Keine Hilfe für Suchtkranke

Drogenambulanz in München gescheitert: Reiter von Freistaat enttäuscht - „Verkennt die Herausforderungen“

Fixierstuben: In den Einrichtungen können Suchtkranke medizinisch betreut werden - und unter hygienischen Bedingungen im besten Fall die Entwöhnung aufnehmen.
+
Fixierstuben: In den Einrichtungen können Suchtkranke medizinisch betreut werden - und unter hygienischen Bedingungen im besten Fall die Entwöhnung aufnehmen.

Die Stadt München und das Gesundheitsreferat wollten eine Fixerstube ins Leben rufen. Jetzt fährt die bayerische Staatsregierung dazwischen. Reiter ist sauer.

München - In München* wird es vorerst keine sogenannte Fixerstube geben. Das hat die Bayerische Staatsregierung in einem Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD)* mitgeteilt. Darin heißt es, ein Modellprojekt für eine Drogenambulanz werde abgelehnt.

Stadt München wollte Modell versuchen: Staatsregierung fährt dazwischen - keine Fixerstuben

Der städtische Gesundheitsausschuss hatte sich im Januar 2019 grundsätzlich für ein solches Projekt ausgesprochen. Beantragt hatte es die CSU, die Entscheidung jedoch liegt bei der Landesregierung. In Berlin und Hamburg beispielsweise gehören die Drogenkonsumräume seit Jahren zum Stadtbild. An diesen Orten können Süchtige mitgebrachte Drogen im geschützten Rahmen und unter Aufsicht konsumieren, um so medizinische Komplikationen und Drogentodesfälle zu vermeiden. 

OB Dieter Reiter kritisiert Regierungsentscheidung: „Verkennt die Herausforderungen in Großstädten“

OB Reiter zeigt sich enttäuscht über die Entscheidung des Freistaats: „Die Landeshauptstadt setzt sich schon seit vielen Jahren dafür ein, diesen schwer kranken Menschen auf diese Weise zu helfen.“ Die Staatsregierung habe in ihrer Ablehnung unter anderem argumentiert, dass Drogenkonsumräume für ganz Bayern genehmigt werden müssten, nicht ausschließlich in München. „Das Argument verkennt die besonderen Herausforderungen in den Großstädten, wo es neben den Hilfen für Betroffene auch gilt, die übrige Stadtgesellschaft vor negativen Begleiterscheinungen, etwa herumliegenden Spritzen, zu schützen“, erwidert Reiter. „Durch die Erfahrungen von 17 Städten in acht Bundesländern sind die positiven Effekte belegt.“

München: Schwerer Rückschlag für die Suchthilfe - Gesundheitsreferentin Zurek pocht auf Vorteile

Als schweren Rückschlag für den Ausbau der Suchthilfe in München bezeichnet Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) die Entscheidung des Freistaates. „Den Betroffenen gelingt es oft nicht, angemessenen Zugang zu medizinischer Versorgung zu finden. Eine Drogenambulanz wäre ein professionelles und niederschwelliges Angebot.“

Das Gesundheitsreferat hatte bereits ein erstes Konzept erarbeitet und Gespräche mit möglichen Trägern geführt. In der geplanten Suchthilfeeinrichtung sollte ein medizinischer Dienst Begleiterkrankungen erkennen und eine Behandlung einleiten. Darüber hinaus war vorgesehen, dass psychosoziale Kräfte die Lebensbedingungen der Konsumenten stabilisieren und weitere Hilfen anbieten. Teil des Konzepts ist es zudem, dass das Modellprojekt wissenschaftlich begleitet wird. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare