Mehr Fälle nach dem Lockdown

Falsche Polizisten ergaunern zwei Millionen Euro - dann gelingt Münchner Ermittlern der Coup

2020 gab es in München bereits 1800 Fälle des organisierten Callcenterbetrugs mit falschen Polizisten (Symbolbild).
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2020 gab es in München bereits 1800 Fälle des organisierten Callcenterbetrugs mit falschen Polizisten (Symbolbild).

2020 gab es in München schon 1800 Fälle des organisierten Betrugs mit „falschen Polizisten“ - und seit Ende des Corona-Lockdowns wieder verstärkt.

  • Der Polizei München ist ein Coup gegen „falsche Polizisten“ gelungen.
  • Mit üblen Tricks prellen diese Täter ihre Opfer um Geld.
  • Seit der Corona*-Lockdown vorbei ist, nehmen die Taten wieder zu.

München - Manche Betrugsmaschen sind leider Dauerbrenner – wie die falschen Polizeibeamten*. Einige wollen schon gar nichts mehr davon hören, denken „das passiert mir eh nicht“ – aber: „Es kann jeden treffen!“, betont Polizei-Sprecher Marcus da Gloria Martins. Die Täter gingen so perfide vor, dass sie einen noch so gebildeten und geistig fitten Menschen austricksen könnten. Nun feiert die Polizei einen großen Erfolg: Im südbayerischen Raum hat sie acht falsche Polizisten geschnappt, die in München* und dem Umland fast zwei Millionen Euro ergaunert hatten.

Polizei-Sprecher Marcus da Gloria Martins (rechts) informiert auf der Pressekonferenz zu „falschen Polizisten“

Falsche Polizisten in München: Zwei Gruppen mit Kontakt zu gleichen türkischen Callcenter

„Begonnen haben die Ermittlungen Ende letzten Jahres, als die Betrugsfälle wieder stark zugenommen haben“, sagt Hans-Peter Chloupek, Leiter der AG-Phänomene. Nach einer Razzia in mehreren Orten in Oberbayern (München war nicht dabei) hat die Polizei am Donnerstagmorgen sechs Männer und zwei Frauen im Alter von 41 bis 55 Jahren aus Deutschland, Ungarn und der Türkei als Tatverdächtige identifiziert. Gegen vier davon wurde Haftbefehl erlassen, beim Rest steht dieser noch aus. Die Täter hatten in zwei Gruppen agiert mit jeweils einem sogenannten „Logistiker“. Diese beiden Logistiker hatten widerum Kontakt zum gleichen türkischen Callcenter. 

Von November 2019 bis Februar 2020 haben die Betrüger in München und dem Umland bei zehn erfolgreichen Taten ihren Opfern 1,7 Millionen Euro abgeknöpft. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 haben falsche Polizisten in München bei 3215 Betrugsversuchen (33 davon erfolgreich) insgesamt 2,27 Millionen Euro erbeutet. Heuer gab es in der Stadt bereits 1800 Fälle des organisierten Callcenterbetrugs mit falschen Polizisten. 

Falsche Polizisten in München: Im Corona-Lockdown gingen die Fälle zurück

„Während des Lockdowns gingen die Taten allgemein merklich zurück. Nun werden es wieder mehr“, berichtet Chloupek. Die Reisebeschränkungen, geschlossenen Hotels und vermehrte Polizei-Kontrollen hatten den Betrügern ihre Arbeit erschwert. Um noch besser gegen die Verbrecher vorzugehen, will die Staatsanwaltschaft München 1 nun ein „Joint Intervention Team“ (JIT) gründen. Sprecherin Anne Leiding: „Das JIT agiert international. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Behörden im europäischen Raum soll die Strafverfolgung beschleunigt werden.“

Opfer der Betrugsmasche sind meist alleinstehende Rentner. „Die Erfolgsquote liegt bei eins zu 100 – aber schon die eine Tat kann eine wirtschaftliche Existenz zerstören!“, sagt da Gloria Martins.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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