TU-Virologe im Interview

Corona-Gefahr in der U-Bahn? Experte verrät, wann Sie sich „unbedingt wegsetzen“ sollten - Tipps für Pendler

Ein Virologe aus München erklärt im Interview, wie man sich in Bussen und Bahnen am besten vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen kann.

  • Ist im öffentlichen Nahverkehr das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus besonders hoch?
  • Nächste Woche enden in der Stadt auch noch die Herbstferien - und die Transportmittel werden voller.
  • Ein Münchner Virologe erklärt uns, ob man Fahrten mit Bus, Tram oder Zügen vermeiden sollte.

München - Die Angst vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus* ist groß – besonders, wenn man in Bus oder U-Bahn einsteigt. Im April haben daher nur 27 Prozent der Fahrgäste den Nahverkehr genutzt. Doch wie hoch ist das Risiko wirklich? Wir haben mit Dr. Dieter Hoffmann vom Institut für Virologie der TU gesprochen.

München: Erhöhte Corona-Infektionsgefahr in der U-Bahn? Virologe im Interview

Herr Dr. Hoffmann, wie hoch ist die Ansteckungsgefahr in den öffentlichen Verkehrsmitteln? Gibt es Studien dazu?
Dieter Hoffmann: Studien gibt es nicht direkt. Aber es wurde die Ansteckung durch Aerosole in Innenräumen untersucht. Und man weiß, dass die Tröpfchen – abhängig von der Größe – länger in der Luft bleiben können. Das gilt für Innenräume insgesamt. Also auch für öffentliche Verkehrsmittel. Deswegen ist es wichtig, dass man Mund und Nase bedeckt, um die Aerosole zu verringern.
Ist die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, in Gastronomien höher als im öffentlichen Nahverkehr?
Hoffmann: Man kann prinzipiell nicht sagen, das eine hat ein höheres Infektionsrisiko als das andere. Die Abstände können sicherlich in der Gastronomie besser eingehalten werden. Der Vorteil in Bahnen und Bussen ist jedoch, dass die Masken durchgehend getragen werden. Und es kommt auch darauf an, wie lange jemand im Nahverkehr unterwegs ist. Meistens ist das ja nur kurz.

München und der MVV: Corona-Infektion vermeiden - Im Zweifel lieber das Weite suchen

Welche Regeln sollte man beachten?
Hoffmann: Da gibt es viele Punkte. Auf jeden Fall den Abstand von mindestens eineinhalb Metern einhalten. Wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann, kann man versuchen, sich an ein Fenster zu setzen, um nur von einer Seite Kontakte zu haben. Sollte jemand Erkältungssymptome wie Husten oder Schnupfen haben, empfiehlt es sich, sich unbedingt wegzusetzen. Die Haltevorrichtungen sollten auch gemieden werden, wenn das möglich ist. Außerdem sind dicht sitzende Masken sehr wichtig. Und man sollte sich nicht mit den Händen ins Gesicht fassen.
Sollten Pendler lieber auf die nächste U-Bahn warten, wenn eine andere überfüllt ist?
Hoffmann: Das kann ich nicht einschätzen. Das hängt beispielsweise davon ab, wie lange ich überhaupt in dieser U-Bahn oder S-Bahn bin. Wenn es nur wenige Minuten sind, dann ist es was anderes, als wenn ich eine Stunde damit fahre.
Sollte es eine maximale Passagieranzahl geben?
Hoffmann: Ich weiß nicht, wie es in der Praxis umzusetzen wäre. Man müsste die Leute zählen und das erscheint mir sehr schwierig. Im Bus wäre das noch eher möglich. Aber eine Überlegung wäre es wert. Ich würde es jedenfalls empfehlen.

München: Trotz Corona mit der U-Bahn unterwegs? Das rät der Experte

Sollten ältere Menschen und Risikogruppen aktuell den ­ÖPNV meiden?
Hoffmann: Ja. Immungeschwächte oder ältere Menschen sollten sich genau überlegen, wie sie wohin kommen können. Besser ist es mit dem eigenen Auto oder wenn Familienangehörige die Person fahren. Natürlich ist auch das Fahrrad eine Alternative für öffentliche Verkehrsmittel, da dort das Infektionsrisiko gleich null ist.
Wie könnte man den ÖPNV sicherer machen?
Hoffmann: Wenn es möglich ist, sollte gelüftet werden. Denn Luftaustausch ist wichtig, da die Aerosole hinausbefördert werden und Außenluft niemals eine hohe Virenzahl beinhaltet.
Am Montag beginnt die Schule wieder, es werden mehr Pendler unterwegs sein. Blicken Sie dem Tag mit Sorge entgegen?
Hoffmann: Wenn wieder mehr Menschen unterwegs sind steigt das Ansteckungsrisikio*. Arbeitnehmern sollte wenn möglich Homeoffice angeboten werden.

Interview: Franziska Florian *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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