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Nach OP mit Corona infiziert und gestorben: München trauert um außergewöhnlichen Gentleman

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Von: Ulrike Schmidt

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Trauer im Lehel
Trauern um ihren Vater: Sarah und David Kronsbein in der St.-Anna-Kirche im Lehel. © Heinz Weißfuss

Trauerfeier in München: Angehörige und Freunde begleiteten den Galeristen Dirk Kronsbein auf seinem letzten Weg.

München - Der weiße Schal war sein Markenzeichen. Jedenfalls seit sich der Westfale Dirk G. Kronsbein († 81) entschlossen hatte, seine Liebe zu Pop- und Street-Art 2013 als Spätberufener in einer Galerie in München auszuleben – unter anderem stellte er 2016 Werke von Banksy aus. Er war ja eigentlich Inhaber einer internationalen Druckluftfilter-Firma. Doch solche Widersprüchlichkeiten gehörten zu Kronsbeins Leben wie das dick beschmierte Butterbrot, dem er vor jeder Gourmetküche den Vorzug gab.

München: Dirk Kronsbein nach Covid-Erkrankung gestorben

Nichts war gewöhnlich an diesem außergewöhnlichen Gentleman – nicht einmal sein Tod am 6. Oktober, als er nach einer Bandscheiben-OP an Covid erkrankte, trotz vollständiger Impfung. Dirk Kronsbein musste künstlich beatmet werden und wachte aus dem Koma nicht mehr auf. Am Donnerstagabend wurde er in der St.-Anna-Kirche im Lehel bei einem Trauergottesdienst von seiner Familie und seinen Freunden feierlich verabschiedet; danach sollte es noch einen Empfang bei Käfer geben – für den allerengsten Familien- und Freundeskreis.

Seine Tochter Sarah Kronsbein (41) hat das Gedenken für ihren Vater gestaltet, nachdem sie früher alle Festlichkeiten gemeinsam geplant hatten. Denn für Dirk Kronsbein war allein die Vorbereitung, die Vorfreude auf ein fröhliches Beisammensein das Größte. Er liebte es, das Schöne und Gute zu teilen, war er doch in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und erst viel später, mit viel Fleiß und Disziplin, zu Wohlstand gekommen. Als Freigeist, der er war – mit dem Grundsatz „Geht nicht, gibt’s nicht“.

Als 16-Jähriger wanderte Kronsbein mit seiner Mutter nach England aus, heuerte auf einem Fischkutter an und verdingte sich als Amateurboxer, bevor er mit Freunden ein Tanzcafé eröffnete. Schließlich entschloss er sich, Ingenieurswesen und Marketing zu studieren. Ein Traineeprogramm bei einer Beratungsfirma brachte ihn auf den Weg zum Unternehmertum. Wieder daheim in Deutschland gründete er mit seiner Frau Sigrid die Ultrafilter international AG, die bald 900 Mitarbeiter beschäftigte.

Tochter erinnert an großzügigen Dirk Kronsbein: Schulfreundin brach vor Rührung in Tränen aus

Und weil ihm als junger Mann Chancen gegeben worden waren, förderte er später ebenfalls Talente, wo er nur konnte. Dabei agierte er streng und generös zugleich. Seine Kinder können ein Lied davon singen: der Älteste, Dean (60), der in England zur Welt kam, und die Zwillinge Sarah und David (41), die im Alter von vier Monaten ihre Mutter verloren hatten – bei einem Autounfall nur 400 Meter von zu Hause entfernt.

Sigrid Kronsbein starb in den Armen ihres Mannes Dirk, der damit zum alleinerziehenden Vater wurde – unendlich traurig, aber mit einem nicht verhandelbaren Wertekanon, zu dem vor allem das Teilen gehörte.

Trauer im lehel
Betroffen: Cosima von Borsody und ihr Gatte Bernhard Hock. © Heinz Weißfuss

In dieser Disziplin erteilte der Papa seiner Tochter Sarah schon mit acht Jahren eine Lektion fürs Leben, als sie eine Schulkameradin mit nach Hause brachte, die mit ihren Eltern gerade aus der DDR geflohen war, buchstäblich nichts besaß und damit auch nicht für die Fahrradprüfung an der Grundschule trainieren konnte, mangels Radl. Da schenkte Dirk Kronsbein dem Mädchen das Fahrrad seiner Tochter, die völlig perplex in Tränen ausbrach. Woraufhin der Vater Sarah erklärte, dass es einem doch am Herzen liegen sollte, dass es auch der Freundin gut geht und dass geschenkte Freude eine doppelte ist.

München: Trauerfeier für Dirk Kronsbein - „Ein wirklich bemerkenswertes und bewegtes Leben“

Großzügigkeit, Ehrlichkeit, das Glück eines Zufriedenen – das zeichnete Dirk Kronsbein aus, und all dies stand am Donnerstag auch im Mittelpunkt der Trauerfeier. Mit seinem Leben hat Dirk Kronsbein die Welt bereichert. Der Franziskaner Hans-Georg Löffler zelebrierte den Gottesdienst, den das Amadis-Quartett mit Sopranistin Judith Spießer musikalisch gestaltete – vor allem auch mit Kronsbeins Herzenslied von Franz Schubert, dem Ava Maria. . „Ein wirklich bemerkenswertes und bewegtes Leben“, würdigte der Pater.

So liebevoll und stark wie ihr Vater war, so gestaltete Sarah Kronsbein den Abschied von ihm – dankbar für jeden gemeinsamen Moment: wenn sie heimlich Mousse au chocolat gegessen haben, wenn sie gemeinsam gelacht, aber auch geweint haben. Sarah sagt, viele sähen nur das Äußere, das Offensichtliche, denn ihr Vater habe nicht viele an sich herangelassen. „Aber sein Innerstes war ein wertvoller Schatz! Mit der Trauerfeier möchte ich ihm die Wertschätzung und Liebe entgegenbringen, die ich von ihm bekommen habe; der trotz aller Schicksalsschläge immer wieder aufgestanden ist und Verantwortung übernommen hat – mit Herz und Verstand.“ (Ulrike Schmidt)

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