Der Dauer-Regen und die Folgen

40 Liter in 48 Stunden: München unter Wasser

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Die Isar am Dienstag beim Müllerschen Volksbad.

Unglaubliche 40 Liter Regen in 48 Stunden! Das, was da von Sonntag bis Dienstagfrüh vom Himmel gekommen ist, ist über die Hälfte der Regenmenge, die normalerweise in einem durchschnittlichen ganzen Monat Mai fällt!

München - Schuld war ein Tief, das von Italien feuchte Luft heraufschaufelte. An der Isar stieg das Wasser rasant, die Inseln wurden überspült. In den kommenden Tagen wird es zwar wärmer – am Donnerstag sogar bis zu 24 Grad. „Aber das Wetter wechselt von kühl zu schwül“, sagt Dominik Jung von wetter.net. „Am Freitag und am Wochenende wird es immer wieder Gewitter und Schauer geben, lokal sogar mit Sturmböen und Hagel.“ Es bleibt also wechselhaft, voraussichtlich bis Ende des Monats. Oh Mai! Die tz hat mit Münchnern gesprochen, die unter dem Regen leiden – oder profitieren. 

Bitter für Mitarbeiter 

„Für den Betrieb und die Mitarbeiter ist das Wetter eine Katastrophe“, sagt der Wirt des Hofbräukeller-Biergartens, Ricky Steinberg. Etwa 40 Prozent weniger Umsatz habe er im Vergleich zu einem normalen Frühjahr gemacht. Und die 20 Mitarbeiter könnten nicht arbeiten, dabei seien sie auf die Schichten angewiesen. „Einige haben schon um einen Vorschuss gebeten, weil sie nicht über die Runden kommen. Früher konnten sie dann bei schönem Wetter länger arbeiten, um den Verlust reinzuholen – heute wird das alles zu streng kontrolliert.“

Ricky Steinberg.

Bei jedem Wetter ab ins Becken

Das wechselhafte Wetter macht Thomas Seibold (49) aus der Isarvorstadt gar nichts aus. „Ich gehe drei Mal die Woche im Freibad schwimmen, egal bei welchem Wetter“, sagt der Bühnentechniker. Seit dem 29. April hat das Schyrenbad schon geöffnet. Nur wenig hartgesottene Schwimmer verschlägt es bislang hierher. Seibold: „Das Becken ist bei Regen schön leer. Und für mich zählt nur, draußen zu sein. Ich wandere auch mit Regenschirm …“ Am Samstag starten vier weitere Freibäder in die Sommersaison. Egal bei welchem Wetter.

Thomas Seibold.

Gutes Geschäft

Wenigstens einer, der sich freut: Meinrad Aumiller (55) vom Traditionsgeschäft Schirme im Rathaus hat am Montag fast alle seine Knirpse verkauft. „An solchen Regentagen mache ich das Zehnfache des Umsatzes“, erzählt er. Das sei auch bitter nötig. „Im vergangenen halben Jahr hat es ja fast gar nicht geregnet. Dazu kommt das Internetgeschäft – und die Billigschirme der Drogerien, die meinen Absatz sinken lassen. Mich plagen wirklich Existenzängste.“ Immerhin der verregnete Mai gibt dem Schirmverkäufer ein bisschen Hoffnung.

Meinrad Aumiller

Acker unter Wasser

„Vielleicht hätten wir Reis anbauen sollen“, scherzte Daniel Überall (39), Vorstand des Kartoffelkombinats im Landkreis Fürstenfeldbruck, am Montag beim Blick auf den Acker. 18 Hektar unter Wasser! „Der schwere Lehmboden nimmt das Regenwasser kaum auf. Der Blumenkohl ist leider sehr empfindlich, die anderen Pflanzen haben die Überschwemmung aber wohl überlebt.“ Sein solidarisches Landwirtschaftsprojekt hat 1200 zahlende Mitglieder und versorgt fast ebenso viele Haushalte im Münchner Raum regelmäßig mit verschiedenen Gemüsesorten.

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