Kuriose Fälle in Untergiesing

Denkmalschutz ist nicht gleich Denkmalschutz

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Eines der beiden Kutscherhäuser, die 2009 abgerissen wurden.

München - Denkmalschutz ist nicht gleich Denkmalschutz: Diese Erfahrung muss derzeit ein Ehepaar aus Untergiesing machen. Lesen Sie hier eine kuriose Geschichte aus der Birkenau.

 Während auf dem Nachbargrundstück in der Birkenau ein Kutscherhaus abgerissen werde durfte, wurde Markus Rothenbächer und Sabine Geiger (beide 49) der Anbau eines kleinen Balkons verwehrt.

„Da wird mit unterschiedlichen Maß gemessen“, versucht Sabine Geiger ihren Ärger in sachliche Worte zu fassen. Das Ehepaar kann auf das Nachbargrundstück in der Birkenau schauen, wo voriges Jahr zwei Kutscherhäuser dem Abrissbagger weichen mussten. Jetzt nimmt ihnen der Neubau das Licht, die neuen Nachbarn werden bald einen Panoramablick auf die bestehende Dachterrasse des Paares haben.

Hier sollte ein Balkon hin – die Stadt verweigerte die Genehmigung (l.)

Das Kutscherhaus mit der Hausnummer 12 wurde Ende 2009 vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege von der Denkmalliste gestrichen. Dort ist Burkhard Körner für die Münchner Denkmäler zuständig. In "Hallo München" erklärte er die Entscheidung so: „Verschiedene bauliche Maßnahmen haben zu einer erheblichen Reduzierung des historischen Bestandes geführt und auch die städtebaulich veränderte Umgebung rechtfertigt keine Denkmaleigenschaft mehr.“ Das war das Todesurteil für das Kutscherhaus, stattdessen erhebt sich dort jetzt ein großes Mehrfamilienhaus mit exklusiven Eigentumswohnungen, das bald fertiggestellt wird.

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Das neue Mehrfamilienhaus, das bald fertiggestellt sein wird

Auch das Haus von Rothenbächer und Geiger steht unter Denkmalschutz, obwohl es nicht mehr im Originalzustand ist. Geiger: „Die Dachfenster wurden nachträglich eingebaut, auch Fenster und Tür im Erdgeschoss sind nicht mehr original.“ Eine kleine Änderung aber wird nicht erlaubt: „Wir wollen im Innenhof für unsere Mieter auf das Dach der bestehenden unteren Loggia eine Terrasse aufstützen.“ Das Vorhaben wurde von der Denkmalbehörde der Stadt abgelehnt: „Es würde sich über dem schrägen Dach des darunter liegenden Balkons eine seltsame Lücke ergeben. Diese beiden Linien würden mit ihren unterschiedlichen Bauformen den Charakter des Hauses verunklären“, erklärt die Sprecherin des Planungsreferats, Katja Strohhäker, warum man den Plan ablehnte. Dafür schlug die Stadt vor, das Dach darunter abzureißen und eine Betonplatte einzubauen!

Geiger: „Wir würden die Lücke verkleiden, die Betonplatte würde die Bausubstanz dagegen massiv verändern, drei mal so viel Geld kosten und die Gefahr mit sich bringen, dass Regenwasser ins Haus dringt."

Johannes Welte

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