Eiskalte Einreise

Fahndung im Flug: Helikopter-Polizei spürt in München Flüchtlinge auf

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Aus dem Helikopter nehmen Polizisten Bilder auf.

Migranten riskieren ihr Leben, um illegal nach München einzureisen. Ein Hubschrauber der Bundespolizei hilft dabei, Personen in der Nähe von Gleisen aufzuspüren. Dabei geht es nicht nur um Einreisende.

München - Bei eisiger Kälte haben erneut Migranten ihr Leben riskiert, um nach Deutschland zu kommen: Am Donnerstag in der Früh hat die Bundespolizei nahe dem DB-Betriebswerk Steinhausen drei Geflüchtete aufgegriffen, die aus Italien illegal in einem Güterzug eingereist waren. Ein Helikopter der Bundespolizei-Fliegerstaffel Oberschleißheim flog daraufhin über den Streckenabschnitt, um auszuschließen, dass sich noch mehr Flüchtlinge auf den Gleisanlagen aufhalten.

Häufig laufen Migranten auf Gleisen herum, nachdem sie von den Güterzügen geklettert sind.

Fabian A. (30), seit etwa viereinhalb Jahren bei der Fliegerstaffel der Bundespolizei in Oberschleißheim (Landkreis München), erklärt, wann Hubschrauber zum Einsatz kommen. „Wir wollen Personen im Gleis möglichst schnell finden, damit sie nicht von Zügen oder S-Bahnen erfasst werden.“ Bei Migranten komme hinzu, dass sie oft entkräftet und unterkühlt sind. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, sie zügig zu finden. Zudem würden sich Geflüchtete gelegentlich verstecken. Wichtig sei auch, zu wissen, wie viele Menschen illegal auf Zügen eingereist sind. Je schneller die Menschen gefunden werden, desto schneller können auch die Züge wieder nach Fahrplan fahren.

Lesen Sie auch: US-Amerikaner rastet am Flughafen München aus - Bundespolizei greift ein

Bundespolizei: Zahl der Migranten 2018 zurückgegangen

Neben Migranten sucht die Fliegerstaffel beispielsweise auch nach Kindern, die an Gleisen spielen, nach Graffiti-Sprayern und Menschen, die ihren Freitod angedroht haben. Der Vorteil eines Helikopters ist, dass er schnell am Einsatzort ist und im Vergleich zu Fahrzeugen auch unwegsames Gelände entlang der Bahngleise wie Waldstücke und Felder schnell absuchen kann. „Mit der Wärmebildkamera sehen wir Temperaturabweichungen um ein Zehntel Grad und erkennen so Menschen oder Tiere aus der Luft sehr schnell“, sagt Fabian A. Aufgrund der Umrisse könne man sehr schnell unterscheiden, ob es sich um eine Person oder ein Tier handelt. Helikopter kommen auch nachts zum Einsatz, nur bei dichtem Nebel kann Fabian A. nicht starten. „Wir brauchen auch eine gewisse Mindestflughöhe wegen Hindernissen wie Stromleitungen und Windkraftanlagen.“

Stundenlang verstecken sich Flüchtlinge oft in Güterzügen, um nach Deutschland zu kommen.

Laut Bundespolizei stammen die drei Männer, die am Donnerstag gegen 5.30 Uhr vom Rangierbahnhof auf den Gleisen Richtung Betriebswerk unterwegs waren, aus Nigeria und Sierra Leone. Sie mussten nicht ärztlich versorgt werden und wurden der Polizei übergeben.

Im Jahr 2018 ging laut Bundespolizei die Zahl der Migranten, die per Güterzug einreisten und aufgegriffen wurden, deutlich auf 122 zurück. 2017 waren es noch 565. Alleine von Oktober bis Dezember 2016 kamen 265 Flüchtlinge auf diesem Weg nach München. Den Rückgang führt ein Sprecher auf die umfangreichen Güterzugkontrollen durch italienische, österreichische und deutsche Behörden zurück.

Außerdem: „Wütende weiße Männer in den Arm nehmen“ – Aufregung um Tweet von ARD-Journalistin Anja Reschke

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Bogenhausen – mein Viertel“.

Stefanie Wegele

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