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4,6 Millionen Euro Schaden! Betrüger zocken Münchner Senioren ab - jetzt müssen sie in der Türkei vor Gericht

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Von: Andreas Thieme

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Die Zahlen des Callcenter-Betrug steigen massiv an: 2020 gab es in München 6113 Fälle mit 4,2 Millionen Euro Schaden
Die Zahlen des Callcenter-Betrug steigen massiv an: 2020 gab es in München 6113 Fälle mit 4,2 Millionen Euro Schaden © Julian Stratenschulte (dpa)

Sie geben sich als Polizisten aus und zocken am Telefon Münchner Senioren ab: Mehr als 4,6 Millionen Euro Schaden richteten Callcenter-Betrüger 2020 in München an. Doch jetzt wird einer Bande der Prozess gemacht.

E s ist ein beispielloses Verbrechen: Allein im Jahr 2020 lag der Schaden durch organisierten Callcenter-Betrug in München bei mehr als vier Millionen Euro! Aus der Türkei rufen Betrügerbanden bis zu 600-mal am Tag bei unseren Senioren an und versuchen sie abzuzocken. Kein Verbrechen ist zuletzt stärker in der Kriminalstatistik angestiegen, doch inzwischen ist Polizei und Staatsanwaltschaft ein entscheidender Schlag gegen das organisierte Verbrechen gelungen. In der türkischen Stadt Izmir begann am Freitag eines der größten Betrugsverfahren Europas: 24 Betrügern wird dort der Prozess gemacht. Einer hatte im Voraus gestanden. Die anderen 23 Täter saßen in U-Haft, 13 Männer wurden freigelassen, dem Rest drohen jetzt lange Strafen.

München: Telefon-Betrüger haben Senioren um 4,6 Millionen Euro geprellt

Vor Ort hatten die Betrüger über Monatehinweg sogenannte Callcenter aufgebaut, von denen sie auch in München gezielt Senioren angerufen hatten. Die Täter: meist junge Männer mit türkischen Wurzeln, die bereits in Deutschland gelebt hatten und teilweise abgeschoben worden waren. Von der Türkei aus suchten sie sich über das Internet aus Telefonverzeichnissen älter klingenden Namen wie Else oder Johann heraus und kontaktierten die Senioren. Mehr als 6000 Versuche hatte es 2020 alleine in München gegeben.

Betrug am Telefon: In Izmir in der Türkei hoben die Ermittler das Callcenter aus.
In München machten die Fake-Polizisten Millionen: In Izmir in der Türkei hoben die Ermittler das Callcenter aus. © Sigi Jantz

Den Senioren gaben sich die Betrüger als Polizisten aus und logen vor, dass es in der Nähe Einbrüche gegeben hätte und die Rentner in großer Gefahr seien. Die Masche: Ein Polizist komme vorbei, um alle Wertsachen zu sichern. Leider fallen immer noch Rentner darauf herein. Die Polizei weiß: Vollendete Fälle weisen oft hohe Schäden auf, mehrfach verloren die Senioren ihr Vermögen an die Abzocker, die bis zu 500 000 Euro Beute machten.

Telefonbetrug in München: Jetzt stehen 81 Tatverdächtige vor Gericht

Doch ihre Schwachstellen sind bekannt: Über die Abholer gelingt es der Polizei mittlerweile die Banden zu knacken–so auch im Fall, der aktuell in Izmir verhandelt wird. Dort stehen die Mitglieder aus insgesamt vier Callcentern vor Gericht, die die Polizei ausheben konnte. Insgesamt richtet sich die Anklageschrift sogar gegen 81 Tatverdächtige–auch den Komplizen drohen lange Haftstrafen.

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