Ex-Einbrecher gibt Tipps zum Schutz

Schon über 30 Einbrüche! Immer wieder schlagen Täter in Münchner Kitas zu - Ex-Gauner klärt auf

Doris Knopp von der Kita in Harlaching zeigt das zerstörte Fenster.
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Deutliche Einbruchspuren: Doris Knopp von der Kita an der Rotbuchenstraße zeigt das völlig demolierte Fenster.

Im Herbst beginnt auch die Zeit der Einbrecher. In diesem Jahr haben es die Diebe besonders auf Kitas abgesehen. Das kann die Polizei auch erklären. Derweil gibt es Ex-Gauner im Interview Tipps.

  • Mit den kürzeren Tagen steigt auch wieder die Zahl der Einbrüche.
  • In diesem Jahr sind in München besonders oft Kitas und Kindergärten betroffen.
  • Wie kann man sich vor solchen Straftaten schützen?

München - Mehr als 30 Einbrüche in Kitas und Kindergärten hat es 2020 schon gegeben - alle im Münchner Osten. Die Polizei spricht von „Serien-Tätern“. Im jüngsten Fall schlugen die Diebe in Harlaching zu. Kita-Leiterin Doris Knopp schildert im tz-Report, wie sie die Tat erlebte. In den letzten vier Wochen gab es laut Polizei bei den Einbruchszahlen in der Stadt generell eine „merkliche Steigerung“. Das ist typisch für Herbst - je kürzer die Tage werden, desto öfter schlagen Diebe zu.

„Die Zeitumstellung dieses Wochenende ist für Einbrecher der größte Feiertag. Da ist die Nacht noch länger“, sagt der ehemalige Einbrecher Hermann Wenning. Im Interview gibt er den Münchnern Tipps, wie sie sich schützen können.

Einbrüche in München: iPads und Spiegelreflexkamera aus Kita gestohlen

Als Doris Knopp (50) am Montag in ihr Büro kommt, merkt sie gleich: Hier stimmt etwas nicht! „Die Schranktüren standen alle offen - und ich war mir sicher, dass ich sie zugemacht hatte“, erzählt die Kita-Leiterin. Seit sechs Jahren ist Knopp in der Städtischen Kindertageseinrichtung an der Rotbuchenstraße (Harlaching) tätig. Am Wochenende sind dort Diebe eingebrochen.

Fünf iPads und eine Spiegelreflexkamera haben die Gauner aus dem Medienschrank in Knopps Büro mitgehen lassen. „Die Kamera hat mir privat gehört, sie hat fast 1000 Euro gekostet!“, klagt die 50-Jährige. Auch die Geldkasse, die in einem anderen Schrank stand, hatten die Gauner geöffnet. „Dort gab es aber nichts zu holen, die Kasse war leer“, sagt Knopp. „Ich frage mich, warum man ausgerechnet in eine Kita einbricht. Dort gibt es doch nie viel zu holen.“

Einbrüche in München: Laut Polizei sind Kitas für Diebe ein leichtes Ziel

Dennoch gab es laut Polizei dieses Jahr schon eine ganze Serie an Einbrüchen in Kindergärten und Kindertagesstätten. „Kitas sind für Einbrecher ein einfaches Ziel. Sie können sich leicht Zugang verschaffen und wissen genau, wann keiner da ist“, sagt Polizei-Sprecher Michael Marienwald. Im Fall der Kita in der Rotbuchenstraße waren die Täter über einen Zaun geklettert und hatten dann vom Hinterhof des Gebäudes aus ein Fenster zertrümmert. „Dort ist sogar Sicherheitsglas, aber die sind mit einer solchen Gewalt dagegengetreten, dass sogar der Rahmen kaputtgegangen ist“, berichtet Knopp.

Ob im aktuellen Fall ein Zusammenhang mit den über 30 weiteren Taten in 2020 besteht, prüft die Polizei. Laut Erkenntnissen von Ermittlern sind die Kindergarten-Gangster organisiert. „Es handelt sich um eine Gruppe junger Erwachsener“, so Marienwald. Wie viele das sind, kann die Polizei nicht sagen. Nur so viel: Es sind mindestens drei und die Polizei konnte auch schon Verdächtige festnehmen. Die Diebe hätten jedes Mal in Einrichtungen im Münchner Osten zugeschlagen, vorrangig in Ramersdorf-Perlach.

Kitas waren bereits vor der aktuellen Serie ein beliebtes Einbruchsziel. „Früher war ich in einer Einrichtung in Laim, dort war das gang und gäbe“, berichtet Knopp. Besonders nach Sommerfesten oder in den Ferien. Eben immer, wenn die Diebe dachten, es gebe etwas zu holen. Angst verspüre sie keine - aber Wut. „Wie armselig ist es denn, in eine Kita einzubrechen und Sachen zu klauen, die für die Kinderbetreuung benötigt werden?“ (Laura Felbinger)

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Ex-Gauner im Interview: „Zuerst zur Garderobe - wegen Portemonnaies oder Smartphones“

Weit mehr als 100 Mal ist Hermann Wenning (56) innerhalb von zwei Jahren in Wohnungen, Büros und Tankstellen eingebrochen. Seine Erlebnisse hat der ehemalige Junkie im Buch „Einbruch! Ex-Einbrecher Hermann Wenning packt aus“ (Geistkirch-Verlag) verarbeitet. Dort gibt er Hausbewohnern auch Tipps, wie sie sich schützen können.

Herr Wenning, wie wurden Sie zum Einbrecher?
Hermann Wenning: Ich musste meine Drogensucht finanzieren. Jeder dritte Einbruch entsteht durch Beschaffungskriminalität. Inzwischen halte ich darüber auch Vorträge.
Vom Einbrecher zum Buchautor. Wie kam es zu dem Wandel?
Wenning: Ich wurde erwischt und kam mit 36 Jahren für zweieinhalb Jahre in Haft. Anschließend habe ich eine Therapie gemacht und bin seither clean. Durch die Sucht hatte ich großen Druck, an Geld zu kommen. Oft war ich auch beim Einbruch berauscht, was mir die Angst nahm. Wenn ich daran zurück denke, habe ich ein schlechtes Gewissen. Die Hälfte meiner Bucheinnahmen geht daher an den Weißen Ring, eine Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer.
Gelegenheit macht Diebe. Traf das bei Ihnen zu?
Wenning: Ja, ich habe einfach geschaut, wo es möglichst einfach ist - wo also niemand zu Hause ist, ein Fenster gekippt oder die Hintertür offen ist.
Gab es einen festen Ablauf, wie sie vorgegangen sind?
Wenning: Ja. Zuerst bin ich zur Garderobe, denn in den Taschen sind manchmal Portemonnaies oder Smartphones. Dann habe ich im Schlafzimmer, anschließend im Wohnzimmer nachgesehen.
Wie kann man seine Wertsachen schützen?
Wenning: Einbrecher haben wenig Zeit. In der Regel suchen sie nicht im Bad, dem Keller oder auf dem Balkon. Natürlich hilft auch eine Alarmanlage oder ein Hund. Man kann aber auch einfach Warnschilder aufhängen wie „Vorsicht: Bissiger Hund.“ Wenn es aussieht, als sei jemand da, schreckt das Diebe ab. Man kann zum Beispiel ein Licht brennen lassen.
Und wenn man einem Einbrecher begegnet?
Wenning: Dann bringen Sie sich als erstes in Sicherheit. Man weiß nie, wie derjenige in der Stress-Situation reagiert.

Verteidiger Pfister: So wurde mein Mandant zum Verbrecher

Gelegenheit macht Diebe: Im Fall von Nebojsa A. (45) stimmte das Sprichwort tatsächlich. Im September 2018 war der Serbe in das Haus eines Perlacher Rentners eingebrochen und hatte den Tresor leergeräumt. Beute: rund 10.000 Euro. Vor dem Amtsgericht gestand er die Taten später und entschuldigte sich. „Ich schäme mich“, sagte A.

Kam mit einer Bewährungsstrafe davon: Nebojsa A. (l.) war sein Einbruch bei einem verreisten Rentner am Ende peinlich.

Sein Anwalt Thomas Pfister bewahrte den Angeklagten im März vor einer Gefängnisstrafe: Am Ende wurde Nebojsa A. nur zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Hintergründe waren filmreif: Der Rentner war verreist, sein Haus war aber nicht verschlossen und sogar die Fenster standen offen. „Es war die klassische Verführungssituation“, sagt Pfister. Der Rentner sei unvorsichtig gewesen, der Einbrecher habe Geldnot gehabt. Eine typische Verbrechens-Konstellation! (Andreas Thieme)

Auch in die „Bullerei“ von TV-Koch Tim Mälzer wurde eingebrochen - die Täter stahlen 28.000 Euro. Laut einer Versicherung gibt es einen Wochentag, an dem besonders viele Einbrecher auf Beutezug aus sind. Bei einem Einbruch bei einem Altstadt-Juwelier krachten die Diebe mit einem Auto ins Geschäft.

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