Entscheidung im Stadtrat

München will gegen „Handtuch-Radwege“ vorgehen: „Nicht mehr zeitgemäß“

Fahrradwege zurückbauen will die Stadtverwaltung an der Augustenstraße.
+
Fahrradwege zurückbauen will Stadt München zum Beispiel an der Augustenstraße.

In Tempo 30-Zonen sollen Radwege zurückgebaut werden, wenn dies sinnvoll ist. So sollen Straßen attraktiver werden – für Fußgänger und Gastro-Besucher.

München - Münchens Tempo-30-Zonen werden in den kommenden Jahren nach und nach umgebaut: attraktiver, klima- und bürgerfreundlicher sollen sie werden. Der Stadtrat hat am Mittwoch beschlossen, dass immer dann, wenn in Tempo-30-Zonen Sanierungsarbeiten anstehen, geprüft werden soll, ob Radwege zurückgebaut werden können. Die Radfahrer würden dann auf der Straße fahren, der übrige Platz könnte den Fußgängern zugeschlagen werden. Wo es möglich ist, sollen Fahrradstraßen ausgewiesen werden. Etwaige Umbaumaßnahmen sollen auf Wunsch des Stadtrates in Abstimmung mit den Bezirksausschüssen erfolgen.

Wie im Sommer berichtet, sind Radwege, wie etwa auf der Augustenstraße, zu schmal. Sie haben keine Sicherheitsabstände zu Parkplätzen und sind schlecht einsehbar. Damit entsprechen sie weder modernen Anforderungen noch den Regelwerken. Durch den Rückbau erhalten nicht nur Fußgänger mehr Platz, es könnten auch Bäume gepflanzt oder gastronomische Bereiche eingerichtet werden.

München: Grünen-Stadträtin Gudrun Lux spricht von „Handtuch-Radwegen“

In Tempo 30-Zonen gibt es keine Pflicht, Radwege zu benutzen. Kinder bis 8 Jahren müssen, Kinder bis einschließlich 10 Jahre dürfen allerdings auf dem Gehweg fahren. Auch daher sei es laut Grünen-Stadträtin Gudrun Lux wichtig, dass im Einzelfall geprüft werde, ob der Rückbau eines Radweges sinnvoll ist. „Wichtig ist, dass wir alle Verkehrsteilnehmer mitdenken.“

Wenn „Handtuch-Radwege“ zurückgebaut würden, müsse die Sicherheit an erster Stelle stehen. Die Gehwege müssten dann so breit sein, dass Kinder sie benutzen können. „Auch für die würde es sicherer, da die schnelleren Radfahrer auf der Straße fahren.“ Wie die Verwaltung ausführt, könnten in Einzelfällen auch Lösungen geprüft werden, bei denen die Radwege abschnittsweise beibehalten werden,

SPD-Stadtrat Andreas Schuster: „Sicherheit muss oberste Priorität haben“

SPD-Stadtrat Andreas Schuster sagte unserer Zeitung: „Mehr Sicherheit für Radelnde und gleichzeitig mehr Platz für zu Fuß Gehende: Das ermöglichen wir heute mit unserem Beschluss zum Rückbau von nicht mehr zeitgemäßen Radwegen in Tempo-30-Zonen.“

Auch Schuster sagt, dass bei jeder Maßnahme die Sicherheit der Radelnden oberste Priorität haben müsse. Deshalb dürfe der Rückbau kein Automatismus sein. „In Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen etwa oder auf Schulwegen kann ein Radweg die sicherere Variante sein. Hier sollten die Radwege dann regelkonform und unter Einhaltung von Sicherheitsräumen ausgebaut werden.“

Auch interessant

Kommentare