Fall vor dem BGH

Mann aus München durfte nicht auf Festival, weil sein Aussehen nicht passte - Jetzt kämpft er

Nils Kratzer
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Nils Kratzer scheiterte in München am Türsteher - wegen seines Alters.

In München wurde ein Mann bei der Einlasskontrolle abgewiesen, weil er zu alt aussah. Wegen des verpassten Festivals klagt er nun vor dem BGH.

München - Graue Haare im Stoppelbart, Lachfalten um die Augen: Sieht Nils Kratzer deswegen zu alt aus, um an einem Sommerabend beim „Isarrauschen“ auf der Praterinsel in München zu feiern? Ja, entschieden die Sicherheitsleute an der Einlasskontrolle - und verwehrten dem damals 44-Jährigen und zwei Begleitern (Ü30) den Zutritt. Nein, findet Kratzer - und sah sich diskriminiert.

München: Mann wird Zutritt zum „Isarrauschen“ verwehrt - weil er zu alt ist

Er beruft sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), fordert 1000 Euro Entschädigung und hat sich so durch die Instanzen geklagt. Sein Fall wurde am Donnerstag (25. Februar) vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe verhandelt. Wie sich abzeichnete, gibt es bei der Frage aber viel zu bedenken. Eine Entscheidung will der siebte Zivilsenat erst nach Bedenkzeit im Mai verkünden. (Az. VII ZR 78/20)

„Ich habe noch nie erlebt, dass mir jemand ins Gesicht sagt, ich sei zu alt für ein Festival“, erklärte Kratzer vor der Verhandlung, zu der er nicht anreiste. „Teilnehmer in meinem Alter sind dort der Regelfall und keine Aliens.“ Er wolle sich auch mit 70 Jahren noch mit Alt und Jung amüsieren können. „Die Interaktion von „Alt“ und „Jung“ ist in jeglicher Hinsicht befruchtend für alle Generationen.“

München: Amtsgericht und Landgericht verteidigen Haltung des Veranstalters

Im konkreten Fall konnten sowohl das Münchner Amtsgericht als auch das Landgericht München I aber die Entscheidung der Veranstalter nachvollziehen. Das Open-Air-Event mit Dutzenden DJs im August 2017 sei für Personen im Alter von 18 bis 28 Jahren gedacht gewesen. Das Türpersonal habe die Anweisung bekommen, „nicht passendes Gästepotenzial“ auszusortieren. Dabei sei es auf den optischen Eindruck angekommen, es gab keine Alterskontrolle.

Entscheidend dabei war aus Sicht der Gerichte auch, dass die Teilnehmerzahl auf 1500 begrenzt war. Für den Erfolg einer so kleinen Veranstaltung sei ein „nach Alter und Aufmachung homogenes Publikum“ ein maßgebliches Kriterium. Deutlich anders sei dies bei größeren Events wie Konzerten in Fußballstadien oder Musikfestivals mit zig Tausenden Besuchern zu beurteilen, befanden die Münchner Richter. Das Benachteiligungsverbot gemäß AGG sei auf Massengeschäfte beschränkt.

Ab wie vielen Besuchern von Masse die Rede sein kann, muss nun der BGH klären. „Beim Maßstab, da sind wir noch auf der Suche“, sagte der Vorsitzende Richter. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle: etwa ob der Ausschluss bestimmter Altersgruppen im Sinne eines wirtschaftlichen Konzepts als Sachgrund dient. (dpa)

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