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So frisst der Staat das Erbe auf – Millionen-Abgabe für Münchner Altstadthaus

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Von: Sophia Oberhuber

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Das Haus der Grubers in der Stollbergstraße in München
In der Stollbergstraße steht das Gebäude der Grubers. © Marcus Schlaf

Mit einem Haus in bester Münchner Altstadtlage gilt die Seniorin Hildegard Gruber (Name von der Redaktion geändert) als reich. Doch nun droht die Erbschaftssteuer die Familie zu zwingen, das Haus zu verkaufen.

München - Was möchte man mit mehreren Millionen Euro in der Tasche, wenn man dafür sein Zuhause aufgeben muss. So könnte es der Familie von Hildegard Gruber (Name von der Redaktion geändert) als einer von vielen Münchner* Familien in Zukunft gehen. In Grubers Eigentum: ein mehr als 150 Jahre altes Haus, denkmalgeschützt, beste Münchner Altstadtlage. Doch um es behalten zu können, muss ihre Familie irgendwann die Erbschaftssteuer bezahlen.

Auf 1,5 Millionen würde sich die aktuell belaufen, so Gruber. Das aufzubringen, sei kaum möglich. Dann würde ein weiteres Haus von Münchner Privateigentümern an Investoren gehen. „Viele in der Stadt haben große Sorgen wegen der Erbschaftssteuer“, berichtet die 82-Jährige. Sie möchte anonym bleiben. Schon jetzt werde sie ständig von ausländischen Investoren belästigt, die ihr das Haus unbedingt abkaufen wollen, erzählt die Münchnerin.

Erbschaftssteuer in München hat sich seit 2012 mindestens verdoppelt

Die Immobilie hatte Gruber vor 30 Jahren von ihrem Lebenspartner geerbt. Viel Geld floss in das Haus – Wartung, Handwerker, Versicherung und Steuern. Heute ist es größtenteils gewerblich vermietet. Grubers Kinder leben seit 25 Jahren in dem Altbau, ihre Enkel sind dort aufgewachsen. „Meine Kinder und Enkel wünschen sich sehnlichst, hier zu bleiben“, sagt die 82-Jährige.

Um die Immobilie im Familieneigentum halten zu können, müssen die Münchner irgendwann die Erbschaftssteuer aufbringen. Diese wird unter anderem nach dem regionalen Bodenrichtwert bemessen, der alle zwei Jahre angepasst und damit erhöht wird. Laut dem Wirtschaftsprüfer Acconsis haben sich die Werte in München seit 2012 bereits mindestens verdoppelt, teils sogar verdreifacht.

Steuerfreibetrag bleibt gleich – Erbschaftssteuer steigt an: „Da läuft doch etwas schief“

Was aber im Erbfall trotz Preissteigerungen gleich bleibt: der Steuerfreibetrag für Hinterbliebene. Der liegt deutschlandweit bei 400 000 Euro pro Kind und 200 000 Euro pro Enkel. Und das ärgert Gruber: „Da läuft doch etwas schief. Private Vermieter werden in München aussterben, weil sie sich die Erbschaftssteuer nicht leisten können*.“ Um dem vorzubeugen, müsse der Steuerfreibetrag für Erben mindestens verdoppelt werden. Deshalb hat die Münchnerin seit einigen Jahren „den Kampf aufgenommen“, verschiedensten Politikern und Ministerien das Problem immer wieder geschildert. Passiert ist bisher nichts. (Oberhuber) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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