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München: Heftige Vorwürfe an Polizei - Spitzenpolitikerin sieht „massiv Erklärungsbedarf“ für Sanktionen

Die Münchner Polizei kontrolliert oft im Englischen Garten - so auch am Mittwoch
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Die Münchner Polizei kontrolliert oft im Englischen Garten - so auch am Mittwoch.

Wurde drei Männern wegen ihrer Hautfarbe der Zutritt zum Englischen Garten verweigert? Die Polizei München nimmt zu dem brisanten Vorwurf Stellung - jetzt schaltet sich die Politik ein.

  • Auf Twitter klagt ein Journalist über eine angebliche Maßnahme der Polizei München.
  • Drei schwarzen Männern soll der Zutritt zum Englischen Garten verweigert worden sein.
  • Die Polizei reagiert auf den heftigen Vorwurf - und wirft mit einem weiteren Einsatz jetzt Fragen auf.
  • Nun hat sich auch die hohe Münchner Politik eingeschaltet.

München: Nach Rassismus-Kritik an Polizei - Schulze stellt Anfrage

Update vom 30. Juli, 10.08 Uhr: Zuletzt hatten sich Vorfälle gehäuft, in denen die Münchner Polizei Menschen den Zutritt zum Englischen Garten verwehrt hatte (siehe Text weiter unten im Artikel). Nun hat das Thema auch die Münchner Politik erreicht. Wie Katharina Schulze, eine der beiden Vorsitzenden der bayerischen Grünen, gegenüber der Abendzeitung sagt, gäbe es in der Thematik „massiv Erklärungsbedarf".

München: Willkürliches Handeln der Polizei? Schulze will Aufklärung

Weiter sagte die Politikerin gegenüber der Zeitung: „Das Betretungsverbot für manche in den Englischen Garten hat einen willkürlichen Eindruck gemacht und deshalb nachvollziehbar für Empörung gesorgt“. Dem Bericht nach interessiere sich Schulze für die Rechtsgrundlage der Entscheidungen der Münchner Polizei. In einer schriftlichen Anfrage stellt Schulze die Frage, ob solch Vorgehen auch in anderen Münchner Parks praktiziert würden.

In München wurde am Donnerstagnachmittag eine Leiche aus dem Eisbach geborgen. Die Polizei hat den entsprechenden Einsatz bestätigt.

Update vom 23. Juli, 11.17 Uhr: Nach den heftigen Rassismus-Vorwürfen an die Polizei München rund um einen Einsatz im Englischen Garten ist jetzt wiederholt ein Fall ans Licht gekommen, der Fragen aufwirft. Wie die Abendzeitung berichtet, sollen drei junge Männer ( 27, 27, 28 Jahre alt) am vergangenen Mittwoch kurz nach 18 Uhr, ausgestattet mit jeweils zwei Bier und einem Radler, den Englischen Garten aufgesucht haben. An der Brücke vor der Surferwelle war dem Bericht nach jedoch schon Schluss.

Wie die jungen Männer der Zeitung berichten, sollen Beamte ihnen den Zutritt in den Englischen Garten verweigert haben. Und das, obwohl die kleine Gruppe weder betrunken noch aggressiv aufgetreten sein soll. Dem Bericht nach soll die Polizei den rigorosen Einsatz damit begründet haben, dass man in München keine Szenen wie in Stuttgart oder Frankfurt erleben wolle. Dort hatte es zuletzt heftige Ausschreitungen gegeben. Die Beamten verhängten den Männern demnach ein Zutrittsverbot im Englischen Garten bis um 4 Uhr früh des nächsten Morgens. Sollten sie sich nicht daran halten, hätte ihnen der Abendzeitung nach Gewahrsam gedroht.

München: Polizei heftigen Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt

Update vom 23. Juli, 17.59 Uhr: Es ist ein schwerer Vorwurf, den BR-Jounalist Malcolm O. (27) gegen die Münchner Polizei erhebt: Die Beamten sollen seinem Bruder und zwei Freunden wegen ihrer dunklen Hautfarbe den Zutritt in den Englischen Garten verwehrt haben (siehe unten). Wurden die drei Personen aus dem Umfeld des in München geborenen Journalisten mit nigerianischen Wurzeln wirklich diskriminiert?

Nach Befragungen und Besichtigung von Videomaterial erklärt die Polizei dagegen: Die Männer hätten versucht, der Kontrolle zu entkommen. Deshalb habe man sie überprüft. Dabei seien sie aggressiv geworden und hätten der Polizei rassistisches Verhalten vorgeworfen. Es habe an dem Tag 110 Kontrollen gegeben, 90 Platzverweise wurden erteilt. Insgesamt stellten die Beamten 95 Identitäten mehrerer Nationalitäten fest. Einer der Freunde von O.s Bruder sei am Abend noch am Gärtnerplatz in Gewahrsam genommen (und wieder entlassen) worden, weil er Beamte beleidigt habe, wie Bodycams zeigten.

Harter Vorwurf gegen Polizei in München: Rassismus-Vorfall bei Kontrolle am Englischen Garten?

Update vom 23. Juli, 14.09 Uhr: Die Münchner Polizei hat die Rassismus-Vorwürfe rund um einen Einsatz im Englischen Garten vehement zurückgewiesen. „Wir nehmen diesen Vorfall jedoch sehr ernst,“ so ein Polizeisprecher. Man werde den Kontakt zu den Betroffenen, sowie zu der Person, die den Beitrag auf Twitter geteilt hatte, suchen.

Die Polizei erklärte nun zur Begründung des Platzverweises, die drei Männer hätten bei der Kontrolle am Mittwochabend versucht, diese zu umgehen und seien zum Teil aggressiv geworden. Es seien an diesem Abend 90 Platzverweise an Menschen unterschiedlichster Nationalitäten erteilt worden. Eine Häufung bestimmter Gruppen sei dabei nicht zu erkennen. Dennoch solle der Vorwurf gründlich aufgearbeitet werden.

Bei einer Polizeikontrolle am Englischen Garten sollen sich Beamte zweifelhaft verhalten haben (Symbolbild).

Erstmeldung vom 23. Juli 2020

München - Rassismus-Vorwurf gegen die Münchner Polizei: auf Twitter berichtet der unter anderem für den Bayerischen Rundfunk (BR) tätige Journalist Malcolm Ohanwe von einem Vorfall, der sich am Englischen Garten zugetragen haben soll.

München: Rassismus-Vorwurf gegen Polizei - Zutritt zum Englischen Garten verweigert?

Seinem Bruder und zwei weiteren schwarzen Männern soll der Zutritt zur Parkanlage verweigert worden sein. Als Begründung habe eine Beamtin die Krawalle von Frankfurt und Stuttgart angeführt. Auch im Englischen Garten war es während des Corona-Sommers zu vereinzelten Ausschreitungen gekommen, von einem „Brennpunkt" wollte bislang jedoch niemand sprechen.

Er als weißer Kerl dürfe passieren, weil er im Gegensatz zu den drei Männer nicht ins Klientel passe.

Angeblicher Ausspruch einer Münchner Polizistin

Der Bruder des Journalisten und seine beiden Begleiter seien aufgefordert worden, den Englischen Garten für 24 Stunden zu meiden - andernfalls würden sie eingesperrt. Gegenüber dem BR berichtet Ohanwe, dass ein Passant das Vorgehen der Beamten hinterfragt und eine zweifelhafte Antwort erhalten habe: „Er als weißer Kerl dürfe passieren, weil er im Gegensatz zu den drei Männern nicht ins Klientel passe“.

Vorfall im Englischen Garten: Polizei München reagiert auf heftige Anschuldigung

Über Twitter hat Ohanwe die Rassismus-Vorwürfe am Dienstag (22. Juli) publik gemacht, noch am selben Abend reagierte die Münchner Polizei auf den Beitrag: „Wir nehmen solche Hinweise sehr ernst und werden den Sachverhalt umgehend prüfen. Geben Sie uns hierzu bitte etwas Zeit“.

Ohawe wurde zudem geben, weitere Informationen an die Beamten weiterzugeben.

Im Englischen Garten hat sich ein Mann an eine Münchnerin angeschlichen und sie dann sexuell belästigt. Die Polizei sucht jetzt nach Zeugen.

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