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„Nicht zumutbar“: Stadt dreht Einbahnregelung um –  Giesinger sauer über Stau und Parkverbote

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Von: Carmen Ick-Dietl

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Die Feldmüllersiedlung in Giesing. Hier regt sich Protest gegen eine Umkehrung der Einbahnregelung.
Die Feldmüllersiedlung in Giesing. Hier regt sich Protest gegen eine Umkehrung der Einbahnregelung. © Achim Schmidt

Ohne jegliche Vorwarnung hat das Mobilitätsreferat zwei Einbahnstraßen in Obergiesing einfach umgedreht. Die Anwohner wehren sich mit einer Unterschriften-Aktion.

München – Die einen finden’s toll, die anderen schrecklich: Neue Einbahnregelungen haben Anwohner der Feldmüllersiedlung in Giesing in zwei Lager gespalten. Einig ist man sich nur, dass die Stadt vorher mal was hätte sagen können. In zwei kleinen Straßen Obergiesings hat die Stadt vor Kurzem ohne Vorwarnung die Einbahnregelung einfach umgedreht.

Streit in Obergiesing: Stadt ändert Einbahnstraße – „Durchgangsverkehr war unerträglich“

Kam man vorher von der Tegernseer Landstraße über die Gietlstraße ins Viertel, ist sie nun zur reinen Ausfahrtsstraße geworden. Dafür geht’s jetzt nicht mehr zur Aignerstraße hinaus, sondern nur noch von der Seite Ichostraße. Damit sollen Schleichwegfahrten aus Richtung Nockherberg unterbunden werden, so die offizielle Erklärung. Angeblich hätten viele Autofahrer durchs Viertel abgekürzt, um sich insgesamt drei Ampeln und den Stau zu Hauptverkehrszeiten auf der Tegernseer Landstraße zu sparen. Selbst Google empfahl diesen Weg, berichtet die BA-Vorsitzende Carmen Dullinger-Oswald (Grüne).

„Der Durchgangsverkehr war zuletzt unerträglich“, erklärte Hermine Reiser aus der Aignerstraße auf der jüngsten Sitzung im Bezirksausschuss Obergiesing. Zu Stoßzeiten habe sie Auto an Auto vor der Tür gehabt. „Jetzt ist es unwahrscheinlich leiser geworden.“ Auch Max Solbach aus der Hefnerstraße begrüßt die neue Regelung. „Wir sind gottfroh, der Verkehr hat sich deutlich reduziert.“ Ein anderer Nachbar empfindet es als „Befreiung“. Doch eine große Gruppe von Anwohnern fordert die sofortige Rückkehr zur alten Regelung. Karin Liiv hat schon fast 500 Unterschriften dafür gesammelt – von Anliegern, von Einzelhandel und Gastronomie, vom Kolpinghaus und vom Seniorenheim St. Alfons.

Anwohner wehren sich mit Unterschriften-Aktion – „Das kostet alles Zeit und Nerven“

Die Gietlstraße, in der sie wohnt, sei schon immer als Zufahrt zum Viertel höchst belastet gewesen. Nun aber herrschten dort chaotische Zustände. Denn das Einfädeln auf die Tegernseer Landstraße ist ein Problem. Die Folge sind lange Staus in der kleinen Anliegerstraße. „Links kommst du da gar nicht weg, das kostet alles Zeit und Nerven“, erzählt ein Anlieger. Zudem habe man an der Ecke kaum Sicht, das gefährde die Fußgänger. Die neue Verkehrslage, die auch zusätzliche Parkverbote brachte, sei für die Anwohner, aber auch Besucher und Handwerker einfach nicht zumutbar. In der Schlange würden übrigens auch die Krankenwagen warten, die öfters das Altenheim anfahren müssten. „Es stimmt einfach nicht, dass vorher alle gequält wurden“, erklärt Liiv.

Ende 2018 widerlegte dies sogar das Kreisverwaltungsreferat mit ausführlichen Daten. „Es ist nur die Schilderung einer kleinen Gruppe aus der Aignerstraße.“ Die Polizei bestätigte auf der Sitzung erneut, dass die Geschwindigkeit nicht überdurchschnittlich, die Unfallzahlen nicht auffällig seien. Doch vergangenes Jahr forderten die BA-Grünen, die Feldmüllersiedlung zur Fahrradzone zu machen, um den Durchgangsverkehr abzuschrecken. Der Kompromiss im BA lautete Einbahnstraßen.

Das setzte das Mobilitätsreferat jetzt um. Ohne jegliche Vorwarnung. Weshalb sie von vielen, selbst aus dem Viertel, zunächst nicht beachtet wurde. Auch jetzt werde immer wieder gegen die Einbahnrichtung gefahren, berichten die Anwohner. Die neue Regelung soll als Pilotversuch auf ein Jahr beschränkt sein. Danach soll noch einmal alles analysiert werden, um dann „ergebnisoffen“ über die künftige Verkehrsführung zu entscheiden. Bis dahin will der Bezirksausschuss erst mal nichts ändern.

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