Stadt schreibt Studie fort

Antwort auf die Wohnungsknappheit? Das ist der neue Hochhaus-Plan

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Grauer Riese: Der Uptown-Tower, der Sitz des Mobilfunk-Konzerns Telefonica (O2), überragt die Frauenkirche mit seinen 146 Metern deutlich.

München wächst - bald auch stärker in die Höhe? Die Hochhaus-Studie der Stadt aus dem Jahr 1995 soll fortgeschrieben werden. Die brennende Frage lautet: Können Hochhäuser das Wohnungsproblem lösen?

München - In der kommenden Woche soll der Planungsausschuss des Stadtrats eine neue Hochhausstudie für München in Auftrag geben. 14 Jahre nach dem Bürgerentscheid - seitdem ist beim Bauen bei 100 Metern Schluss - geht es darum, wie München mit hohen Häusern und wachsenden Einwohnerzahlen umgehen will. Die Studie soll zeigen, „wo und unter welchen Rahmenbedingungen Hochhäuser zukünftig erwünscht und sinnvoll sind bzw. auch, wo sie auszuschließen sind“.

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Vor dem Hintergrund der Wohnungsknappheit bekomme das Hochhaus „als Form hoher Verdichtung mit geringem Flächenanspruch wieder größere Relevanz“, heißt es in der Vorlage. CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl kann sich höhere Bauten gut vorstellen: „Wir sprechen uns für Wohnhochhäuser aus. Wünschen uns da eine mutige und durchaus moderne Architektur. Bitte keine Vierkantbolzen, wie sie Georg Kronawitter genannt hat, sondern spannende Wohnhochhäuser.“ Die CSU hatte vergangene Woche ein Antragspaket vorgelegt, in dem sie fordert, „alle Chancen einer dichten und hohen Bebauung“ auszuschöpfen.

Die Highlight Tower ragen 126 und 113 Meter auf.

Zwei Alternativen stehen zur Auswahl

Pretzl sieht zwei Alternativen: „Wir können überall gleich hoch und sehr dicht bauen. Oder wir können mit Hochhäusern Flächen sparen und mehr Einwohner auf geringerer Fläche unterbringen.“ Durch eine solche kompaktere Architektur sei es auch möglich, die für die Stadt so wichtigen Grünzüge zu retten. „Zudem können Hochhäuser gerade für neue Quartiere städtebauliche Akzente setzen“, sagt Pretzl. Bei der Bebauung der Entwicklungsachse vom Hauptbahnhof über Laim bis Pasing sei diese Chance leider vergeben worden.

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„Das Hochhaus ist nicht per se die Lösung des aktuellen Wohnungsproblems“, heißt es allerdings in der Vorlage des Planungsreferats. Dem stimmt Christian Breu, Chef des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum, zu: „Was den Flächenverbrauch angeht, sind Hochhäuser nicht der Weisheit letzter Schluss.“ Denn bei ihnen müssten viel größere Abstandsflächen eingehalten werden. „In Manhattan ist das natürlich anders, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wir rund um die Theresienwiese eine Hochhauslandschaft wie um den Central Park in New York haben wollen.“ Letztlich sei eine dichtere Bebauung durch das Aufstocken bestehender Wohnblöcke oder die Bebauung von Freiflächen zwischen Gebäuden möglich.

BMW-Zylinder: 101 Meter hohe Konzernzentrale.

Hochhäuser mit Mischnutzung möglich

Stephan Kippes vom Immobilienverband IVD meint, gerade bei Büroimmobilien könnten Hochhäuser den Markt entlasten. „Wir dürfen dem Wirtschaftsstandort nicht durch einen Mangel an Büroflächen den Schwung nehmen“, warnt Kippes. „Bei Wohntürmen landen wir dagegen preislich meist im Luxussegment.“

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Stadtbaurätin Elisabeth Merk will das ändern. Ihr Ehrgeiz sei es, dass in München ein genossenschaftliches Hochhaus mit einer Mischnutzung gebaut werde - also außer Wohnungen auch Läden, Büros oder Arztpraxen. „Ich habe einige Projekte in der Pipeline“, sagt sie. Was genau, will Merk noch nicht verraten. Nur so viel: „Was die Zukunft betrifft, denke ich jetzt bestimmt nicht an 200 Meter hohe Bauwerke.“

Die Zentrale der Hypovereinsbank misst 114 Meter.

Marc Kniepkamp

Ungebremstes Wachstum: 22.800 Wohnungen in den kommenden fünf Jahren

Wohnbauland in München ist knapp. Das weiß man. Langfristig, das heißt für einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren, können laut Planungsreferat etwa 61.200 Wohneinheiten geschaffen werden. Davon stehen allein in den kommenden fünf Jahren Flächen für rund 22.800 Wohnungen zur Verfügung: zum Beispiel das Gelände der ehemaligen Bayernkaserne (5500 Wohnungen), der erste Bauabschnitt in Freiham (4400 Wohneinheiten), die Paul-Gerhardt-Allee in Pasing-Obermenzing (2400 Wohnungen), der Prinz-Eugen- und der Domagkpark (jeweils 1800 Wohnungen), das ehemalige Paulaner-Areal am Nockherberg (1500 Wohnungen) oder das neue Werksviertel am Ostbahnhof (1150 Wohnungen).

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Etwas länger wird es noch im Münchner Nordosten dauern, der derzeit nach dem neuen Stadtteil Freiham das größte Potenzial für die Siedlungs- und Landschaftsentwicklung in München birgt. Östlich der Flughafenlinie S8 sollen in den Stadtbezirken Bogenhausen und Trudering-Riem einmal 30.000 Menschen leben und 10.000 Arbeitsplätze entstehen.

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Vorerst auf Eis liegt die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Nord (SEM) zwischen Feldmoching und Ludwigsfeld, die mit 900 Hektar eine noch größere Fläche als der Nordosten (600 Hektar) vorsieht. Stadtbaurätin Elisabeth Merk bedauerte gestern am Rande eines Pressegesprächs, dass die Politik hier nicht weiterkomme. „Wir haben schon viel Zeit vergeudet.“ In Feldmoching hat sich eine Bürgerinitiative (BI) gegründet, die sich vehement gegen die SEM wehrt. Zu Beginn dieser Woche forderte die BI einmal mehr den Stopp der Pläne und die Einleitung eines Agrargutachtens als Grundlage für eine Datenerhebung. Merk sagte gestern: „Dagegen haben wir gar nichts und werden es dem Stadtrat auch empfehlen.“ Unabhängig davon sollte der Stadtrat aber eine Voruntersuchung einleiten, ob die SEM ein tragfähiges Konzept sein könnte. „Damit ist noch gar nichts beschlossen“, so Merk. Dass von der BI immer wieder von möglichen Enteignungen gesprochen werde, bezeichnete die Stadtbaurätin als „totale Panikmache“

Im Osten: Das SZ-Hochhaus ist 100 Meter hoch.

Klaus Vick

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