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Corona-Drama in Münchner Klinik: Ungeimpfte Mutter fällt ins Koma - so retteten Ärzte ihrem Baby das Leben

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Von: Andreas Beez

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Ärzte und Patientin stehen mit Masken nebeneinander, die Patientin hält das Foto eines Babys in der Hand
Punktsieg gegen Corona: Ärzte und Pflegekräfte posieren mit ihrer Patientin Imenta Theodoridou. © Klinik Harlaching

Mit einer spektakulären Teamleistung haben Spezialisten der München Klinik das Leben einer an Corona erkrankten Schwangeren und ihres Babys gerettet.

München - Als Imenta Theodoridou aus dem Corona*-Koma erwachte, wusste sie nicht, ob sie noch schwanger oder bereits Mama war. Eine Frage quälte sie mehr als das Virus: „Was ist mit meinem Kind? Ich hatte entsetzliche Angst um die Kleine“, erzählt die 36-Jährige. Doch die Ärzte der München* Klinik Harlaching* hatten nicht nur die Mama über den Berg gebracht, sie konnten auch den riesigen Felsbrocken von ihrem Herzen rollen.

Denn zu diesem Zeitpunkt war das Team der Frühchen-Intensivstation längst damit beschäftigt, die kleine Dimitra liebevoll aufzupäppeln. Die Ärzte hatten sie sieben Tage zuvor per Kaiserschnitt geholt, während die Mutter unter Narkose beatmet wurde. Ihr Baby wog gerade mal 1100 Gramm. Es kam am 21. September in der 29. Schwangerschaftswoche. Der reguläre Termin wäre am 9. Dezember gewesen.

Corona-Drama in München: „Zu dem Kaiserschnitt gab es keine Alternative mehr“

Obwohl Dimitra als extremes Frühchen geboren wurde, geht es ihr heute gut, sie hat ihr Gewicht bereits verdoppelt. „Dimitra hat keine bleibenden Schäden. Wir gehen davon aus, dass sie ganz gesund wird“, berichtet Prof. Marcus Krüger, Chef der Neonatologie (Neugeborenenmedizin).

Seinen Spezialisten gelang es, im Team mit ihren Kollegen aus der Geburtshilfe, das Leben von Mutter und Kind zu retten. „Als die Überwachungswerte der beiden immer schlechter wurden, gab es zu dem Kaiserschnitt keine Alternative mehr“, erläutert Gynäkologie-Chef Prof. Christoph Scholz.

München: Coronavirus sorgte für Einschränkung des Blutaustauschs zwischen Mutter und Kind

Die Schwangerschaft wurde für die werdende Mutter lebensbedrohlich, auch ihrem ungeborenen Kind ging es immer schlechter. Doch nicht das Virus selbst machte dem Baby zu schaffen, es war nicht mal damit infiziert. „Eine Ansteckung im Mutterleib findet nur in ein bis drei Prozent der Fälle statt“, erklärt Krüger.

Allerdings zerstörte das Virus den Mutterkuchen. „Es verursacht darin Entzündungsprozesse, die die feinen Gefäße der Plazenta verstopfen lassen. Dadurch wird der Blutaustausch zwischen Mutter und Kind immer mehr eingeschränkt“, weiß Scholz.

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Experte schätzt: Hälfte werdender Mütter ist ungeimpft

Das Tragische: Die Mutter hätte gar nicht auf der Corona-Intensivstation landen müssen. Sie war nicht geimpft, zumal es damals auch noch keine entsprechende Empfehlung der Stiko gab: „Heute würde ich dieses Risiko nicht mehr eingehen.“ Gynäkologe Scholz schätzt, dass sich nicht mal die Hälfte aller Schwangeren impfen lässt - auch aus Angst, ihrem ungeborenen Kind zu schaden: „Es ist nicht gelungen, das Vertrauen der werdenden Mütter zu gewinnen und vom großen Nutzen der Impfung zu überzeugen.“

Deshalb erleiden viele Frauen ein ähnliches Schicksal wie Imenta. Derzeit werden allein in Harlaching* vier Schwangere auf der Corona-Station behandelt. Auf einer Intensivstation lag auch Imentas Ehemann. Am Tag nachdem der 40-Jährige seine Frau ins Krankenhaus gebracht hatte, ging es ihm selbst so schlecht, dass er eingeliefert werden musste.

Während die Eltern auf der Intensivstation lagen, kümmerte sich die 14-jährige Tochter zu Hause um ihre drei Geschwister. Sie hatten sich ebenfalls mit Corona infiziert und zum Teil erhebliche Symptome*. „Ich bin überglücklich, dass es unseren fünf Kindern, meinem Mann und mir heute wieder gut geht“, sagt Imenta. (bez) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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