Auch Alt-OB Vogel wird so gedacht

Guido-Westerwelle-Platz grenzt an Helmut-Kohl-Allee: Münchner werden bald neue Straßennamen entdecken

Helmut Kohl sitzt im Rollstuhl und hält die gefaltet
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Ihm wird mit einer Straße gedacht: Helmut Kohl war der „Kanzler der Einheit“.

In München werden neue Straßen und Plätze nach verstorbenen Polit-Größen benannt. Neben Alt-Kanzler Helmut Kohl und dem ehemaligen FDP-Chef Guido Westerwelle wird auch zwei Frauen geacht.

München - München* würdigt den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl* († 87, CDU*) und den ehemaligen Außenminister sowie FDP*-Bundeschef Guido Westerwelle († 54). Die Stadt benennt zwei neue Straßen auf dem Gelände der Bayernkaserne in Freimann nach den verstorbenen Politikern. Dafür hat sich der Ältestenrat ausgesprochen. Die Entscheidung muss kommenden Donnerstag noch vom Kommunalausschuss des Stadtrats bestätigt werden.

Kohl amtierte von 1982 bis 1998 als sechster Bundeskanzler der Bundesrepublik. Als Wegbereiter der Wiedervereinigung wurde er in den Jahren 1989/1990 auch „Kanzler der Einheit“ genannt. Er starb 2017 im Alter von 87 Jahren. Die „Helmut-Kohl-Allee“ verläuft parallel zur Heidemannstraße auf dem Areal der früheren Bayernkaserne. Dort entsteht in den kommenden Jahren ein neues Quartier mit rund 5500 Wohnungen. Bis zu 15.000 Menschen sollen hier leben.

Der „Guido-Westerwelle-Platz“ grenzt an die Helmut-Kohl-Allee. Der FDP-Politiker war 2016 verstorben. Westerwelle war von 2001 bis 2011 Bundesvorsitzender der FDP. Von 2009 bis 2013 amtierte er im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel* (CDU) als Bundesaußenminister. Er starb im Alter von 54 Jahren an den Folgen einer schweren Krankheit.

Nach ihm wird ein Platz auf dem Gelände der Bayernkaserne benannt: Guido Westerwelle war FDP-Chef und Außenminister.

Ehrungen für Prominente: Auch die Namen zweier Frauenrechtlerinnen werden in Erinnerung gerufen

Zwei weitere Straßen auf dem Bayernkasernen-Gelände sollen Henny Seidemann und Friederike Nadig gewidmet werden. Die gebürtige Berlinerin Seidemann (*1922) stammte aus einer alteingesessenen jüdischen Familie. Als 14-Jährige wurde sie in München während der NS-Zeit verhaftet, mehrfach verhört und in einem Kinderheim der Israelitischen Kultusgemeinde untergebracht. Ihre Mutter lebte zu dieser Zeit in Barcelona. 1938 gelang es Henny Seidemann, dorthin zu fliehen.

Erst 1957 kehrten Mutter und Tochter nach Deutschland zurück. Die ausgebildete Krankenschwester arbeitete fortan in der Modebranche. Sie war Mitgründerin des Frauenvereins „Ruth“ und kümmerte sich um traumatisierte Holocaust-Überlebende. Für ihr soziales Engagement wurde sie 1993 mit dem Bundesverdienstkreuz und der Medaille „München leuchtet“ ausgezeichnet. Sie starb 2012 im Alter von 89 Jahren. Die Henny-Seidemann-Straße verläuft vom Helene-Wessel-Bogen nach Norden bis zum Guido-Westerwelle-Platz.

Die Friederike-Nadig-Allee wiederum ist parallel zur Helmut-Kohl-Allee geplant. Nadig (geboren 1897 in Herford) war ab 1948 für die SPD* Mitglied des Parlamentarischen Rates. In dieser Eigenschaft setzte sie zusammen mit Elisabeth Seibert, Helene Wessel und Helene Weber die Formulierung „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ durch. 1949 wurde sie in den ersten deutschen Bundestag gewählt und gehörte diesem bis 1961 an. Nadig starb 1970 im Alter von 72 Jahren.

Ehrungen für Prominente: Alt-OB Vogel erhält einen Platz im Olympiagelände

Bei der Stadtratssitzung am Donnerstag soll auch der neue Platz für den am 26. Juli 2020 verstorbenen Alt-OB Hans-Jochen Vogel († 94, SPD) beschlossen werden. Wie berichtet, sollen Teile des Coubertinplatzes im Olympiapark* nach ihm benannt werden. Vogel gilt als wesentlicher Wegbereiter für die Olympischen Spiele 1972 in München. Nach seiner Zeit als OB (1960 bis 1972) machte der Sozialdemokrat in der Bundespolitik Karriere als Parteivorsitzender sowie Justiz- und Bauminister. Nach den Plänen der Stadt soll die Freifläche westlich der Olympia-Schwimmhalle bis zum Olympiastadion zum Hans-Jochen-Vogel-Platz werden. Der überdachte Bereich bei der Schwimmhalle und Olympiahalle bliebe als Coubertinplatz bestehen. Die SPD im Stadtrat hatte diese Umbenennung beantragt und entspricht damit offenbar dem Wunsch von Vogels Witwe Liselotte.

Unterdessen gibt es einen offenen Brief vom Stammtisch „D’ Marienplatzler“ an OB Dieter Reiter (SPD)* und den Stadtrat. Dem Freundeskreis gehören Künstler, Kaufleute sowie die früheren Stadträte Helmut Schmid (SPD), Helmut Pfundstein und Franz Forchheimer (beide CSU) an. Sie regen an, das gesamte Olympiagelände einschließlich des Stadions und nicht nur einen Teilbereich nach Hans-Jochen Vogel zu benennen. Dies wäre seiner Lebensleistung angemessen. (Klaus Vick) *tz.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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