„Dir gehört nicht die Straße“

Dreiste Autofahrer parken Wege zu: Münchens Radler wüten im Netz - jetzt reagiert die Polizei

Taxis, Lieferwagen, Paketboten oder sogar ganze Lkw – sie alle parken auf Radwegen. Das treibt die Münchner Radler zur Weißglut.

München - Schließlich kommt es wegen den dreisten Falschparkern immer wieder zu gefährlichen Unfällen. Im Netz lassen deshalb zunehmend mehr Dampf ab – und zwar vor allem mit dem Hashtag #runtervomradweg auf der Social-Media-Plattform Twitter. „Auch das eingeschaltete Warnblinklicht macht es nicht richtiger“, schreibt ein Nutzer über einen Paketboten, der einen Weg für die Strampler komplett versperrt.

Der Zwist zwischen Radlern und deren Kritikern tobt in München. Vor ein paar Tagen erst goss der Kabarettist Christian Springer (53) Öl ins Feuer, ließ sich mit einem Brandbrief über die Münchner „Zweirad-Idioten“ aus und bekannte gleichzeitig, selbst kaum radeln zu können. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in München reagierte, bot ihm einen kostenlosen Radfahrkurs an…

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Sprecher der Grünen lobt Aktion

Nun wird die Aufmerksamkeit von Radl-Rambos auf die Radweg-Parker gelenkt. Ein Nutzer nimmt die Stadt und Polizei in die Pflicht: „Es kann mir niemand erzählen, dass das nicht in den Griff zu bekommen ist. Wenn man will.“ Unter den Aktivisten: Jörg Spengler, Sprecher der Grünen im Ortsverband Au-Haidhausen. „Die Aktion ist super“, sagt der 43-Jährige. „Damit wird auf das Problem aufmerksam gemacht.“

Er selbst postet fleißig Bilder von Radweg-Parkern. „Dir gehört vielleicht ein fettes Auto, aber dir gehört nicht die Straße“, schreibt er über einen Mercedes-Fahrer. 

Spengler möchte aber ein wenig Distanz von der Aktion nehmen: „Wo sollen die Lieferdienste denn sonst hin? Unser Lebens- und Einkaufsstil ist nunmal mittlerweile so, dass uns alles nach Hause geliefert wird – und die Politik reagiert nicht entsprechend darauf.“ Sein Vorschlag: Privatparkplätze reduzieren und für mehr Lieferflächen sorgen.

So reagiert die Polizei

Verärgerte Posts über Falschparker gehen gehen auch nicht an der Polizei München vorbei. „Wir kriegen unter #runtervomradweg regelmäßig Bilder von Engstellen auf Radwegen“, sagt Oliver Timper (46), Leiter des Social-Media-Teams. „Wir bleiben nicht untätig – oft schicken wir die Bilder an die jeweilige Dienststelle, damit dort mehr Streife gefahren wird.“ Es handle sich um ein sehr wichtiges Thema für die Polizei – denn die vierthäufigste Unfallursache bei Radfahrern sei, so Timper, dass Fahrzeugtüren geöffnet werden, ohne dass auf Radfahrer geachtet wird. Allein 2017 registrierte die Polizei 153 Fälle dieser Art.

„Die Twitter-Nutzer machen alles richtig“, sagt Timper. „Aber eins muss klargestellt werden: Man kann über Twitter keine Anzeigen erstatten.“ Dafür müssten die Nutzer zum Revier gehen und sich als Zeugen zur Verfügung stellen.

Online Anzeige erstatten

Mit öffentlichen Posts lässt sich Dampf ablassen, mittlerweile kann man aber im Internet sogar selbst aktiv werden: Mit der Wegeheld-App können aufmerksame Bürger dafür sorgen, dass Falschparker von Geh- oder Radwegen, Behindertenparkplätzen oder Busspuren verschwinden. Nutzer können in der App ein Foto vom falschparkenden Fahrzeug machen, das Bild wird dann auf dem Titter-Account @DasMussWeg gepostet. 

Wem das nicht genug ist, kann sogar online Anzeige erstatten: Die App hat Zugriff auf Mailadressen von über 1000 Städten in Deutschland – die App ermittelt die Postleihzahl und schickt die Mail zum Ordnungsamt. Wem eine Verwarnung lieber ist, spielt Straßen-Schiri: Nach einer Aktionswoche des Verkehrsclub Deutschland im Mai wurden 120.000 gelbe Karten verkauft – um den dreisten Radweg-Parkern seinen Ärger mitzuteilen.

Gelbe Karten sollen Park-Sünder bekehren.

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Kathrin Braun

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