„Dass man sich jetzt rechtfertigen muss“

In Münchner Schwimmbad: Bizarre Corona-Posse um Maja (16) - Mutter fällt vom Glauben ab, als sie Details hört

Claudia Wittmann steht mit einer Schwimmhilfe in der Hand vor dem verschlossenen Dantebad in München.
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Claudia Wittmann kann nicht verstehen, warum privater Schwimmunterricht im Dantebad verboten ist.

In Corona-Zeiten ist vieles anders - auch bei Münchens Schwimmern. Jetzt gibt es Ärger im Dantebad. Eine Lehrerin ist empört.

  • Eine Lehrerin versteht die Welt nicht mehr und kämpft gegen die Münchner Stadtwerke (SWM).
  • Die Münchnerin ist sauer - denn professionelles Schwimmtraining und privater Schwimmunterricht ist verboten.
  • Doch immer weniger Kinder können schwimmen.

München - Claudia Wittmann versteht die Welt nicht mehr, als ihre Tochter Maja (16) am vergangenen Dienstag geknickt nach Hause kommt: Eigentlich wollte Maja nur dem Nachbarsbuben Timo (6) das Schwimmen beibringen, der Bademeister sagte ihr aber, dass das verboten sei. Wittmann ist empört, vermutet ein Missverständnis und fragt direkt bei den Stadtwerken (SWM) nach. Die Antwort fällt erstaunlich aus: „Privater Schwimmunterricht ist tatsächlich in den M-Bädern untersagt – auch wenn es sich um eine Bekannte handelt“, heißt es. Eine Aussage, die ein SWM-Sprecher später relativieren wird…

München: Groteske Corona-Posse um Maja (16) - Mutter fällt vom Glauben ab, als sie Details hört

Für viele war es mit dem Schwimmenlernen diesen Sommer ohnehin schwierig: Die Kurse sind wegen der Corona*-Pandemie ausgefallen. „Damit hat ein ganzer Jahrgang nicht schwimmen gelernt“, sagt ein Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Und: Schon vor Corona habe es allein bei Kursen der DLRG Wartelisten von einem Jahr und länger gegeben. Schon zu den Pfingstferien rechnete die DLRG mit einem Ansturm auf die Badeseen in Bayern und warnte vor Gefahren*.

Im Fall des sechsjährigen Timo aus Nymphenburg haben sich deren Eltern deshalb kurzerhand Hilfe von nebenan geholt: Maja, die im Verein schwimmt, sollte Timo vorm Urlaub zur Wasserratte machen. Ehrenamtlich, versteht sich. Das Problem: Sie war dabei zu professionell.

Corona München: Stadtwerke reagieren nach Schwimmbad-Zoff

„Natürlich spricht nichts dagegen, wenn ein Elternteil oder eine Bekannte einem Kind ein paar Schwimmübungen zeigt“, widerspricht SWM-Sprecher Michael Silva in diesem Punkt der E-Mail, die Wittmann von den SWM erhalten hat. Aber: Professionelles Training sei grundsätzlich verboten. Hintergrund ist, dass es in der Vergangenheit gewerbliche Kursanbieter gab, die verbotenerweise die städtischen Bäder für ihre Angebote genutzt haben. „Die Kollegen intervenieren, wenn eine Hilfestellung nach professionellem Training aussieht“, so Silva.

Maja mit ihrem Schwimmgürtel und den Hilfestellungen hatte wohl das Misstrauen des Bademeisters auf sich gezogen. „Ich verstehe, dass Bademeister bei Gruppenunterricht genau hinschauen, aber dass man sich jetzt schon rechtfertigen muss, wenn man einem Nachbarn hilft, ärgert mich“, sagt Wittmann, die als Grundschullehrerin mit viel Besorgnis beobachtet, wie immer weniger Schüler schwimmen können. „Wir haben sogar Viertklässler, die Nichtschwimmer sind!“, sagt sie. Dramatisch, denn Ertrinken gehört zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern.

München: Mutter nach Corona-Posse um Maja (16) verstimmt

Dem Ärger zum Trotz: Maja und Timo haben weiter geübt. Und Timo und seine Familie können nun den Urlaub am Wasser in vollen Zügen – und sicher – genießen.

Das Dantebad in München (Archivfoto).

Erst anmelden, dann planschen

Aufgrund der aktuellen Situation ist der Zutritt in die Bäder der Münchner Stadtwerke (SWM) derzeit nur mit vorheriger Online-Reservierung möglich. Zudem ist Kindern unter 12 Jahren der Zutritt zum Bad nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten erlaubt.

Auch das Schwimmkursprogramm ist wegen Corona überarbeitet worden. Alle Schwimm- und Technikkurse, die bis zum Ende der Sommerferien geplant waren, wurden abgesagt. Welche Kurse demnächst stattfinden kann unter Kursangebote in den M-Bädern nachgelesen werden.

München: Bäder gut besucht – trotz Corona: Das ist der Fahrplan bis Saisonende

So langsam neigt sich der Sommer dem Ende zu, ab heute wird es kühler und nasser. Und auch die Stadtwerke werfen bereits einen ersten Blick zurück auf eine Freibadsaison in Pandemiezeiten. SWM-Bäderchefin Christine Kugler bilanziert: „Wegen des coronabedingten späteren Starts ist unsere Saison heuer sechs Wochen kürzer als gewohnt. In Anbetracht dessen sind wir mit der Zahl der Sommerbadegäste durchaus zufrieden: Wir liegen Ende August bei rund 535.000 Besucherinnen und Besuchern – das ist rund die Hälfte der Zahl in einer regulären Saison.“ Die Besucher hätten die Reservierungspflicht und die Hygieneregeln gut verinnerlicht.

Die meisten Freibäder schließen bald schon ihre Tore: Das Bad Maria Einsiedel, das Ungererbad, das Bad Georgenschwaige, das Westbad, das Prinzregenten- und das Dantebad haben noch bis einschließlich Montag, 7. September, geöffnet. Im Prinzregenten- und im Dantebad bleibt es bis zu diesem Tag bei der Frühschwimmerregelung. Zwei Bäder gehen in die Verlängerung: das Michaeli-Freibad bis Freitag, 18. September, und das Schyrenbad – sofern es das Wetter zulässt – bis Mittwoch, 30. September. Im Westbad, Michaelibad und Schyrenbad ist der letzte Frühschwimmertag am 31. August. In allen Freibädern gilt ab 1. September: um 19 Uhr ist Schluss. 

Auch heuer kommen Zamperl noch auf ihre Kosten: Der Hundebadetag findet am Freitag, 11. September, im FKK-Bereich des Dantebads statt.

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