Unterwegs mit Fahrrad-Räumkommando

Radl-Ramadama in München: Schrott-Team der Stadt entfernt jährlich 6000 Fahrräder

40 herrenlose Fahrräder haben Grisha Banev (li.) und Quazim Behrami beim Radl-Ramadama am Rotkreuzplatz eingesammelt
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40 herrenlose Fahrräder haben Grisha Banev (li.) und Quazim Behrami beim Radl-Ramadama am Rotkreuzplatz eingesammelt.

Etwa 6000 mutmaßlich besitzerlose Radl und Schrotträder beseitigt die Park & Ride GmbH pro Jahr von Fahrradabstellplätzen in München. Wir haben einem Radlramadama miterlebt.

  • In ganz München* stehen Fahrräder rum, die längst nicht mehr benutzt werden und Standplätze versperren.
  • Jährlich sammelt eine Tochtergesellschaft der Stadt mehrere Tausende Radl ein und packt sie in eine Lagerhalle.
  • Wir waren bei einem Räumkommando dabei und haben erkundet, was mit den herrenlosen Drahteseln passiert.

München - Die Verwahrlosung herrenloser Drahtesel beginnt in der Regel mit den Reifen: Den Pneus geht die Luft aus. Dann kommt der Rost, Betrunkene treten auf das Radl ein, Passanten montieren den Sattel ab und was sie sonst noch brauchen. Genau solche mutmaßlich aufgegebenen Räder und Schrotträder sammelt die Park & Ride GmbH (P&R), eine Tochtergesellschaft der Stadt, einmal im Jahr ein, um Platz in den öffentlichen Radständern* zu schaffen. Seit 2017 geschieht dies im Auftrag des Baureferats.

München: Räumtrupps entfernen Fahrräder, die keiner mehr nutzt - Oder etwa doch?

Qazim Behrami und sein Kollege Grisha Banev sind mit der Akku-Flex unterwegs, um die alten Räder am Rotkreuzplatz einzusammeln. „Vor einem Monat wurden hier 119 mutmaßlich besitzerlose Fahrräder mit einer Banderole versehen. Alle, an denen jetzt noch ein roter Zettel hängt, nehmen wir mit“, sagt Behrami. Das Prozedere soll sicherstellen, dass die Räumtrupps nur Fahrräder mitnehmen, die keiner mehr nutzt. „Trotzdem ist die Einordnung, welches Fahrrad besitzerlos sein könnte, schwierig“, sagt ein weiterer Kollege, hebt ein plattes Rad aus einem Ständer heraus und lehnt es gegen einen Baum. Als wäre es abgesprochen, kommt ein älterer Herr daher und stellt sein klappriges Radl in die eben entstandene Lücke. Die Felgen und Ketten sind stark verrostet. „So ein Fahrrad kann von uns auch mal fälschlicherweise mit einer Banderole markiert werden“, sagt Behrami. Deshalb warte man einen Monat, bevor die Räder mitgenommen werden.

Selbst wenn der Besitzer das Fahrrad erst später vermisst, ist es oft noch nicht für immer verschwunden: „Wir lagern die Räder wegen Corona gerade sechs Monate ein“, sagt ein Mitarbeiter der Park & Ride. Auf der Internetseite www.radlramadama.de kann man nach seinem Radl suchen. Auch die Polizei erhält die Daten. So finden knapp zehn Prozent der Radl wieder zu ihrem Besitzer zurück. Die anderen werden an gemeinnützige Vereine gespendet.

Radbeseitigung in München: Jährlich landen Tausende von Fahrrädern in den Lagerhallen

Banev zieht ein modernes blaues Männerrad einer amerikanischen Marke aus dem Ständer – auf den ersten Blick sieht es verkehrstüchtig aus, dann fallen die durchhängende Kette und die platten Reifen auf – für wenige Euro könnte man das Rad richten. Ein Kollege sagt: „Seit 2017 führen wir die Radbeseitigung durch: Es werden aber nicht weniger Radl.“

Etwa 6000 Drahtesel landen so jährlich in den Lagerhallen. Die P&R-Mitarbeiter vermuten, „dass viele Münchner einfach ihr altes Rad an einem öffentlichen Ständer abstellen, um nicht zum Wertstoffhof zu müssen“. Beim Radlramadama am Rotkreuzplatz hat das Team insgesamt 40 Fahrräder abgeholt. Im nächsten Jahr kommen die Männer wieder.

450 neue Fahrrad-Kilometer in der Landeshauptstadt: Die Münchner Verwaltung reagiert auf Forderungen des Bürgerbegehrens und rechnet bis 2025 mit Kosten von über einer Milliarden Euro. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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