Prozess

Dreister Altenpfleger bringt Senioren auch nach seiner Verurteilung um Ersparnisse

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Im Gerichtssaal: Peter S. versteckt sein Gesicht.

Weil Altenpfleger Peter S. (37) etliche Senioren bestohlen hatte, verurteilte ihn das Amtsgericht 2015 zu langer Haft. Noch bevor das Urteil rechtskräftig wurde, suchte er sich einen neuen Job und wiederholte seinen Taten. Jetzt steht er erneut vor Gericht – und grinst.

München - Manche Menschen sind unbelehrbar. Oder uneinsichtig. Oder bauen sich ihre eigene Wirklichkeit. Ein Gerichtsurteil? Das hat Peter S. (37) nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: Seine Strafe über drei Jahre und neun Monate, die das Amtsgericht im Oktober 2015 gegen den Altenpfleger aussprach, focht S. zunächst einmal an. Und zwar über neun Monate hinweg: So lange beschäftigte Peter S. sämtliche Instanzen der Justiz, bis der Bundesgerichtshof feststellte: Dieser Mann ist ein Seriendieb.

Den Beweis hatte Peter S. unterdessen zum zweiten Mal erbracht. Denn während der Zeit seiner Revision suchte sich der 37-Jährige im Sommer 2016 einen neuen Job als Altenpfleger und beklaute dabei erneut etliche Senioren – mit der gleichen perfiden Masche, für die ihn das Amtsgericht bereits üppig verurteilt hatte.

Gestern kam es nun zur Neuauflage des Gerichtsprozesses. Dieses Mal am Landgericht. Und selbst Richter Gilbert Wolf befand: „Sie haben erneut das Vertrauen ausgenutzt. Das ist natürlich übel. Aber Sie haben gewusst, dass das übel ist und haben es trotzdem wieder getan.“

„Es hat mir einen Kick gegeben“

Die Vorwürfe räumte Peter S. direkt ein. „Ja, es stimmt“, sagte er. „Es hat mir einen Kick gegeben, ein persönliches Erfolgserlebnis.“ Zuvor habe er persönliche Probleme gehabt: bei der Arbeit und in seiner Beziehung. Arglose Senioren zu bestehlen: Das hatte ihm ein Gefühl von Macht vermittelt. „Es war unnötig. Ich verstehe es selbst nicht“, sagt S. Denn Geldprobleme hatte er nicht.

Umso erstaunlicher ist es, dass er sich nach seinem ersten Urteil vom 20. Oktober 2015 monatelang um einen neuen Job beworben hatte und schließlich von den Johannitern eingestellt wurde – in exakt derselben Funktion.

Was folgte, waren exakt dieselben Taten. Mit dem Zweitschlüssel der Senioren verschaffte er sich Zutritt zu den Wohnungen und stahl Bargeld, Gold und Ringe im Wert von 318 000 Euro.

Doch warum durfte Peter S. überhaupt so lange auf freiem Fuß bleiben? „Da das Urteil wegen der eingelegten Revision des Angeklagten noch nicht rechtskräftig war, konnte es nicht vollstreckt werden“, sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Richtig ist nach dieser Logik auch: Dass die Mühlen der Justiz so langsam mahlen, gab S. also erst die Möglichkeit, weitere Diebstähle zu begehen.

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„Ich möchte mich bei allen Senioren entschuldigen“, sagte der Dieb gestern. Zu seiner Einstellung hatte er der Johanniter-Unfall-Hilfe ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt. „Darin waren keine Einträge vermerkt, auch nicht die einer früheren Verurteilung“, sagt Sprecher Gerhard Bieber. Bemerkt wurden die Taten, weil S. in der Nacht zum 21. Juli 2016 nach einem Einsatz den Schlüssel einer Wohnung nicht zurückgebracht hatte. „Daraufhin informierten wir am 21. Juli 2016 die Polizei und erfuhren von den Vorfällen aus der Vergangenheit.“ S. wurde „sofort freigestellt“ und zum 23. Juli 2016 fristlos gekündigt. Den betroffenen Senioren haben die Johanniter angeboten, die Kosten für den Austausch ihrer Schließanlage zu übernehmen. Um in Zukunft ähnliche Vorfälle zu vermeiden, gibt es nun weitere Kontrollen: „Eine GPS-Ortung der Dienstfahrzeuge und eine weitere elektronische Überprüfung zur Nutzung des Schlüsseltresors.“

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