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Eggarten-Siedlung: Naturschützer kämpfen weiter gegen den Neubau - „Das letzte idyllische Stück Münchens“

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Von: Sascha Karowski

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In der Eggarten-Siedlung sind die Bagger bereits am Werk.
In der Eggarten-Siedlung sind die Bagger bereits am Werk. © Götzfried

Naturschützer kämpfen um den Erhalt der Eggarten-Siedlung in München. Ein neues Gutachten weist schützenswerte Fledermausarten aus. Auch der Klageweg ist nicht ausgeschlossen.

München - Der Kampf ums Kleinod geht weiter: Anwohner und Naturschützer streiten mit der Stadt um den Eggarten* und wollen eine Bebauung verhindern. ÖDP-Fraktionschef Tobias Ruff hat gestern ein Öko-Gutachten vorgestellt, das weitere drei schützenswerte Fledermausarten nachweist. „Dann sind es jetzt zwölf Arten von 27, die bekannt sind“, sagt Ruff. „Ein Hotspot, den man nur selten findet.“

Eggarten München: 1800 Wohnungen sollen entstehen

Wie berichtet, will die Stadt im Münchner Norden in den nächsten Jahren ein neues Quartier mit rund 1800 Wohnungen errichten. Doch es gibt Proteste, weil Naturschützer die Eggarten-Siedlung als unverzichtbar für den Biotopverbund ansehen. Das Areal sei Lebensraum für diverse Tierarten sei.

Der Stadtrat hatte im März beschlossen, dass für das Gelände ein Bebauungsplan aufgestellt werden soll. Der Investor darf die Gebäude aber schon abreißen, sofern sie nicht unter Denkmalschutz stehen. Die Bagger rollen bereits, die CA Immo will leerstehende und meist baufällige Gebäude in Abstimmung mit den Behörden abreißen. Das sei notwendig, da ein Großteil der Häuser stark belastet und einsturzgefährdet sei. Ruff und Stadtratskollege Dirk Höpner* (Münchenliste) gehen aber davon aus, dass der Abriss unzulässig ist. Es gebe weder eine FFH-Verträglichkeitsprüfung, noch einen gültigen Bebauungsplan.

Eggarten München - ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff beharrt auf Umweltprüfung

Und das Gutachten nun untermauere laut Ruff, dass das Neubauprojekt eben dringend einer artenschutzrechtlichen und einer FFH-Verträglichkeitsprüfung bedürfe. Beispielsweise müsse die Frage geklärt werden, ob die Tiere umgesiedelt werden können. „Auch weitere Einriffe müssen durch diese Prüfungen begleitet werden“, sagt Ruff. Außerdem seien im Vorfeld schon Ausgleichsmaßnahmen zu schaffen.

ÖDP und Münchenliste hatten gegen den Abriss bereits Strafanzeige bei der Unteren Naturschutzbehörde gestellt. Denn gerade im Winter seien die Häuser für die laut Europarecht schützenswerten Fledermäuse unerlässlich. „Der Abriss der Häuser bedeutet für die Fledermäuse den Tod.“ Das Verfahren läuft aber noch.

Eggarten München: SPD und Grüne wollen an den Neubau-Plänen festhalten

„Am Eggarten entsteht eins der größten Genossenschaftsprojekte Münchens“, sagt SPD-Chef Christian Müller*. „Hier ist dauerhaft bezahlbarer Wohnraum garantiert. Deshalb halten wir die Bebauung für absolut richtig.“ Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher sagte, man wolle natürlich nicht gegen Naturschutzrecht verstoßen. „Wir haben hier ein sehr innovatives Konzept, und es bleibt auch sehr viel Grün. Das brauchen wir allein schon wegen der Frischluft.“

Derweil kann sich Ruff vorstellen, eine Klage gegen die Stadt München einzureichen. „Das Klagerecht besteht erst, wenn Baurecht geschaffen wurde. Und um Klagen zu können, braucht es Fakten.“ Die sollen nun weiter gesammelt werden, beispielsweise durch zusätzliche Gutachten im Frühjahr, etwa zu bedrohten Vogelarten. „Wir kämpfen um das letzte idyllische Stück Münchens.“ (ska) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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