Zuletzte hausten Tauben und Ratten drin

Döner-Haus abgerissen: Neuer Eigentümer will Wohnungen bauen - aber das wird nicht einfach

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Kein sonderlich schöner Anblick: Das Döner-Haus verkam in den vergangenen Jahren immer mehr.

Jahrelang galt es als Schandfleck in der Schwanthalerhöhe. Jetzt wurde das Döner-Haus abgerissen. Die Wohnungsbau-Pläne des Eigentümers lassen sich wohl kaum realisieren.

  • Das lange leerstehende Döner-Haus ist abgerissen.
  • Zuletzt hausten in dem Gebäude Tauben und katzengroße Ratten.
  • Der neue Eigentümer würde gerne Wohnungen errichten - aber dem steht wohl eine Verordnung in Weg.

München - Egal ob Radler auf dem Weg in die Arbeit oder Fußgänger auf dem Weg zum Semmelnholen: Anwohner bleiben stehen und schauen. Und viele lächeln… An der Ecke Schwanthaler-/Schießstättstraße (Schwanthalerhöhe) ist der Bagger angerollt. Endlich, sagen die Passanten, kommt es weg - das Haus, das viele nach Jahren des Verfalls als Schandfleck empfinden. Der Greifer des Baggers reißt Zwischen­decken heraus, und die Buchstaben der verblassten Schrift an der gelben Fassade, „Gasthaus Zum Riedwirt“, bröckeln langsam ab.

Die „Döner-Haus“ genannte Immobilie war im vergangenen Jahr zwangsversteigert worden. Der Name rührt von dem Slogan „Döner macht schöner“, der an der Fassade prangte - Werbung für einen türkischen Imbiss, der nach dem Riedwirt eingezogen war.

Döner-Haus abgerissen: Eigentümer würde gern Wohnungen errichten - aber es gibt ein Problem

Der jetzige Eigentümer ist ­Josef Biermeier (62). Er setzt seit 16 Jahren mit seiner Firma biermeier gmbh Wohnbau­projekte im München um. Im Mai 2019 hatte der Bauträger das Anwesen für 4,85 Millionen Euro erworben. Wenn es nach Biermeier ginge, würde er lieber ein Wohnhaus statt eines Bürogebäudes oder gar eines Boardinghauses bauen, sagt er. Doch es gebe ein Problem: den Parkplatzzwang.

Für jede Wohnung muss laut Stadt ein Stellplatz vorhanden sein. Weil dieses Eck aber nur 200 Quadratmeter Grundfläche habe, sei es schwer, eine Tiefgarage zu errichten. Man bräuchte eine vollautomatische Aufzuganlage für Autos. Biermeier: „Jeder Stellplatz kommt dann aber auf cira 55.000 Euro. Das heißt: Bei 16 Wohnungen beispielsweise wäre bereits fast eine Million im Untergrund verbaut.“ Aktuell liefen Gespräche mit der Stadt.

Kurzer Prozess: Der Bagger riss das Döner-Haus ab.

Döner-Haus abgerissen: Tauben und katzengroße Ratten hausten in leerem Gebäude

Seit den Döner-Zeiten stand das Wohnhaus (Baujahr 1864) leer. Zum Ärger der Westendler, die angesichts der Wohnungsnot mehrmals demonstrierten. Bewohner habe es zwar gegeben, aber ungewollte: „Als ich zum ersten Mal in den Keller kam, wurde ich neben meterhohem Müll von Tauben und Ratten - fast so groß wie Katzen - empfangen. Da ist dir schlecht geworden“, berichtete Christof Hilzinger (65) vom Münchner Büro Architekten HBH am Donnerstag an der Baustelle.

Die Abrissfirma habe das gesamte Gebäude erst einmal dekontaminieren müssen. Wann und wie es nach dem Abriss konkret weitergeht, ist noch offen. Aber: Es soll auf alle Fälle zügig sein, sagt Biermeier.

Rund um das Uhrmacherhäusl kam es zu einem Skandal: Die Stadt vergab unwissentlich einen Auftrag an dessen Eigentümer. Abgerissen werden soll auch das Haus von einem Münchner Traditionsgeschäft - dort ließen sich auch Weltstars blicken.

Tina Layes

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