„Hatten letzte Woche nur zwei Kunden“

Corona-Pandemie zwingt Münchner Reisebüros in die Knie - Betreiber schildern ihren traurigen Alltag

Christian Weimann musste sein Reisebüro in München schließen.
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Aus der Traum vom Reiseglück: Christian Weimann musste sein Reisebüro an der Fraunhoferstraße Ende Oktober schließen. Die Corona-Pandemie zwingt die Tourismusbranche derzeit in die Knie.

Die Corona-Krise und der neuerliche Lockdown haben die Reisebüros hart getroffen. Ohne staatliche Hilfen geht es bei den meisten nicht mehr.

  • Die Corona*-Krise bringt Reisebüro-Besitzer in München* an ihre Grenzen.
  • Sie verzeichnen hohe Einbußen.
  • Auch die Flüge am Münchner Flughafen sind stark zurück gegangen.

München - Strahlend blauer Himmel, weißer Sandstrand mit Palmen: Reiseträume! Und genau die sind jetzt im Reisebüro Der Part an der Frauenhoferstraße endgültig geplatzt. Geschäftsführer Christian Weimann musste seine Filiale am 31. Oktober schließen. Hauptgrund: Corona. Und damit ist er kein Einzelfall.

Corona in München: Reisebüros mit enormen Einbußen

Seit den zahlreichen Reisewarnungen und Beherbergungsverboten liegt die Reisebranche still und hat derzeit kaum Perspektiven. „Letzte Woche hatten wir lediglich zwei Kunden im Laden, beide zum Stornieren“, sagt Christian Weimann. Laut des Deutschen Reiseverbands verzeichnen 70 Prozent der Reisebüros derzeit Einbußen von mehr als 75 Prozent. Etwa die Hälfte musste bereits Mitarbeiter entlassen oder wird es voraussichtlich tun. Weimann: „Wir konnten zwei von drei Mitarbeiterinnen in unseren anderen Filialen unterbringen, eine mussten wir leider entlassen“.

Die Corona-Pandemie* hat die gesamte Tourismus-Branche fest im Griff. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass über zwei Drittel aller Reisebüros die aktuelle Situation als existenzbedrohend bezeichnen. Die aktuelle Situation macht sich auch am Münchner Flughafen bemerkbar. Hier sank das Passagieraufkommen um rund 73 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im laufenden Betriebsjahr wurden bisher etwa 123.000 Flugbewegungen gezählt. Das entspricht einem Minus von 61 Prozent. Viele Länder verlangen vor der Einreise Corona-Tests oder Quarantäne, in anderen Ländern ist die Einreise gar nicht möglich. So ist es nicht überraschend, dass derzeit die häufigsten ADAC-Routenanfragen der Münchner mit 32,6 Prozent deutsche Orte sind. Gefolgt von Italien mit 28 Prozent.

Corona in München: Großteil der Reisebüros brauchen staatliche Hilfen

Die Reiseveranstalter betonen, dass sie trotz größter Schwierigkeiten die wirtschaftliche Tätigkeit so lange wie möglich aufrechterhalten wollen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben nahezu alle Reisebüros (92 Prozent) staatliche Hilfe in Anspruch genommen. Fast 80 Prozent haben Kurzarbeit beantragt, so auch Christian Weimann: „Wir fahren radikal runter und ziehen uns zurück. Für unsere Kunden möchten wir aber dennoch präsent bleiben.“

Auch das ADAC-Reisebüro am Sendlinger Tor verzeichnet einen starken Kundenrückgang.

Auch die Münchner ADAC-Reisebüros verzeichnen wegen der Pandemie einen massiven Einbruch. „Der Reisemarkt ist kollabiert“, sagt ADAC-Sprecher Stefan Dorner. Auch hier wird man zwar um das Thema Kurzarbeit nicht herumkommen. Doch die ADAC-Reisebüros bleiben weiterhin geöffnet. „Wir wollen den Kunden zeigen, dass wir noch da sind und wir wollen ihnen Hoffnung machen. Es gibt einen Urlaub nach Corona – oder es wird zumindest ein Reisen mit Corona geben im nächsten Jahr.“ Gerade werden die Angebote an die aktuelle Situation angepasst. „Im Moment sind vor allem individuelle Reisen mit Wohnmobilen und in Ferienwohnungen gefragt, als Ziele stehen Bayern und ganz Deutschland im Fokus“, erläutert der ADAC-Sprecher. Erklärtes Ziel des ADAC Südbayern sei auch, alle Mitarbeiter vollständig durch die Krise zu bekommen.

Christian Weimann hat sein Reisebüro am Samstag endgültig zugesperrt. Trotzdem ist er optimistisch, blickt nach vorne: „Wir nutzen jetzt die Zeit und sammeln neue Ideen für unsere anderen beiden Filialen in München.“ Marlene Bergmann *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Mann rennt ohne Maske durch den Münchner Flughafen. Als ihn die Polizei stellt, staunen sie nicht schlecht.

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