„Manchmal an die 70 Autos“

Tankstelle wird zum Poser-Treff in Corona-Zeiten: Polizei im Dauerstress - 20-Jähriger verletzt Beamten

Mehrere Autos stehen in der Dämmerung nebeneinander auf einem Tankstellen-Parkplatz
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Szene aus dem Sommer 2020: Auf dem Parkplatz der Allgut-Tankstelle treffen sich die jungen Auto-Poser regelmäßig.

In Corona-Zeiten werden neue Treffpunkte auserkoren. So finden Autofreunde regelmäßig an einer Moosacher Tankstelle zusammen. Immer wieder rückt die Polizei an. Manchmal geht das nicht glimpflich aus.

München - Aufheulende Motoren, quietschende Reifen und Musik aus den Boxen. Weil Bars und Discos zu sind, weichen gerade jüngere Leute vermehrt auf andere Orte aus. Ein besonders beliebtes Ziel unter PS-Protzen: die Allguth-Tankstelle an der Triebstraße (Moosach). Erst am Mittwochabend hat die Polizei dort 50 Personen vertrieben. Laut Betreiber waren das im Vergleich zu anderen Tagen noch verhältnismäßig wenige...

„Das sind längst nicht mehr nur die üblichen Auto-Poser, die herkommen“, sagt der Tankstellen-Betreiber, der mit Namen nicht genannt werden möchte. Größtenteils treffen sich dort Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren. Die meisten von ihnen fahren teure Autos - und sind wenig einsichtig. „Die lassen sich nichts sagen. Die Polizei hilft uns regelmäßig, den Parkplatz abzusperren.“

Corona-Krise in München: 20-Jähriger verletzt Polizisten bei Kontrolle

So war es auch am Mittwoch gegen 21 Uhr. Die Polizei* erteilte allen Platzverweise. Ein 20-Jähriger aus dem Landkreis Starnberg widersetzte sich dabei aggressiv der Polizei-Kontrolle, ein Beamter wurde dabei verletzt.

„Manchmal stehen hier an die 70 Autos“, erzählt der Tankstellen-Betreiber - und das, obwohl die Polizei täglich kontrolliert. Teilweise sogar bis zu vier Mal an einem Abend! „Die haben sicherlich schon ein paar Hundert Anzeigen verteilt“, so der Betreiber. Das Problem: Bei den Auto-Posern sollen zum Teil noch nicht einmal die Bußgeldbescheide von letztem Herbst angekommen sein. Deshalb - so mutmaßt der Mann - würden die „erzieherischen Maßnahmen“ nicht fruchten.

Corona-Krise in München: Auto-Poser scheinen sich nicht um Infektionsschutz zu scheren

Und was treiben so viele Menschen abends bei einer Tankstelle? „Die stehen in Gruppen zusammen, ratschen, hören Musik, tanzen“, erklärt der Kaufmann. Um den Infektionsschutz scheint sich dabei keiner zu kümmern. Einkaufen oder tanken würden von denen die wenigsten. „Hätten wir keine Pandemie*, wäre das halb so wild. Die tun ja keinem was.“

Doch das Virus* hat die Stadt immer noch im Griff. Und seitdem die Lockdown-Maßnahmen gelten, ist der Trubel immer größer geworden. „Das Phänomen ist vergleichbar mit den Partys im Englischen Garten*“, sagt der Betreiber.

Wenigstens verschwinden die Autos wegen der aktuellen Ausgangssperre um kurz vor 22 Uhr wieder. Dann ist für ein paar Stunden Ruhe bei Allguth in Moosach. (laf) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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