner Rathaus beraten, welche Reaktionen auf die Explosion der 7-Tage-Inzidenz folgen soll. Das Ergebnis der Gespräche soll in einem ausführlichen Statement präsentiert werden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat bereits vorab eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen in München in Aussicht gestellt, auf denen die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können.

Er habe sehr gemischte Gefühle, etwa wenn er sich die Bilder von wilden Wiesn-Ersatzfeiern wie am Wochenende auf dem Viktualienmarkt ansehe. Daher wolle er mit der Stadt über einen Mund-Nasen-Schutz beraten, sagte der CSU-Chef am Montag dem Radiosender B5 aktuell. „Ich will keinem die Freude nehmen“, sagte Söder. Aber angesichts der hohen Infektionszahlen in München sollten Freude und Vernunft besser zusammengehen.

Zudem soll das Gesundheitsamt der Stadt künftig durch die Bundeswehr unterstützt werden. „Wir werden die Bundeswehr bitten, 100 Leute zur Verfügung zu stellen, um die Nachverfolgung zu verbessern.“

Corona München: Kommt Maskenpflicht? Söder droht bereits

Am Sonntag hatten die Corona-Zahlen in München den Wert von 55,6 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in einer Woche. Söder sprach in diesem Zusammenhang von starkem Leichtsinn einiger. „München hat sehr hohe Zahlen, zu hohe Zahlen.“

Sorgen bereiteten ihm nicht professionell organisierte Veranstaltungen. „Das Problem sind die privaten Feiern“, sagte er. „Wenn die Vernunft nicht hilft, dann muss gesteuert werden.“ Ziel sei es, den Betrieb in Schulen und Kitas bayernweit weiter zu ermöglichen und die Wirtschaft vor weiteren Einschränkungen zu bewahren.

München als erste deutsche Großstadt Corona-Hotspot: Welche Maßnahmen schon gelten - und welche drohen

Ursprungsmeldung vom 18. September:

München - „Die Situation ist ernst“, sagt Münchens zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne). „Wir alle müssen jetzt noch wachsamer sein“, sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Abgesehen davon sind außer der Maskenpflicht im Unterricht ab der 5. Klasse keine neuen Maßnahmen geplant. Erstmal. (Einen Überblick über bestehende Maßnahmen und Verbote sowie drohende Einschränkungen finden Sie im Artikel weiter unten.)

Corona: München reißt 50-Schwelle bei 7-Tages-Inzidenz - Was bedeutet das?

Zur Einordnung: Was ist heute passiert? München hat heute (Freitag, 18. September) als erste Metropole in Deutschland die 50-Fälle-Marke bei der 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner durchbrochen. Der Wert ist wichtig. Weil er die Corona-Neuinfektionen in allen deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten so schön vergleichbar macht und weil er eben nicht nur die Tageswerte, sondern eine ganze Woche mit einbezieht. Und unter Deutschlands Millionenstädten ist da München trauriger Spitzenreiter. Zum Vergleich: In Berlin liegt der Wert aktuell bei rund 18, in Hamburg bei 17 und in Köln bei 21.

Auch die Reproduktionszahl von 1,41 kann den Verantwortlichen im Münchner Rathaus nicht gefallen. Aktuelle stecken demnach 100 Münchner 141 an.

Gleichzeitig ist der Wert nun für München auch nicht anders zu bewerten als beispielsweise für Garmisch-Partenkirchen. Will heißen: Es macht keinen Unterschied, ob nun der Landkreis Garmisch-Partenkirchen, Kulmbach oder eben die Millionenstadt München die 50 durchbricht, weil der Wert eben überall das Gleiche aussagt.

Corona-Hotspot München: 50-Fälle-Schwelle fordert eigentlich konkrete Beschränkungen - Eigentlich

Und doch wurde er im Mai von Bund und Ländern als wichtige Wegmarke festgelegt. Im Wortlaut:

„Ab einer gewissen Relevanz muss auf eine regionale Dynamik mit hohen Neuinfektionszahlen und schnellem Anstieg der Infektionsrate sofort vor Ort mit Beschränkungen reagiert werden. Deshalb werden die Länder sicherstellen, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit kumulativ mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten 7 Tage sofort ein konsequentes Beschränkungskonzept unter Einbeziehung der zuständigen Landesbehörden umgesetzt wird.“

Und das liest sich eigentlich recht eindeutig. Könnte man meinen. Trotzdem will man im Rathaus erstmal abwarten, wie sich die Zahlen weiter übers Wochenende entwickeln. Vom bayerischen Gesundheitsministerium gibt es Rückendeckung. Eine Überschreitung „löst keinen Automatismus dahingehend aus, unmittelbar allgemeine Kontakt- oder Ausgangsbeschränkungen zu erlassen“, sagte eine Sprecher der SZ. Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich die Lesart von so einem Beschluss ist.

WirtshausWiesn im Corona-Hotspot München: Reiter droht Wirten

So bleibt es erstmal bei den bestehenden Alkoholverboten an neuralgischen Party-Punkten in München und gleichzeitig wird morgen (Samstag, 19. September) der Auftakt zur „WirtshausWiesn*" gefeiert. Und Reiter beschränkt sich darauf, die Wirte sehr, sehr deutlich zu ermahnen:

„Sorgen Sie dafür, dass Musik wirklich immer Hintergrund-Musik bleibt und sich auch Ihre Gäste an die Regeln zum Infektionsschutz halten. Nicht nur am Anfang, sondern auch nach der zweiten Maß Wiesn-Bier.“

„Denn angesichts der heutigen 7-Tage-Inzidenz von über 50 gelten mehr denn je die strengen Vorgaben zum Infektionsschutz. Kreisverwaltungsreferat und Polizei werden vor allem auch während der Wirtshaus-Wiesn intensiv kontrollieren und etwaige Verstöße konsequent ahnden.“

Reiters Amtskollegin einer weiteren deutschen Millionenstadt, nämlich Oberbürgermeisterin Henriette Reker in Köln, hört sich da ganz anders an. Sie denkt laut über Kontaktbeschränkungen nach. Schließlich müsse man alles tun, „um einen weiteren Lockdown zu vermeiden“.

Schulen bleiben ebenfalls geöffnet, nur eben mit der Beibehaltung der Maskenpflicht im Unterricht ab der 5. Klasse. Genauso Krippen, Kindertagesstätten und andere Betreuungseinrichtungen. Abgesehen davon sind diese Maßnahmen bereits in Kraft:

Corona-Hotspot München: Diese Maßnahmen gelten bereits

Am Wochenende vom 18. September (21 Uhr) bis 20. September (6 Uhr) gilt in München ein zeitlich begrenztes Alkoholverbot an folgenden öffentlichen Plätzen:

  • Baldeplatz
  • Gärtnerplatz
  • Gerner Brücke
  • Isarauen zwischen Reichenbachbrücke und Wittelsbacherbrücke
  • Wedekindplatz
  • Theresienwiese am Samstag (19. September) von 9 Uhr morgens bis 6 Uhr morgens des Folgetags

Corona-Hotspot München: Diese Maßnahmen könnten bei weiter steigenden Infektionszahlen folgen

Sollten der Wert 50 auch am Montag noch stehen, oder sogar weiter steigen, hat Dieter Reiter folgende Maßnahmen heute bereits angerissen:

  • Reduzierung der Personenzahl bei privaten Feiern von 100 auf 50 Personen im Innenbereich
  • und von 200 auf 100 Personen im Außenbereich
  • Verlängerung der Sperrzeit

Neben München (50,70) verzeichnen in Bayern derzeit auch die Stadt Würzburg (70,38), die Stadt Kaufbeuren (61,51), der Landkreis Garmisch-Partenkirchen (58,78) und der Landkreis Kulmbach (50,11) kritisch hohe Infektionszahlen.

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Rubriklistenbild: © Tobias Hase/dpa

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