Deutsches Theater: Ein teurer Spaß

+
Schon seit Mai 2008 wird das Deutsche Theater umgebaut.

München - Das Deutsche Theater in der Schwanthalerstraße ist dem Stadtrat lieb und teuer. Seit 2008 wird die Musicalbühne saniert. Die Shows finden in einem Zelt in Fröttmaning statt.

 Am Mittwoch musste Aufsichtsratsvorsitzender Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) bekannt geben, dass sich die Rückkehr in die Stadt um bis zu eineinhalb Jahre verzögert. Grund: Die Umbauarbeiten gestalten sich komplizierter, als erwartet. Das bedeutet millionenschwere Mehrkosten, die der Steuerzahler trägt.

Deutsches Theater: Der große Baustellen-Report

Im Frühjahr 2008 beschloss der Stadtrat, den Musical-Tempel für 79,5 Millionen Euro zu sanieren. Ein Angebot eines Musicalkonzerns, das Theater zu übernehmen, wurde abgelehnt, weil der Investor einen Bauzuschuss von 30 Millionen Euro forderte. In der Bausumme von 79,5 Millionen Euro sind 17,5 Prozent Risikovorsorge enthalten. Die Stadt legt bei jedem Projekt 17,5 Prozent der Bausumme als Reserve zurück, falls sich unliebsame Überraschungen ergeben. Davon konnte der Stadtrat damals aber nicht ausgehen, da es bei der Abstimmung hieß, dass es „ein relativ genaues Bild der Immobilie“ gebe.

So verändert München sein Gesicht

So verändert München sein Gesicht

Doch das entsprach offenbar nicht ganz der Wahrheit. Jetzt musste Monatzeder erklären, dass sich beim Bau unliebsame Überraschungen ergeben hätten: „Es wurden beispielsweise Bauteile und Fundamente entdeckt, die in den Bestandsplänen nicht verzeichnet waren und Umplanungen erforderten.“ Auch die Sanierung der Stuckdecke im Silbersaal sei aufwändiger als gedacht. Man habe auch einen unbekannten Keller entdeckt, den man aus Denkmalschutzgründen wiederherstellen musste. Für die Baukosten bedeute das, so Monatzeder, dass man im Rahmen bleiben werde.

Heißt: die Risikoreserve von rund zwölf Millionen Euro wird wohl aufgebraucht. 2009 musste die Stadt nur bei vier von 39 Bauprojekten die Reserve zu mehr als 75 Prozent beanspruchen, in 29 Fällen gar nicht. Auch der Umzug verzögert sich. Wenn der Winter hart wird, rechnet Monatzeder damit, dass das zu 55 Prozent ausgelastete Zelttheater bis zum Ende der Ballsaison im März 2013 gemietet werden müsse. Das bedeutet nochmals Mehrkosten von 5,5 Millionen Euro für die Zeltmiete. So lange kann das städtische Grundstück in Fröttmaning auch nicht neu verpachtet oder verkauft werden.

Wird der Winter nicht so hart, könnte man schon ab August 2012 umziehen, dann wären es „nur“ 3,5 Millionen Euro. Kulturreferent Hans-Georg Küppers verteidigt die Mehrkosten: „Das Deutsche Theater ist ein Herzstück des Kulturlebens.“ Die Eintrittspreise könne sich jeder leisten. FDP-Rathausfraktionschef Michael Mattar kritisiert: „Jetzt zeigt es sich, dass die Entscheidung, das Theater weiter unter städtischer Regie zu betreiben, falsch war und dem Steuerzahler teuer zu stehen kommt“.

Johannes Welte

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Technische Störung auf der östlichen S7
S-Bahn: Technische Störung auf der östlichen S7
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Kita-Finder wird verbessert: Das ändert sich für Eltern
Kita-Finder wird verbessert: Das ändert sich für Eltern

Kommentare