„Radfahren darf kein Risiko sein“

Immer mehr Radler sterben auf Münchens Straßen - Experten sind alarmiert!

In München kommt es immer wieder zu tödlichen Fahrradunfällen (Symbolbild).
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In München kommt es immer wieder zu tödlichen Fahrradunfällen (Symbolbild).

Weniger Unfälle, weniger Verletzte gab es 2020 auf Münchens Straßen – trotz steigender Einwohnerzahl und mehr Autos. Nur im Radverkehr kam es zu deutlich mehr Unfällen und Verletzten.

München - Das Coronajahr 2020 unterscheidet sich in vielen Aspekten von seinen Vorgängern. Das zeigt sich auch in der aktuellen Verkehrsstatistik der Münchner* Polizei, die am Freitag vom neuen Polizei-Vizepräsidenten, Michael Dibowski, vorgestellt wurde. Denn: Mit 44 972 Verkehrsunfällen in Stadt und Landkreis München sinkt die Zahl um 16,8 Prozent im Vergleich zu 2019. Doch es gibt einen Ausreißer: die Unfälle mit Radfahrern.

Denn während die meisten Kennzahlen deutlich niedriger ausfallen als in den Vorjahren, gab es 2020 mit 3420 Fahrradunfällen einen Anstieg um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 3089 Radler wurde dabei verletzt, 373 schwer. „Vor knapp zehn Jahren waren es noch rund 1000 Unfälle weniger“, sagt Dibowski.

Mehr Radfahrer unterwegs - „Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit“

Allerdings waren 2020 auch rund 20 Prozent mehr Radler unterwegs. „Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit für Unfälle“, erklärt Dibowski. Der ADFC fordert aufgrund der steigenden Zahlen die Stadt München dazu auf, die Radinfrastruktur weiter auszubauen. „Die seit der Pandemie gestiegene Begeisterung für das Radfahren darf nicht in Rekord-Unfallzahlen münden“, sagt ADFC-Chef Andreas Schön. „Radfahren darf kein Risiko sein.“ Was die Zahlen der Polizei aber auch sagen: Fast die Hälfte der Radlunfälle (46,2 Prozent), bei denen ein zweiter Verkehrsteilnehmer beteiligt war, wurde vom Radfahrer selbst verursacht.

Besonders gefährlich sei auch das „Frisieren“ von Pedelecs, die dadurch Geschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometern erreichen. Das erhöhe das Unfallrisiko immens, so Dibowski. Zwar konnten die Beamten 2020 nur 36 manipulierte Pedelecs sicherstellen, die Dunkelziffer dürfte aber viel höher ausfallen.

21 Menschen sind 2020 durch einen Verkehrsunfall gestorben - sieben davon Radfahrer

Die traurigste Zahl in jeder Verkehrsstatistik ist die der Todesopfer. 21 Menschen sind 2020 durch einen Verkehrsunfall gestorben – genauso viele wie im Vorjahr. „Das sind definitiv 21 zu viel“, so Dibowski. Hier ebenfalls trauriger Spitzenreiter: die Radfahrer. Sieben von ihnen verloren bei einem Verkehrsunfall ihr Leben. „Das heißt, jeder dritte Mensch, der im vergangenen Jahr im Straßenverkehr ums Leben gekommen ist, war ein Radler“, rechnet Dibowski vor.

Besonders oft krachte es im vergangenen Jahr auf der Strecke Nymphenburger Straße bis Lachnerstraße. Hier kam es zu 70 Unfällen. Dahinter reihen sich die Ludwig-/Leopoldstraße bis zur Ungererstraße (68 Unfälle) und die Bayerstraße/Landsberger Straße bis Willibaldstraße (65 Unfälle) ein.

Besonders erfreulich ist, dass die Schulwegunfälle um ganze 56,5 Prozent zurückgegangen sind. Hier werden die coronabedingten Schulschließungen der entscheidende Faktor gewesen sein. - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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