Raus aus der Großstadt

Mit dem Radl nach München: Mehr Fahrrad-Autobahnen ins Umland - Große Einschränkungen für Autofahrer drohen

Der Radschnellweg an der Leopoldstraße in München ist schon beschlossen
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Der Radschnellweg an der Leopoldstraße in München ist schon beschlossen.

Fünf neue Radschnellwege von München in das Umland sind machbar, so das Ergebnis einer Untersuchung. Allerdings wären die Trassen mit großen Eingriffen ins Verkehrsnetz verbunden.

  • München* soll sich zu einer Fahrradstadt entwickeln - die Planungen hierfür laufen auf Hochtouren.
  • Eine große Rolle spielen hierbei Radl-Autobahnen. Mit der Realisierung des Pilotprojekts wird bald begonnen.
  • Neben der Route nach Garching sind weitere Schnellwege raus aus der Stadt geplant. Wir stellen sie vor.

München - Der erste Weg führt nach Norden: Die Radl-Route von Münchens Innenstadt über Ludwig- und Leopoldstraße nach Garching ist als Pilotprojekt beschlossen und soll ab 2021 gebaut werden. Die Stadt hat aber noch weitere Trassen vorgesehen, für die nun vertiefte Untersuchungen vorliegen. Konkret geht es um neue Verbindungen über Karlsfeld nach Dachau, über Kirchheim nach Markt Schwaben, über Unterhaching nach Oberhaching, über Planegg nach Starnberg sowie bis an die westliche Stadtgrenze von Fürstenfeldbruck.

Während all diese Radschnellwege laut der Analyse ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweisen, ist dies bei einer sechsten vorgesehenen Route innerhalb des Stadtgebiets nicht der Fall. Diese Strecke würde über die Max-Joseph-Brücke, die Troger-, Metz- und Zeppelinstraße zur Wittelsbacherbrücke führen. Weiter ginge es über die Kapuzinerstraße, den Bavariaring, die Hackerbrücke und die Schleißheimer Straße bis zur Hohenzollernstraße in Schwabing. Die Kosten für die 15,8 Kilometer lange Route lägen bei 35,8 Millionen Euro. 2100 Parkplätze müssten geopfert werden.

München: Radschnellwege sollen entstehen - Welche Strecken werden realisiert?

Auch bei den Radschnellwegen ins Umland würden zahlreiche Stellplätze entfallen, ebenso wie Fahr- und Abbiegespuren. Mit einer Beeinträchtigung des öffentlichen Nahverkehrs an einigen Kreuzungen sei zu rechnen, heißt es in der Machbarkeitsstudie.

Nun ist die Frage, welche dieser Verbindungen umgesetzt werden. Bei der Variante über Karlsfeld nach Dachau (Länge 19,4 Kilometer) kalkuliert das Planungsreferat mit Kosten von 20 Millionen Euro. Sie würde im Stadtgebiet über die Sophien-, Heß- und Dachauer Straße, den südlichen Güterbahnhof und die Wilhelm-Zwölfer-Straße führen. 1100 Stellplätze müssten im Streckenverlauf gestrichen und 30 Bäume gefällt werden.

Die Strecke in den Osten nach Markt Schwaben wäre 25,3 Kilometer lang und würde knapp 58 Millionen Euro kosten. Nahezu alle der gut 900 entfallenden Stellplätze würden das neun Kilometer lange Teilstück auf Stadtgebiet (vom Lehel über Bogenhausen nach Riem) betreffen. Die Anzahl der zu fällenden Bäume beziffert das Planungsreferat auf 242, davon 89 im Stadtgebiet. Fast 1000 Bäume müssten für die Verbindung nach Oberhaching gefällt werden, nahezu alle außerhalb der Stadtgrenze. Bei dieser Strecke beträgt die Kostenschätzung 47,8 Millionen Euro.

52,9 Millionen Euro wären es beim mit 29,6 Kilometer längsten aller möglichen Radschnellwege nach Starnberg. Diese Verbindung würde an der Schwanthalerstraße beginnen und über das Westend, Großhadern und Planegg weiterführen. Auf der knapp neun Kilometer langen Strecke im Stadtgebiet bis zur Würmtalstraße müssten 885 Parkplätze gestrichen werden. Die fünfte Verbindung schließlich reicht bis vor die Tore Fürstenfeldbrucks. Die Streckenlänge beträgt 17 Kilometer, die Kosten wären mit 9,1 Millionen Euro am günstigsten.

München soll Radschnellwege bekommen - ÖPNV spielt in den Planungen eine große Rolle

Ziel sei es, so das Planungsreferat, Trassen auszuwählen, die wenige Konflikte zwischen dem ÖPNV und dem Radverkehr verursachen. Die Radfahrstreifen sollen drei Meter breit sein.

Gudrun Lux (Grüne) sagte: „Wir wollen auch für größere Entfernungen das Radfahren attraktiv machen*. Mit den Radschnellwegen können wir gerade zu Spitzenzeiten Bus und Bahn entlasten. Sehr genau schauen wir uns allerdings an, welche Baumfällungen wirklich nicht zu vermeiden sind.“

Andreas Schuster (SPD) begrüßt ausdrücklich die Machbarkeitsstudie. „Mit einer Zeitersparnis von rund 25 Prozent auf vielen Strecken sind diese Wege höchst attraktiv für Pendler. Die Kosten sind für Infrastrukturmaßnahmen im Vergleich zu anderen Verkehrsarten als günstig einzustufen.“ Der innerstädtische Verbindungsring sei gleichwohl eine notwendige Maßnahme, um gute Tangentialverbindungen anbieten zu können. „Noch liegen die Strecken nicht in einer Detailschärfe vor, die eine genaue Prüfung der einzelnen Vorschläge zulässt. Wir erwarten umfassende Informationen.“ *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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