Chaos bei der S-Bahn

Hitze-Horror in der S-Bahn - Eine Stunde Sauna für zwei Stationen

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Joanna Piniara (60) saß am Mittwoch in der S4 Richtung Geltendorf fest.

Eine S-Bahn-Fahrerin und einige Leidensgenossen mussten am Donnerstag durch die Hitze-Hölle. Die Bahn entschuldigt sich.

München - Wir kennen sie – Situationen, von denen wir hoffen, dass sie möglichst schnell vorbei sind. Etwa wenn der Zahnarzt bohrt und einen Nerv trifft. Oder wenn man an diesen Tagen, bei über 30 Grad, in eine volle, schlecht klimatisierte S-Bahn steigt. Zwei Stationen sind es von Pasing bis Aubing – dort wohnt Joanna Piniara (60). Aber anstatt fünf Minuten zu fahren, saunierte sie am Mittwoch über eine Stunde in der stehenden S4. Warum? Auf tz-Anfrage sagte die Bahn: „Die S4 endete in Pasing. Man sollte nicht in Leerzüge einsteigen, auf denen ‚Nicht einsteigen‘ steht.“ Saß die Frau also im Geisterzug? Bleibt nur offen, was die vielen Fahrgäste auf ihren Fotos darin suchten ...

S-Bahn hätte leer sein sollen

Diese Sache sollte sich wohl besonders schnell klären: „Wegen einer Signalstörung wurde die S-Bahn ab Pasing aus dem Verkehr genommen“, sagte der Bahn-Sprecher. „Der Zugführer hat durchgesagt, dass alle aussteigen sollen.“ Dann habe er kontrolliert, ob der Zug leer ist. „Bevor er weiterfuhr, muss der Fahrgast eingestiegen sein.“ Und all die anderen Menschen auf den Fotos auch? Ja – alle seien sie in den Geisterzug gestiegen. Und: Nicht einer von ihnen habe die Notruftaste gedrückt.

Video: Das macht die Hitze mit unserem Körper

„Ich bin am Hauptbahnhof eingestiegen“, ist aber das Erste, das Piniara der tz sagt, nachdem sie zu Hause ankam und eine Migräne-Tablette schluckte. Keine Durchsage, kein Leerzug. „Kurz nach Pasing blieben wir stehen. Erst nach 40 Minuten kam eine Durchsage.“ Kleine Kinder, alte Menschen – die Hitze sei für alle unerträglich gewesen. „Es gab kein Wasser. Ich hatte Angst und bin den Gang immer auf- und abgegangen.“ Erst nach über einer Stunde wurden alle an der Leienfelsstraße befreit – und durften den nächsten Zug zurück nach Pasing nehmen.

„Es gab eine Signalstörung, der Zug musste stehenbleiben“

Später die Korrektur der Bahn: Piniaras Geschichte stimmt. „Es gab eine Signalstörung, der Zug musste stehenbleiben.“ Und: „Das ist nicht optimal gelaufen und tut uns leid.“ Immerhin gibt’s ja eine Entschädigung! „Man kann sich an den Kundendialog wenden, um das Ticket erstattet zu bekommen.“ Und die treuen Abonnenten? „Wir gucken, was wir machen können.“ Denn da sei „die Beweisführung“ leider schwierig ... 

Kathrin Braun

Hitze schuld? Riesen-Chaos bei der S-Bahn

„S-Bahn in München schon wieder lahmgelegt“, twitterte am Donnerstag ein verärgerter Fahrgast. Auch auf Facebook luden Nutzer ihren Frust ab: „Nichts fährt mehr“, schrieb der eine, „Klima geht natürlich auch nicht“, der andere. Die S-Bahn meldete zahlreiche Störungen wie etwa: Ausfälle der Taktverstärker-Züge, Verzögerungen von bis zu 40 Minuten auf der Stammstrecke, Beeinträchtigungen der Flughafenlinien, Weichenstörungen und technische Störungen. Der Verdacht: Auch der Bahn macht die Hitze zu schaffen. 

Ein Sprecher der Deutschen Bahn klärt aber: Dieses Chaos ist aktuell ganz normal. Die Jahrespünktlichkeit für 2019 liege bei 94 Prozent – der Juni sei mit 94,1 Prozent also im Schnitt. Der Bahnbetrieb sei ein Verkehrssystem, das „die Grenzen seiner Kapazität längst erreicht“ habe. „Darum brauchen wir einerseits Entlastung durch die 2. Stammstrecke, aber auch kurzfristig mehr Kapazität in unseren Zügen“, sagt er. „Wir setzen alles daran, täglich besser zu werden.“

Am Dienstagnachmittag wurde die BOB-Technik vom Sommer eingeholt. Ein Talent-Zug musste gegen 17 Uhr in Holzkirchen evakuiert werden. Der Grund: Überhitzung im Fahrgastraum.

Das Wetter in Deutschland bringt weiter extreme Hitze. Die Temperaturen haben den Juni-Rekord überschritten - und die Gluthitze kommt zurück.

Störungen, Verspätungen und weitere wichtige Hinweise zum S-Bahn-Verkehr in München und im Umland sammeln wir in unserem Ticker.

Aus Versehen wurde eine Münchnerin (61) zur Schwarzfahrerin. Doch die Geschichte nahm eine unglaubliche Wendung.

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