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Fachkräftemangel: Lage auch in München „erschreckend“ – Söder soll Fünf-Punkte-Plan umsetzen

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Von: Marc Kniepkamp

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Kinder sitzen beim Sport in einer Kita auf einer Bank.
Kinder sitzen bei einer Kindertagesstätte auf einer Bank. © Rolf Vennenbernd/dpa

Der Fachkräftemangel verschärft sich auch in München dramatisch. Träger fordern nun in einem offenen Brief einen akuten Fünf-Punkte-Plan.

München - Es ist ein eindringlicher Hilferuf, den zahlreiche Träger aus dem bayerischen Bildungsbereich an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) richten. Demach steuern etliche Einrichtungen – „von der Krippe bis zum Schulabschluss“ – infolge eines akuten Fachkräftemangels auf einen Kollaps zu.

Münchner Stiftung regt offenem Brief an Landesregierung an - Lage schon jetzt prekär

Schon jetzt sei die Lage prekär: „Viele unserer Betreuungsgruppen und Einrichtungen können wir Träger gar nicht erst öffnen, da schlicht das Personal fehlt“, heißt es in einem offenen Brief. Immer prekärer werde die Situation dagegen für vorhandene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie müssten aufgrund des Fachkräftemangels und erhöhter Krankheits- und Burnout-Fälle immer mehr Arbeit auffangen und überschreiten dabei ihre Grenzen – was Auswirkungen auf den Kinder- und Gewaltschutz haben kann. Derweil wechseln immer häufiger Mitarbeitende in andere Branchen – weil sie die hohe Belastung schlicht nicht mehr stemmen können.

Der offene Brief kam auf Initiative der Münchner Stiftung Pfennigparade zustande und enthält die dringende Bitte um schnelle, unbürokratische Hilfe. Ein Fünf-Punkte-Plan könnte nach Ansicht der Unterzeichner die Probleme akut lindern.

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Fachkräftemangel in Bildungseinrichtungen - Zugang zum Job soll erleichtert werden

Zunächst müsse demnach der Zugang zum Job erleichtert werden, etwa durch die Anerkennung von ausländischen Fachkräften mit Berufs- und Uniabschlüssen. Diese können bisher nur als Ergänzungskräfte eingesetzt werden. „Ebenso müssen weitere inländische pädagogische Studien- und Berufsabschlüsse für die Anerkennung als Fachkräfte benannt sein.“ Ein Beispiel: Absolventen, die das Erste Staatsexamen Grundschullehramt abgelegt und Berufserfahrung mit Kindern haben.

„Der Fachkräftemangel ist seit Jahren absehbar. Dass er sich jedoch in den letzten beiden Jahren so massiv zuspitzt, ist erschreckend. Es gibt so viele Menschen, die mit ausländischen pädagogischen Abschlüssen und vielen wertvollen Erfahrungen tolle Role Models für die Kinder sind – und nur darauf warten, endlich arbeiten zu dürfen!“, erklärt Susanne Schönwälder, Geschäftsführerin des Bildungsbereiches der Stiftung Pfennigparade, die Hintergründe.

Für Quereinsteiger bräuchte es niederschwelligere Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die auch berufsbegleitend absolviert werden können.

Fachkräftemangel: Auch Verwaltung soll ausgebaut werden

Auch in der Verwaltung gebe es Verbesserungsbedarf. Hier müssten mehr Stellen geschaffen und natürlich auch finanziert werden. „Es kann nicht sein“, ergänzt Beate Höß-Zenker von der Pfennigparade, „dass die gesamte Verwaltung der privaten Träger so unzureichend refinanziert ist, gleichzeitig jedoch der Umfang der Verwaltung steigt. Die Sicherung der pädagogischen Qualität muss die Hauptaufgabe der Leitungen und Pädagogen sein – die Verwaltung sollte wiederum Verwaltungsfachkräften obliegen.“ Um den Beruf attraktiver zu machen, sollten die Berufstätigen in frühkindlichen Bildungsbereichen mit denen im schulischen Bereich gleichgestellt werden. (mk)

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