Blick auf die Ladenzeile verdeckt

Diese falsche Fassade macht richtig Ärger

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Eine Plakatwand verdeckt die Baustelle am Marienplatz – und die dahinterliegenden Läden

München - Die Stadtwerke nennen es eine Baulogistikfläche. Für die meisten Betreiber der Läden im Rathaus ist der Kasten auf dem Marienplatz aber ein Ärgernis.

Der Christkindlmarkt mit seinen Ständen ist vom Marienplatz verschwunden. Und was bleibt vor dem Rathaus zurück? Ein riesiger rechteckiger Kasten. Auf zwei Seiten prangen große Bilder von U-Bahnen. Die Längsseite schmückt ein Foto der Ladenzeile am Rathaus. Ein Bagger ragt aus dem Kasten und wer etwas näher tritt, erkennt Bauzäune hinter den Fotowänden.

Die Stadtwerke nennen es eine Baulogistikfläche. Für die meisten Betreiber der Läden im Rathaus ist der Kasten auf dem Marienplatz aber ein Ärgernis. Denn ihre Geschäfte verschwinden hinter den hohen Bauzäunen. Laufkundschaft? Fehlanzeige! Die wenigsten Kunden sehen, dass hinter den Wänden noch Läden sind und laufen einfach daran vorbei.

Aber so nervig der Kasten auch ist: Ohne ihn geht es im Moment nicht. Denn hinter der falschen Fassade liegt ein echter Abgang zum U-Bahn-Zwischengeschoss. Über den werden täglich Material und Baumaschinen für den Umbau des Zwischengeschosses nach unten transportiert. „Manche Container und Maschinen müssen wir draußen lagern, weil unten zu wenig Platz ist“, sagt Stadtwerke-Sprecher Michael Solic.

Dass der Baukasten ausgerechnet vor dem Rathaus stehen muss, hat einen einfachen Grund: „Dieser Abgang ist relativ groß und die Verkehrslage ist hier am günstigsten“, so Solic. Den Ladeninhabern nutzt das freilich wenig. Sie brauchen einen langen Atem. Denn die U-Bahn-Baustelle wird ihre Geschäfte bis Ende 2014 verdecken. „Wir waren von Anfang an mit den Betreibern im Gespräch und hoffen, dass das Plakat mit der Ladenzeile den Kunden zeigt, dass man dahinter einkaufen kann“, sagt Solic.

Die Kunden finden uns nicht mehr

Die graue Wand vor dem Laden ist deprimierend. Aber viel schlimmer ist, dass Kunden unsere Apotheke nicht finden. Gerade am Anfang war weniger los. Wir leben ja von der Laufkundschaft. Ich habe im Notdienst Anrufe von Leuten bekommen, die auf der anderen Seite der Baustelle gestanden sind und nicht mehr weiter wussten. Manchmal finden wir Mitarbeiter nicht mehr von der U-Bahn nach oben zum Laden, weil alle Ausgänge auf unserer Seite dicht sind. Und wenn im Untergrund gebohrt wird, scheppern hier die Regale. Die Stadtwerke sind kooperativ, aber die Situation ist schwierig.

Veronika Grimm (28, r.), Apothekerin in der Rathaus-Apotheke, mit Kollegin Marie Steinhagen (28)

Nur Stammgäste

Zum Glück sind wir nicht so abhänging von der Laufkundschaft wie unsere Nachbarn. Die trifft es viel härter. Wir haben viele Stammgäste, die trotz Bauarbeiten ins Lokal kommen. Natürlich ist jede Baustelle in der Innenstadt eine Beeinträchtigung. Meinen Vorgänger hätte der U-Bahn-Bau 1972 fast die Existenz gekostet. Aber das Plakat mit der Fassade ist eine gute Idee.

Toni Winklhofer (63), Wirt im Ratskeller

Beate Winterer

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