Keine Gäste mehr

Corona-Aus am Marienplatz: Traditionslokal im Herzen der Stadt muss schließen - Auch Wiesn-Zelt betroffen

Das Donisl am Marienplatz in München muss wegen Corona schließen. Die Geschäftsführer Birgit und Karlheinz Reindl in ihrem Lokal vor einigen Jahren.
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Das Donisl am Marienplatz in München muss wegen Corona schließen. Die Geschäftsführer Birgit und Karlheinz Reindl in ihrem Lokal vor einigen Jahren

Vor einigen Jahren wurde das Donisl am Marienplatz in München noch aufwändig saniert. Nun kommt es zu einem Corona-Drama - und das Traditionslokal muss schließen. Die Hintergründe.

  • Ein Traditionslokal im Herzen der Stadt muss seine Pforten schließen: Das Donisl geht vor Corona in die Knie.
  • Dem Betrieb wurde offenbar zum Verhängnis, dass man zu sehr von Touristen abhängig war.
  • Die Betreiber sprechen über das Donisl-Aus. Bei der Nachfolge bahnt sich eine bemerkenswerte Lösung an.

München - Paukenschlag in der Münchner Gastro-Szene: Die Hacker-Pschorr-Brauerei hat bekanntgegeben, dass Wirt Karlheinz Reindl das Traditionslokal Donisl am Marienplatz aufgeben wird. Der Grund: die ausbleibenden Gäste wegen der Corona-Pandemie*. Die Spekulationen um die Nachfolge sind besonders interessant, da der künftige Wirt wahrscheinlich auch das ebenfalls frei gewordene Bräurosl-Zelt auf der Wiesn übernehmen wird.

„Wir bedauern, dass die Zusammenarbeit nun am 31.12.2020 schon nach fünf Jahren endet. Aufgrund der langjährigen Verbindung (…) mit den Familien Rubenbauer und Reindl haben wir dem Wunsch entsprochen, das Pachtverhältnis vorzeitig zu beenden“, sagt Andreas Steinfatt, Geschäftsführer der Hacker-Pschorr-Brauerei.

München/Donisl am Marienplatz: Abhängigkeit von Touristen offenbarte sich in der Corona-Krise

Auch Karlheinz Reindl, der auch Geschäftsführer der Rubenbauer Unternehmensgruppe ist, bedauert das Ende: „Der Donisl war und ist ein Herzensprojekt, aber das Ausbleiben von Touristen und Messegästen zwingt uns zu dieser Entscheidung.“ Die Wirtsfamilie Reindl trat 2015 die Nachfolge der legendären Wildmosers an. Schon lange munkelt man in der Szene, dass seit dem damaligen Riesen-Umbau des Wirtshauses nur noch selten Einheimische kamen.

Corona München: Gespräche über Donisl-Nachfolge werden „doppelt brisant“

Zur tz sagte Karlheinz Reindl am Donnerstag, dass er seit mehreren Wochen mit der Brauerei im Gespräch war, die Entscheidung zum Aus für das Donisl aber erst kürzlich gefallen sei. „Wir haben uns verständigt, den Betrieb zu schließen – deswegen müssen wir alle Mitarbeiter zum Jahresende kündigen.“

Laut Brauerei dauere „es noch ein paar Wochen“, bis ein Nachfolger präsentiert werden könne – man führe bereits Gespräche. Diese sind offenbar doppelt brisant. Denn Brauereichef Andreas Steinfatt sagt in der offiziellen Mitteilung: „Es ist uns klar, dass es eine Herausforderung ist, den oder die richtigen Wirte für zwei Großobjekte wie den Donisl und die Bräurosl auf der Wiesn zu finden. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich hier auch eine Kombination.“

Soll heißen: Es kann gut sein, dass beide Objekte zusammen vergeben werden. Wenn die Brauerei aber offiziell von möglichen mehreren Wirten spricht – ist dann vielleicht doch etwas dran, dass Florian Lechner (einer der Nockherberg-Wirte) gemeinsam mit Florian und Bettina Oberndorfer (Wirtshaus in der Au, Knödelei auf der Wiesn) das Brauereizelt Bräurosl übernehmen werden? Und in diesem Zuge den Donisl gleich noch dazu? Die Arbeit wäre auf vielen Schultern besser verteilt. Und das nötige Geld käme auch leichter zusammen.

Corona München: Übernimmt neuer Bräurosl-Wirt das Traditionslokal?

Auch wenn Hacker-Pschorr weiter darauf besteht, es stehe noch kein Nachfolger für die Bräurosl fest, sprechen immer mehr Insider davon, dass tatsächlich das Duo Lechner/Oberndorfer in die erste Liga der Wiesnwirte aufsteigen darf – und den Donisl dazubekommt. Florian Oberndorfer allerdings sagte der tz am Telefon: „Ich habe mit der Brauerei nicht über den Donisl gesprochen.“ Er höre dieses Thema zum ersten Mal.

Alles nur Taktik? Immerhin berichtet Wolfgang Püschel (SPD), Vize des Bezirksausschusses Altstadt-Lehel: „Ich habe von mehreren Seiten gehört, dass die Wirte Lechner und Oberndorfer den Donisl übernehmen sollen.“ Was im Umkehrschluss auch deren Übernahme der Bräurosl wahrscheinlich machen würde. Ein erfolgreiches Wiesnzelt und eine schwächelnde Traditionsgaststätte als Doppelpack im Angebot? Püschel sagt: „Falls sich das bewahrheiten sollte, wäre es schon interessant, wie sich die Vergabemodalitäten ändern…“

In München* gibt es unterdessen den höchsten Anstieg von Corona-Infizierten seit April:

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