Olympia: Neue Zerreißprobe für die Grünen

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Grünen-Landesvorsitzende Dieter Janecek.

München - Der Stadtrat wird am Mittwoch über das Bid-Book abstimmen – das sind die konkreten Eckpunkte für die Olympiabewerbung. Spannend wird’s aber schon am Montag Abend, wenn die Münchner Grünen im Kulturhaus Neuperlach wieder einmal über das Thema streiten.

 Noch können Wetten abgeschlossen werden, ob das Pro-Olympia-Lager die Oberhand behalten wird oder ob sich diesmal die Gegner durchsetzen. Droht eine neuerliche Zerreißprobe?

Vor einem Jahr hatten sich am selben Ort die Olympioniken durchgesetzt. Das mit rund 60 Prozent sehr klare Votum hatte damals Beobachter und Beteiligte gleichermaßen überrascht. OB Christian Ude (SPD) hat den Koalitionspartner im Vorfeld der heutigen Versammlung erneut vor einem drohenden „Vertragsbruch“ gewarnt: Die grüne Rathausfraktion hatte sich 2008 im Bündnisvertrag zur Olympiabewerbung bekannt. Das gelte auch heute noch, versicherte Fraktionschef Sigi Benker gegenüber der tz.

Zwar kann auch er nicht sicher einschätzen, wie sich die Nachrichten der letzten Wochen und Monate auf das Abstimmungsergebnis auswirken. Seiner Meinung nach aber haben sich die Grünen im Rathaus mit ihren ökologischen Kriterien im Bid-Book sehr gut durchgesetzt. Auch am Finanzierungskonzept hat Benker nichts auszusetzen: „Dafür bekommen wir sehr viel.“ Landesparteichef Dieter Janecek wiederum warnt vor einem dreistelligen Millionendefizit, sein Pendant Theresa Schopper ist Befürworterin der Bewerbung. Laut Benker gibt es einen Antrag des Mitglieds Hermann Brem, der die Partei auffordere, interne „Widersprüche auszuhalten“.

Die gegensätzlichen Ansichten ließen sich nicht durch eine Kampfabstimmung auflösen. „Wir sollten zweigleisig fahren“, findet auch Benker. Die Spaltung der Grünen in der Olympiafrage zieht sich bis in die Bundesebene. Chefin Claudia Roth sitzt im Kuratorium der Bewerbungsgesellschaft. Sigi Benker erinnert an eine ähnliche Situation in einer anderen kontroversen Frage: nach der ablehnenden Abstimmung der Basis zur zweiten Stammstrecke habe sich die Fraktion zusammengesetzt und ihr Vorgehen besprochen. Für Olympia bedeutet das bei einem Nein-Votum heute Abend: „Es kann sein, dass im Stadtrat nicht jedes einzelne grüne Fraktionsmitglied zustimmt.“ Wichtig sei es aber trotz aller Kritik aus der Basis, „dass die Grünen ihre Einflussmöglichkeit im weiteren Verfahren bewahren“.

Barbara Wimmer

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