München zieht die Notbremse

Bayern-Regeln härter als vom Bund geplant: Schüler lernen wieder daheim - Reiter spricht schon von 200er-Inzidenz

In München wird der Großteil der Schüler ab Montag wieder von zu Hause unterrichtet. OB Dieter Reiter befürchtet bereits ein schnelles Ansteigen der Inzidenz-Zahlen.

München - Erst zu, dann kurz auf - und jetzt wird wieder dicht gemacht! Ja, Schüler und Eltern durchleben derzeit wahrlich ein Wechselbad der Gefühle. Denn München* sperrt die Schulen nächste Woche wieder zu, Kitas gehen in die Notbetreuung. Grund: Das Robert Koch-Institut (RKI)* hat für Freitag in der Landeshauptstadt eine Sieben-Tage-Inzidenz* von 158,5 gemeldet*.

Laut bayerischem Infektionsschutzgesetz* müssen die Kommunen jeweils am letzten Arbeitstag der Woche festlegen, ob Schulen in der darauffolgenden Woche Präsenz- oder Distanzunterricht anbieten. Liegt die Inzidenz über dem Wert 100, wird geschlossen.

Schulen in München: Nur für bestimmte Klassen findet Wechsel- beziehungsweise Präsenzunterricht statt

Von Montag bis Freitag, 19. bis 25. April, gelten mithin folgende Regelungen: Die Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflegestellen und organisierte Spielgruppen bieten nur noch eine Notbetreuung an. An allen Schulen findet Distanzunterricht statt - ausgenommen davon sind die vierten Klassen der Grundschulen, die Jahrgangsstufe 11 an Gymnasien und Fachoberschulen sowie die Abschlussklassen. Dort findet Wechsel- beziehungsweise Präsenzunterricht statt.

Dafür wiederum gelten Regeln: Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden. Zudem müssen Schüler zu Beginn des Schultages ein schriftliches oder elektronisches negatives Ergebnis eines PCR- oder POC-Antigentests* vorlegen. Alternativ müssen die Kinder in der Schule unter Aufsicht einen Selbsttest machen. Das Testergebnis darf nicht älter als 24 Stunden sein. Die Testpflicht gilt mindestens zweimal wöchentlich. „Um die dritte Welle mit dominanter Mutation wirkungsvoll zu brechen, sind die Schließungen von Schulen und Kindertageseinrichtungen leider unerlässlich“, sagte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) unserer Zeitung.

Wieder Alltag in Münchner Schulen: Klassenzimmer sind verwaist, Schüler werden von zu Hause unterrichtet.

Schulen in München: Reiter hält 200er-Inzidenz in kommender Woche für „nicht unwahrscheinlich“

In Bayern gilt noch der Schwellenwert 100 als maßgeblich für die Schulen. Die Bundesregierung will aber eine eigene Regelung, die deutschlandweit gelten soll: die sogenannte Bundesnotbremse. Aktuell ist vorgesehen, dass Schulen erst ab einer Inzidenz von 200 schließen müssen. Sollte es so kommen, muss das aber keine Folgen für Bayern haben. Denn: Jedes Bundesland darf sich selbst strengere Maßnahmen auferlegen. Heißt: Die 100er-Grenze könnte bleiben, das muss aber der Freistaat entscheiden.

Münchens Rathaus-Chef Dieter Reiter* (SPD) sagte am Freitag gegenüber unserer Zeitung: „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir womöglich schon in der nächsten Woche die 200er-Marke überschreiten, insoweit muss man die Entwicklung der nächsten Woche abwarten.“ Grundsätzlich aber habe sich die derzeitige bayernweite Regelung bewährt, bei einer Inzidenz von 100 und darüber in den Distanzunterricht zu wechseln. Reiter: „Meine Gesundheitsexperten raten zudem davon ab, die Schulen erst bei einer Inzidenz von 200 zu schließen.“ (ska)

Schulschließungen in München: Das sagen Eltern

„Natürlich ist es blöd und nervig, dass die Schulen jetzt wieder schließen müssen. Aber die ganze Pandemie* ist ja an sich schlimm. Ich finde es vor allem für die Kinder schade, die nicht in die Schule gehen dürfen. Und natürlich ist auch der Spagat zwischen Arbeit und Kinderbetreuung nicht einfach. Meine Tochter ist in der zweiten Klasse und hatte in dieser Woche immerhin an drei Tagen Unterricht.“ Annette Schmitt (39), Psychotherapeutin aus München

„Mir als Mutter geht es schlecht mit der Entscheidung, dass die Schulen ab nächster Woche wieder zu machen. Ich finde, es ist eine wahnsinnige Zumutung für die Kinder. Eine Woche sind die Regeln so, in der nächsten wieder anders. Mich nervt diese Perspektivlosigkeit, die auch für die Kleinen sehr anstrengend ist. Man kann überhaupt nicht mehr planen, sondern muss immer nur von Woche zu Woche schauen.“ Stefanie S. (37), Verwaltungsangestellte aus München

„Ich finde es gut, dass es jetzt vielleicht bald deutschlandweit einheitliche Regeln gibt. Ich bin auch zufrieden damit, dass die Schule jetzt dicht macht. Bei der Schule meiner Tochter hat es mich die ganze Zeit geärgert, dass die Schutzmaßnahmen nicht konsequent umgesetzt wurden. Auch die Tests geben nur eine scheinbare Sicherheit. Ich verstehe gar nicht, warum man mit solchen Entscheidungen so lange zögert.“ Martin Sauer (49), Rechtsanwalt aus München

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