Viele müssen lange warten

„Sechs Stunden Verspätung - eine Sauerei“: Münchner Bahnkunden sprechen über ihre Streikerfahrungen

Volle Züge: Wie schützen sich Reisende vor einer Infektion?
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Zahlreiche Reisende müssen sich während des GDL-Streiks in volle Züge quetschen. Die Abstandsregeln einzuhalten, ist dabei kaum möglich.

Noch bis in die Nacht zum Freitag streiken die Lokführer. Auch in München traf der Ausstand viele Pendler auf dem Weg zur Arbeit und verzögerte so manchen Start in den Urlaub. Wir haben nachgefragt.

Rafael P. (38), Angestellter aus München

„Ich muss in die Arbeit in die Nähe von Gilching. Zuerst also mit der S8 Richtung Herrsching, und dann ein Stück mit dem Bus. Als ich gehört habe, dass Streik ist, wäre ich eigentlich gern wieder umgekehrt und hätte im Homeoffice weitergearbeitet. Aber leider ging das nicht. Insgesamt habe ich etwa 20 Minuten Verzögerung. Mich nervt die ganze Situation schon ziemlich. Und den Streik* kann ich auch nicht nachvollziehen. Auch die Informationspolitik lässt zu wünschen übrig.“

Marion (47), Antonia (13), Helga (75), Alfons (83) und Roman (45), Urlauber aus München

„Wir sind auf dem Weg nach Friedrichshafen. Aber im Moment ist es nur ein Wunsch. Ob es klappt, wird sich noch herausstellen. Wenn die Anzeige der Bahn stimmt, wird unsere Verbindung wohl stattfinden. Wir sind extra früh hergekommen, etwa 45 Minuten vor der eigentlichen Abfahrt, um auf alle Fälle einen Zug zu erwischen. Unsere Meinung zu dem Streik ist recht gemischt. Streik ist ein legitimes Mittel im Arbeitskampf. In dem Fall ist es aber nur ein Streit zwischen zwei Gewerkschaften. Na ja, wir nehmen längere Fahrzeiten in Kauf, auch wenn es ungünstig für uns ist. Wir sind schließlich gerade auf dem Weg in den Urlaub.“

Alexander Frauer (42), Jurist aus München

„Ich bin auf dem Weg zur Arbeit, nach Feldkirchen. Ich bin Pendler. Mein Zug kommt, wie es den Anschein hat, in drei Minuten. Da hatte ich großes Glück, damit hatte ich eigentlich gar nicht gerechnet. Für den Streik, besonders in dieser Form, habe ich kein Verständnis. Das ist zu radikal und umfangreich. Arbeitskampf ist natürlich legitim. Aber Zeitpunkt und Heftigkeit sind nicht gut gewählt. Das ist alles mit der Brechstange gemacht. Das wünsche ich mir in Zukunft anders.“

Andreas und Marianne Michel (63), Rechtsanwalt und Steuerfachgehilfin aus Rosenheim

„Wir fahren nach Berlin. Das bedeutet in unserem Fall, sechs Stunden Verspätung. Das ärgert uns schon. So haben wir uns unseren Berlinurlaub nicht vorgestellt. Und den Streik der Lokführergewerkschaft können wir nicht nachvollziehen. Der ist eine Sauerei. Das ist Machtkampf auf Kosten der Bürger und der Deutschen Bahn. Das steht nicht für soziale Verantwortung. Und es kostet Unsummen. Allein wir beide bekommen etwa 250 Euro Rückerstattung. Rechnen Sie das mal hoch auf alle Bahnreisenden, die mehr als zwei Stunden Verspätung haben. Das übersteigt wahrscheinlich sogar den Streitwert des Streiks. In Zukunft überlegen wir uns zweimal, ob wir mit der Bahn fahren.“

Ramadan Abdiji (24) und Suejla Ademi (23), Studenten aus Albanien

„Wir haben Semesterferien und sind auf dem Weg nach Ingolstadt. Wir arbeiten dort die nächste Zeit. Suejlas Ferienjob beginnt heute um 11 Uhr. So wie es aussieht, kommen wir auch noch rechtzeitig an. So wie wir es im Moment verstehen, hat unser Zug wohl 40 Minuten Verspätung. Ganz sicher sind wir allerdings nicht. Der Fahrplan ist ein bisschen verwirrend, auch deshalb, weil wir nicht so gut Deutsch sprechen. Vom Hintergrund des Streiks verstehen wir nichts. Hoffentlich klappt alles.

Janine Ruhl (35), Regionalmanagerin für Zahnarztpraxen aus Fulda:

„Ich muss nach Fulda. Um 11 Uhr sollte ich dort sein. Das wird aber wohl eher nicht klappen. Ich war beruflich in München*, nun muss ich zurück. Mein Arbeitgeber ist über den Streik und die voraussichtliche Verspätung informiert. Er ist darüber nicht amüsiert, kann es aber natürlich nicht ändern. Sollte der ICE, mit dem ich jetzt plane, wirklich fahren, und sollte ich einen Platz finden, was ja auch nicht sicher ist, dann komme ich wohl mit etwa anderthalb Stunden Verspätung an. Nachvollziehen kann ich den Streik nicht, wenn ich ehrlich bin. Wir haben Corona, wir haben Schulferien, es gab genug Möglichkeiten zu streiken. Dass das jetzt stattfinden muss, finde ich nicht gut.“ Texte: Achim Schmidt -*tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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