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Flächen gesucht für 400 Windräder rund um München: „Wir rücken entweder den Menschen näher oder der Natur“

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Von: Charlotte Borst

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Die Windräder bei Berg (Lkr. Starnberg) sind vier von zwei Dutzend, die es bisher in der Region München gibt.
Die Windräder bei Berg (Lkr. Starnberg) sind vier von zwei Dutzend, die es bisher in der Region München gibt. (Archivfoto) © Oliver Bodmer

In und um München könnten bis zu 400 Windräder gebaut werden. Die Kommunen sollen dafür Flächen finden. Der Chef des Planungsverbands erklärt, wie das gelingen soll.

Landkreis – Die Kraft des Windes nutzen, um Bayern mit Ökostrom zu versorgen: Dazu könnten allein in der Region München theoretisch bis zu 400 Windräder gebaut werden. Der Bund gibt mit dem Wind-an-Land-Gesetz klare Vorgaben: Bayern muss 1,1 Prozent seiner Fläche bis Ende 2026 für Windkraftanlagen zur Verfügung stellen und bis Ende 2032 sogar 1,8 Prozent ausweisen. Die 18 Planungsregionen in Bayern sollen die Vorranggebiete festlegen.

Zur Planungsregion München (Region 14) gehören die Landeshauptstadt München und die Landkreise Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg, München und Starnberg. Der Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbands, Christian Breu, hat umgehend mit der Arbeit begonnen. Am heutigen Dienstag treffen sich die Mitglieder des Planungsausschusses in Oberhaching, um die nächsten Schritte zu diskutieren und Ausschau zu halten: Denn bis Ende 2026 sollen 61 Quadratkilometer für Windkraft gefunden sein.

Herr Breu, wie wollen Sie diese Mammutaufgabe angehen?

Breu: Der Planungsausschuss befasst sich zunächst noch nicht damit, konkrete Flächen zu bestimmen. Es geht darum, die Kriterien zu finden, die überall in unserer Region gelten sollen. Nur dann wird die Planung gut durchführbar und rechtssicher. Wir bitten die Kommunen, uns ihre Konzepte oder Planungen für Windkraft zu schicken, sofern sie schon Pläne haben. Wir versuchen, diese zu berücksichtigen, können aber nicht versprechen, dass Flächen, die die Kommunen ausschließen wollen, unberücksichtigt bleiben, denn wir brauchen wirklich viele Flächen. Am Ende beschließen die Vertreter der Kommunen im Planungsausschuss die Windkraftgebiete für den Regionalplan.

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Wie mächtig ist das Wind-an-Land-Gesetz?

Breu: Als Bundesgesetz ist es sehr durchschlagskräftig gestaltet. Der Regionale Planungsverband ist bei der Flächenausweisung nach dem Wind-an-Land-Gesetz nicht an die Regeln der Kommunen, der Region und des Bundeslandes gebunden. Wir wollen aber von Anfang an die Landräte und Bürgermeister intensiv einbeziehen.

Es wird sicher auch Widerstand geben. Was passiert, wenn der Planungsverband nicht ausreichend Flächen definieren kann und das Ziel verfehlt?

Breu: Die Konsequenz wäre, dass dann Windräder überall im Außenbereich möglich wären, ohne, dass Freistaat oder Kommunen noch steuern könnten. Das ist der Hintergrund, warum wir versuchen müssen, diese Planung klar aufzusetzen und möglichst rechtssicher zu gestalten.

Es wird für Kommunen, Investoren oder Bürgergenossenschaften künftig also einfacher, Windräder zu bauen?

Breu: Ja, denn Windräder sind dann innerhalb der ausgewiesenen Flächen privilegiert und es kann ihnen keine andere Planung entgegengehalten werden.

Bisher haben die Gutachter empfohlen, Windkraftanlagen im Wald einzubetten. Welche Areale halten Sie für geeignet?

Breu: Also zunächst einmal finde ich den Wald schon schützenswert. Wir sind aber eine sehr dicht besiedelte Region. Zugespitzt heißt das: Wir können entweder den Menschen näher rücken oder der Natur. Es könnten etwa drei Viertel der Fläche, die für die Ausweisung der 1,1 Prozent in Frage kommt, im Wald liegen und ein Viertel auf anderen Flächen.

Was schlagen Sie vor?

Breu: Wir haben viele Autobahnen rund um München, die vom Zentrum nach außen führen. Sie verlaufen oft am Wald entlang oder durchschneiden den Wald. Es ist aus meiner Sicht sehr sinnvoll, die Flächen für Windkraftanlagen an der Infrastruktur zu bündeln. Allein schon deshalb, weil an den Autobahnen schon Stromtrassen liegen. Daher würde ich die Ausweisungsflächen viel stärker an den Autobahnen bündeln.

Gibt es nach wie vor Gebiete, die für Windkraft nicht in Frage kommen?

Breu: Ja, natürlich. Naturschutzflächen oder Natura 2000-Gebiete sind tabu. Auch die Regionen am Alpenrand werden sich schwertun, Flächen auszuweisen. Dann werden die einen Regionen etwas mehr und die anderen etwas weniger Windkraft haben. Das wird auch innerhalb unserer Region München so sein. Wir machen eine gesamtregionale Planung.

Wie viele Windräder könnten es in der Region München werden?

Breu: Rein rechnerisch könnten nach bisherigen Erfahrungswerten bis zu 400 Windräder gebaut werden. Wir geben aber keine Zahl vor. Wir weisen die Flächen nur aus. Wenn der Eigentümer nicht will, kann da auch kein Windrad gebaut werden. Wir haben auf die folgenden Schritte bis zum Bau des Windrads keinen Einfluss.

Da hapert es ja dann vielleicht wieder...

Breu: Ja, aber diese Frage müssen Sie ans Bundeswirtschaftsministerium richten. Da wurde das Gesetz gemacht.

Wie empfinden Sie die Stimmung gegenüber der Windkraft?

Breu: Gemischt, aber im Grunde positiv. Man will Windkraft, aber man will bei der Standortsuche Einfluss nehmen.

Was wünschen Sie sich für die Arbeit, die nun beginnt?

Breu: Dass wir den Prozess klar und rechtssicher aufsetzen können, dass wir möglichst schnell sind und die Zeit bis Ende 2026 nicht ausschöpfen und dass wir möglichst viel von den kommunalen Planungen berücksichtigen können. Ich wünsche mir nicht, dass es gänzlich ohne Streit abgeht, denn dieser Wunsch wäre unrealistisch. Wir werden diskutieren müssen, und das machen wir auch. Wir werden schon zu Anfang des Verfahrens die Flächen mit den Bürgermeistern und Landräten besprechen. Die Kommunen werden dann im förmlichen Verfahren noch mehrmals beteiligt.

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